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Computersucht ist einer der Gründe dafür, dass immer mehr junge Leute seelisch gestört sind - die Jugendpsychiater fordern mehr Fachpersonal für die Behandlung der Patienten.

Computersucht ist einer der Gründe

Immer mehr junge Leute sind seelisch krank

Augsburg - Die Jugendpsychiater schlagen Alarm und fordern Verstärkung: Immer mehr junge Menschen leiden an ihrer Seele - Computersucht ist nur einer der Gründe dafür.

Die für die Nervenkliniken zuständigen Bezirke beklagen daher das Fehlen von Fachpersonal auf dem Land. Ambulanzen außerhalb der Krankenhäuser sollen Abhilfe schaffen.

Vor dem Hintergrund einer wachsenden Zahl seelisch gestörter junger Menschen fordern die bayerischen Bezirke mehr Kinder- und Jugendpsychiater. “Vor allem auf dem flachen Land muss erheblich nachgebessert werden“, sagte der Präsident des Verbandes der bayerischen Bezirke, Manfred Hölzlein (CSU), am Donnerstag in Augsburg. Außerhalb der Fachkliniken müssten Ambulanzen für die Behandlung psychisch kranker Jugendlicher errichtet werden.

Hölzlein - Bezirkstagspräsident von Niederbayern - wies bei der zweitägigen Verbandsversammlung darauf hin, dass laut Studien bis zu zehn Prozent aller Jugendlichen seelische Störungen aufweisen. “Wir brauchen mehr Kinder- und Jugendpsychiater.“ Er sei nach einem Fachgespräch aller sieben Bezirkstagspräsidenten am Montag mit Bayerns Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU) aber zuversichtlich, dass Bewegung in die Sache kommt. Als Gründe für die Zunahme seelischer Erkrankungen junger Menschen gelten gesellschaftliche Veränderungen, etwa deren Vereinsamung, Computersucht, Leistungsdruck in der Schule und Versagen in der Familie.

Der Verbandspräsident bekräftigte die Haltung der Bezirke, dass zur Inklusion von behinderten Kindern neben normalen Schulen auch Förderschulen bestehenbleiben sollten. Nur so mache das Wahlrecht der Eltern Sinn. Wenn der Staat Inklusion in der Regelschule wolle, “dann muss er alles dafür tun, dass behinderte Kinder dort auch mitkommen“, forderte Hölzlein. Statt nicht pädagogisch ausgebildeten sogenannten Schulbegleitern für Behinderte in den Inklusionsschulen - die Kosten dafür tragen die Bezirke - müsse der Freistaat dort speziell geschultes Personal einstellen. Im vergangenen Jahr bezahlten die Bezirke mehr als 2000 Schulbegleiter. 2008 waren es noch 400.

Weiterhin lehnen die Bezirke einen Gesetzentwurf des Bundes ab, wonach zur Sicherungsverwahrung verurteilte Schwerverbrecher mit psychisch kranken Straftätern in geschlossenen Abteilungen von Nervenkliniken untergebracht werden sollen. Hölzlein: “Wir wollen nicht, dass schuldfähige Straftäter mit schuldunfähigen zusammenkommen.“ Die Behandlung der beiden Tätergruppen sei zu unterschiedlich, argumentieren die Bezirke als Träger der psychiatrischen Kliniken samt den Forensikabteilungen.

Am Donnerstagabend wurde Innenminister Joachim Herrmann bei der Verbandsversammlung erwartet. Tags darauf nimmt Gesundheitsminister Marcel Huber (beide CSU) zum Stand der Kinder- und Jugendpsychiatrie Stellung. Die Vollversammlung ist das höchste beschließende Gremium der bayerischen Bezirke. Neben den Nervenkliniken und anderen sozialen Bereichen sind die Bezirke - nicht zu verwechseln mit den Bezirksregierungen - Träger von Freilichtmuseen und anderen kulturellen Einrichtungen.

dpa

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