Junge Frau wie eine Sklavin gehalten

Lauingen - Gefoltert, geschlagen und gedemütigt: Ein besonders schwerer Fall von häuslicher Gewalt hat vor dem Augsburger Landgericht nach sieben Jahren für eine junge Frau endlich ein Ende gefunden:

Das Opfer, eine 28-jährige Türkin aus Lauingen (Kreis Dillingen), hat ein unglaubliches Martyrium hinter sich. Der Hauptangeklagte, ihr Ehemann (30) hat sie jahrelang misshandelt, bedroht, isoliert und "nahezu wie eine Sklavin behandelt", wie Richter Karl-Heinz Haeusler bei der Verhandlung vor dem Augsburger Landgericht fassungslos bemerkte. "Man ist schon sprachlos. Und es fällt schwer, hier ruhig und sachlich zu bleiben."

Die Familie des Angeklagten hatte die Frau systematisch gequält, schikaniert und von der Außenwelt abgeschottet. "Man hat ihr verboten, Deutsch zu lernen. Sie hatte nicht einmal einen Hausschlüssel, wurde ständig bewacht, durfte nicht mit Gästen sprechen", schildert ihre Anwältin. Laut Berichten der "Augsburger Allgemeinen" wurde die 28-Jährige täglich Opfer gewalttätiger Übergriffe ihres Mannes. Eskaliert seien die Misshandlungen nach der Geburt des zweiten Kindes: Bereits während der Schwangerschaft habe sich der Ehemann auf den Bauch der Frau gesetzt, um die Schwangerschaft zu beenden. Er hatte erfahren, dass es ein Mädchen wird.

Sechs Jahre und neun Monate wegen mehrfacher schwerer Körperverletzung lautet das Urteil für ihren Ehemann. Sein Bruder wurde zu vier Jahren und neun Monaten verurteilt. Außerdem stand der Schwiegervater des Opfers vor Gericht - er hatte sich jedoch vor dem zweiten Verhandlungstag in die Türkei abgesetzt. Auch ihm droht eine mehrjährige Haftstrafe, zwischenzeitlich wurde Haftbefehl erlassen.

Der Ehemann sei laut Richter Haeusler eine Art "Dr. Jekyll und Mr. Hyde": Bekannte hatten den Mann, der sich im Elternbeirat des Kindergartens engagierte, als sympathischen, fürsorglichen Vater beschrieben. Vor Gerícht entschuldigte sich der schmächtige 30-Jährige bei seiner Frau, die mit den Kindern inzwischen in einer anderen deutschen Stadt lebt: „Ich schäme mich. Es tut mir leid. Ich bereue es jeden Tag, den ich im Knast bin. Das ist nicht wiedergutzumachen.“ Tatsächlich ist das Opfer bis heute schwer traumatisiert und psychisch angeschlagen.

mm

Rubriklistenbild: © dpa

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