Junge Frau liegt nach Heroinspritze im Wachkoma

Neuötting - Nach einer Überdosis Heroin liegt eine junge Frau seit drei Jahren im Wachkoma. Die Familie gibt ihrem Verlobten die Schuld – und fordert eine halbe Million Euro Schmerzensgeld von ihm.

Bis vor drei Jahren war Anna K. (20, Namen geändert) ein gesundes junges Mädchen, sie machte eine Ausbildung zur Altenpflegerin, las gerne Bücher. Jetzt liegt sie in einem Pflegeheim in Burghausen (Landkreis Altötting) im Wachkoma, kann alleine weder gehen noch essen. Die einzige Abwechslung erlebt sie, wenn ihre Familie sie in den Garten schiebt. Laut ihrer Eltern reagiert sie manchmal auf Musik oder Stimmen – und lächelt. Zu mehr wird sie nie mehr fähig sein, seit eine Überdosis Heroin im März 2008 ihr Gehirn schwer geschädigt hat.

Die Schuld für das schwere Schicksal von Anna K. sieht ihre Familie bei deren damaligem Verlobten Markus B. (29), weil er ihr in seiner Wohnung in Neuötting (Landkreis Altötting) die Droge gespritzt habe – und noch dazu viel zu spät den Notarzt gerufen habe. Bis heute warten die Eltern auf eine Entschuldigung. Sie haben den alkoholkranken Mann, der sich derzeit in einer Entzugsklinik behandeln lässt, vor dem Landgericht Traunstein auf 500 000 Euro Schmerzensgeld, das sie spenden würden, sowie den Ersatz aller weiteren Schäden verklagt. Dort sind sie mit ihrer Klage gescheitert. Doch vor dem Oberlandesgericht (OLG) München scheint sich das Blatt nun zu wenden.

Das Landgericht Traunstein konnte keine Schuld beim Verlobten von Anna K. erkennen. Fest steht nur, dass sie gemeinsam Heroin konsumierten, das er am Bahnhof gekauft hatte. Die Familie konnte nicht nachweisen, dass B. ihr tatsächlich das Heroin gespritzt hat. Ebenso wenig, dass er den Arzt zu spät gerufen hat. Die Nacht, in der das Unglück geschah, könne man nicht rekonstruieren. Deshalb ging das Landgericht von einer „eigenverantwortlichen Selbstgefährdung“ von Anna K. aus.

Doch genau das ist der Knackpunkt: Die Frage, ob die damals 17-jährige Anna K. wirklich wusste, was sie tut. Dahinter setzt das OLG ein großes Fragezeichen. „Dass generell eine 17-Jährige im Falle des Drogenkonsums eigenverantwortlich handelt, mag bezweifelt werden“, sagte der Vorsitzende Richter Wilhelm Schneider. Man könne nicht automatisch davon ausgehen, dass ein Mädchen in diesem Alter die nötige „sittliche Reife“ habe. Hinzu kommt, dass B. mit dem Mädchen verlobt war – und eventuell ein „aktives Tun“ seinerseits vorliegt, da er ihr nach eigener Angabe den Arm gehalten hat, damit sie sich die Nadel setzen konnte.

Was das Gesetz von der „sittlichen Reife“ einer 17-Jährigen hält, zeigte auch der Strafprozess im Oktober 2008. Markus B. wurde wegen Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Nun ist es an ihm, zu beweisen, dass Anna K. eigenmächtig gehandelt hat. Der Prozess dauert an.

Nina Gut

Rubriklistenbild: © dpa

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