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Was halten die 18- bis 40-Jährigen in Bayern von Parteien? Was halten sie von der Kirche? Das will eine Studie herausgefunden haben.

Wie wichtig ist guter Sex? Sind sie stolz auf Bayern?

Junge Menschen in Bayern: So sehen sie die Welt

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München - Bayerns Frauen wollen Familie, Treue und mehr Rente. Bayerns Männer hassen Hausarbeit und scheren sich wenig um ihr Aussehen. Das ist das Ergebnis einer Studie über die 18- bis 40-Jährigen. Andere Ergebnisse überraschen mehr.

Wie zufrieden sind Sie mit ihrem Leben? Wie wichtig ist Ihnen guter Sex? Was halten Sie von Parteien und was von der Kirche? Sind Sie stolz auf Bayern? Und stimmt es, dass Sie nie den Haushalt machen?

Lauter neugierige Fragen, ziemlich intime Fragen. Aber auch hochspannende Fragen. Die renommierte Professorin und Soziologin Jutta Allmendinger hat sie den Bayern gestellt, den jungen Bayern zwischen 18 und 40 Jahren. Gerade ist ihre repräsentative Studie „Lebensentwürfe junger Frauen und Männer in Bayern“, die von der Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlicht wurde, erschienen. Allmendinger und ihre Mitarbeiter haben dazu 7003 junge Bayern befragt und 724 Interviews geführt. Die Ergebnisse sind teilweise sehr überraschend. Eine Übersicht.

Keine Lust auf Politik

Das ist vielleicht eines der alarmierendsten Ergebnisse der Studie: Die jungen Bayern haben keine Lust auf Politik. Viele diskutieren zwar mit ihren Eltern oder Freunden über Politik, aber weniger als jeder Zehnte würde jemals eine politische Veranstaltung besuchen. So gut wie keiner könnte sich vorstellen, in einer Partei oder der Kommunalpolitik mitzuarbeiten. Nur jeder Vierte gab an, ein sehr starkes oder starkes Interesse an Politik zu haben. Besonders eklatant ist hier der Unterschied zwischen Männern und Frauen. Nur elf Prozent der jungen bayerischen Frauen sagen von sich, dass sie sich sehr stark oder stark für Politik interessieren. „Das ist ein schockierend niedriger Wert“, heißt in der Studie. Bei Männern sind es 35 Prozent. Das Fazit von Jutta Allmendinger: „Die Politik trifft den Nerv der Generation nicht.“

Sie putzt, er repariert

Wir befinden uns im Jahr 2016 – und es ist alles noch wie früher. Wie ganz früher. Die bayerischen Frauen kochen fast immer, putzen fast immer und machen die Wäsche fast immer, das ist das Ergebnis der Studie. Lediglich kleine Reparaturen im Haushalt werden immer oder meistens von den Männern übernommen. „Das ist eine Aufgabenteilung, die krasser nicht sein könnte“, sagt Jutta Allmendinger. „Traditioneller geht nicht.“ Natürlich hängt das damit zusammen, dass Frauen im Schnitt weniger oder in Teilzeit arbeiten, dennoch sind diese Werte besorgniserregend: „Von einem gelungenen Ausgleich der Lebenswelten fehlt jede Spur“, heißt es in der Studie. Anders ist es bei der gemeinsamen Geldverwaltung von Paaren: Viele werfen ihr Geld komplett zusammen (30 Prozent), ein Viertel der Paare hält das gesamte Geld getrennt, ein weiteres Viertel verwaltet nur das Geld fürs alltägliche Leben gemeinsam. 15 Prozent der jungen, bayerischen Paare haben aber noch eine ganz andere Masche entwickelt, um das Geld zu verwalten: Die Partner zahlen in eine gemeinsame Kasse ein – proportional zu ihrem Einkommen.

Großer Kinderwunsch

Die jungen bayerischen Familien wollen Kinder – nur sechs Prozent der Frauen und zwei Prozent der Männer haben keinen Kinderwunsch. Durchschnittlich wollen die Befragten im Alter von 30 Eltern werden. Die meisten Paare hätte gerne zwei Kinder (57 Prozent der Frauen, 69 Prozent der Männer). Eine Familie mit drei oder mehr Kindern wünschen sich nur 25 Prozent der Frauen und 16 Prozent der Männer.

Stolz auf Bayern

Keine Studie über den Freistaat darf auf dieses Thema verzichten: den Nationalstolz. Knapp 40 Prozent der Bayern, die auf dem Land leben, sagen: „Es wäre gut, wenn sich die anderen Bundesländer mehr an Bayern orientieren würden.“ Bei den bayerischen Städtern sind es nur 25 Prozent. Es ist eindeutig: Wer in Bad Bayersoien oder Tuntenhausen lebt, dem ist seine Herkunft wichtiger als einem Münchner oder Augsburger. Zwei Drittel der „Land-Bayern“ sagen über sich, sie seien stolz, ein Bayer oder eine Bayerin zu sein. Bei den „Stadt-Bayern“ sind es nur knapp über 45 Prozent.

Die Sicht der Frauen

Die Soziologin Jutta Allmendinger hat in ihrer Studie zu einem hochinteressanten Trick gegriffen: Sie hat die bayerischen Frauen gefragt, was ihnen wichtig ist. Und gleichzeitig hat sie gefragt, was sie glauben, was anderen Bayerinnen wichtig ist. Das Ergebnis ist verblüffend: Am wichtigsten ist den Frauen Bildung, eine eigene Familie mit Kindern und Treue. Weniger wichtig ist das eigene Aussehen. Das sagen sie zumindest über sich selbst. Allerdings haben die befragten Frauen ein ganz anderes Bild von ihren Geschlechtsgenossinnen. Für die, glauben sie, steht das eigene Aussehen und die Karriere viel mehr im Mittelpunkt. Außerdem sei den anderen Frauen Treue und Familie viel weniger wichtig. Das Ergebnis ist kurios: Früher gab es Klischees und klare Fehlbeurteilungen von Männern gegenüber Frauen. Heimchen am Herd, die Frau ist zu Hause am glücklichsten, solche Sachen. Das ist inzwischen überholt. Heutzutage gibt es eine ganz andere Art der Fehlbeurteilung: Frauen schätzen Frauen falsch ein.

Die Sicht der Männer

Das gleiche Spiel wie bei den Frauen haben die Macher auch bei den Männern gemacht. Ergebnis: Weit unter 40 Prozent der Männer ist das eigene Aussehen wichtig, allerdings glauben die Männer, dass fast allen anderen Männern das Aussehen sehr wichtig ist. Auch die männlichen Bayern, die befragt wurden, halten sich selbst für treuer als die Geschlechtsgenossen. Klarer Fall von: Alle anderen sind so, aber ich bin ja ganz anders.

Zu lange Arbeitszeit

Arbeiten ist gut, aber arbeiten ist auch anstrengend. Bayerns Männer sind im Schnitt 40 Stunden pro Woche in der Werkstatt oder im Büro. Die Befragten haben allerdings angegeben, dass sie lieber nur 35 Stunden oder vier Tage die Woche arbeiten wollen. Es gibt nur eine einzige Gruppe, bei der die tatsächliche Arbeitszeit und die gewünschte Arbeitszeit übereinstimmen – bei Frauen mit Kindern (die im Schnitt 24 Stunden pro Woche arbeiten). Der Spagat zwischen Familie und Beruf belastet viele bayerische Männer. Über die Hälfte glaubt, dass wegen der Arbeit die eigene Familie zu kurz kommt. Trotzdem bleiben sie bei ihrer Arbeitszeit und scheuen längere Elternzeiten. „Offensichtlich“, heißt es dazu in der Studie, „ist der Druck durch die Familie geringer als der Druck vom Arbeitgeber.“ Die Folge: Die Männer fühlen sich unwohl und die Frauen erwirtschaften kaum Rente.

Kirche ist unwichtig

„Das hat uns extrem überrascht“, sagt Allmendinger – selbst in Bayern hat Religion inzwischen einen extrem niedrigen Stellenwert. Den Menschen ist finanzielle Sicherheit wichtig, gefolgt von finanzieller Unabhängigkeit, einem sicheren Arbeitsplatz, Freunde, Treue und die Eltern. Erst unter ferner liefen taucht Glaube und die Religion auf. Nur 20 Prozent ist das wichtig – der schlechteste Wert aller abgefragten Lebensbereiche.

Angst vor Terror

Es sind aufgeheizte Zeiten: Flüchtlingsheime brennen, Pegida marschiert und die AfD gewinnt Wähler. Trotzdem sehen die jungen Bayern die gesellschaftlichen Umbrüche relativ gelassen. Die größte Angst machen den Befragten Krieg und Terroranschläge (69 Prozent), eigene Armut (67 Prozent) und Einsamkeit. „Die weitaus geringsten Sorgen“, so heißt es in der Studie, „machen sich die jungen Menschen vor zu vielen Ausländern.“ Nur 30 Prozent haben hier zugestimmt.

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