+
Warten auf den festen Job (von unten nach oben): Johanna Beier, Daniela Müller, Susann Reiner, Anna Jeannotte, Bettina Strunz und Irmgard Bernhofer.

Junglehrer in Bayern

Arbeitslos mit 1,0-Abschluss

München - „Mit Bestnoten zum Arbeitsamt“ – der Bayerische Philologenverband stellt arbeitslose Junglehrer vor. Klar wird: Auf die Bedarfsprognosen des Freistaats ist kein Verlass.

Sie heißen Daniela Müller, Anna Jeannotte oder Bettina Strunz. Sie sind so um die 25, sie haben Englisch und Italienisch studiert. Lehramt. Sie haben Bestnoten, zum Teil 1,0. Und sie alle haben zum Schulhalbjahr, einem traditionellen Einstellungstermin, keine Stelle erhalten. Ein Grund dafür: Im Kultusressort wurden Lehrerstellen gestrichen. Zum 1. August fallen 830 Stellen weg, davon 336 am Gymnasium. Nur 20 Prozent der Junglehrer, die ihr Studium beenden, erhalten eine Anstellung. Damit ist die Lage noch schlechter als im Vorjahr, als die Quote immerhin bei 30 Prozent lag.

„Schockierend“ nennt Lisa Fuchs, Sprecherin der Referendar- und Junglehrervertretung im Philologenverband, die jüngsten Zahlen. „Mit 1,0 im Examen ohne Stelle – das kann eigentlich nicht sein.“

Bildungsmesse:

Am 1. & 2. Februar finden im MTC die Schultage München statt.

Kann doch sein: Zum Beispiel Anna Jeannotte aus München. Englisch, Ethik, Schulpsychologie. 1,0-Abschluss. Bis jetzt sogar ohne Aushilfsvertrag. Oder Daniela Müller aus Rosenheim: Englisch und Italienisch ist ihre Fächerkombination. Eigentlich ist sie Gymnasiallehrerin, doch zuletzt war sie eine mobile Reserve an einer Mittelschule. Derzeit müht sie sich mit einem Ethik-Studium – die Universität riet zu einem dritten Fach, um die Anstellungschancen zu erhöhen. Ach, winkt da Johanna Beier aus München ab, das bringe ja auch nicht. Die Lehrerin, die derzeit an einer FOS/BOS in Erding aushilfsweise unterrichtet, hat sich auch in Ethik nachqualifiziert. „Aber so wie das aussieht, ist das kein Garant für eine Festanstellung.“

Der Vorsitzende des Philologenverbands, Max Schmidt, hat für seine jungen Kolleginnen kein Patentrezept parat. Handeln müsse die Staatsregierung, zum Beispiel indem sie die Unterrichtsverpflichtung für Referendare senke und damit für fertige Junglehrer Stellen schaffe. Oder an den Unis Jobs besorge.

Besonders kritisch wird bei den Junglehrern die alljährliche Bedarfsprognose des Kultusministeriums betrachtet. 2007 hieß es noch, wer zwei Fremdsprachen studiere, habe beste Chancen. Wer darauf vertraute und 2007 ein Studium begann, ist jetzt fertig und – arbeitslos. Auf die Prognosen solle man sich lieber nicht mehr verlassen, meint Max Schmidt. Sie seien das Papier nicht wert.

Dirk Walter

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mückenalarm! Warum der Sommer eine Plage werden kann
Achtung - es könnte an lauen Sommerabenden ungemütlich werden. Denn Stechmücken fühlen sich in Bayern momentan besonders wohl und könnten sich explosionsartig vermehren.
Mückenalarm! Warum der Sommer eine Plage werden kann
Tot in Wohnung gefunden: Wer hat Steffi kaltblütig ermordet?
Eine 22-Jährige ist von ihrem Freund tot in der gemeinsamen Wohnung am Bodensee aufgefunden worden. Die Obduktion ergibt: Es war Mord. Kannte die junge Frau ihren Mörder …
Tot in Wohnung gefunden: Wer hat Steffi kaltblütig ermordet?
Weiterhin Unwetterwarnungen in Bayern
Am Freitagnachmittag warnt der Wetterdienst vor starkem Gewitter in München und dem Umland. Den ganzen Tag über hatte unterdessen enorme Hitze den Bayern zu schaffen …
Weiterhin Unwetterwarnungen in Bayern
Zu trocken: Gemeinden in der Rhön rufen zum Wassersparen auf
In Unterfranken wird das Wasser knapp. Zwei Gemeinden haben sich jetzt an die Bürger gewandt. Trinkwasser soll sparsam eingesetzt werden.
Zu trocken: Gemeinden in der Rhön rufen zum Wassersparen auf

Kommentare