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Dieser Mann hat keine Scheu vor Bauausschüssen im Gemeinderat und Kaffeekränzchen im Seniorenheim: Stefan Rottmann, 25 Jahre alt, Deutschlands jüngster Bürgermeister.

Jungspund im Rathaus: Er ist Bayerns jüngster Bürgermeister

Schonungen - Deutschlands jüngster Bürgermeister ist ein Bayer: Mit einem sagenhaft knappen Vorsprung von drei Stimmen hat Stefan Rottmann, 25, am Sonntag die Wahl im unterfränkischen Schonungen (8000 Einwohner) gewonnen. Wir sprachen mit dem SPD-Politiker einen Tag nach seinem Triumph.

Herr Rottmann, Sie arbeiten heute ganz normal in der VR-Bank in Schonungen. Verkatert?

Ich habe am Sonntag bis vier Uhr gefeiert, aber nur Spezi getrunken. Das war wirklich ein unglaubliches Erlebnis. Danach habe ich kaum geschlafen, weil ich ein schlechtes Gewissen hatte: Ich habe in nur zwei Stunden 320 E-Mails aus ganz Deutschland bekommen. Denen konnte ich gestern einfach nicht mehr antworten.

Drei Stimmen Vorsprung vor dem Konkurrenten von der CSU. Das dürfte der knappeste Ausgang der kleinen Kommunalwahl in Bayern sein.

Wir haben im Rathaus mitgefiebert, im Internet stand dann das Ergebnis etwas früher als auf unserer Leinwand. Ich habe versucht, nach außen hin cool zu bleiben. Man weiß im ersten Moment ja nie, wie sich das noch entwickelt. Aber die Stimmen wurden gestern Abend nochmal nachgezählt. Ich konnte das nicht fassen. Zum Glück hab ich am Sonntagmorgen nochmal alles gegeben.

Wahlkampf in letzter Sekunde?

Meine Freundin hat in der Früh gemeint, jetzt ist alles entschieden. Aber ich habe gesagt: Nein, da ist noch nichts entschieden. Also habe ich bei meinen engsten Freunde, die am Samstag gerne mal länger ausgehen und dann ausschlafen, morgens durchgeklingelt und gesagt: Geht wählen! Mir fallen spontan zig Leute ein, die ich überzeugt habe, an die Urnen zu gehen. Einer hat zum ersten Mal seit 30 Jahren gewählt, einen anderen habe ich aus Versehen ins falsche Wahllokal geschickt, der ist dann doch ins richtige Gebäude...Das war echt Maßarbeit.

Wie haben Sie den CSU-Kandidaten besiegt?

Er ist im Vorruhestand, hatte viel Zeit, war im Wahlkampf sehr aktiv. Ich habe bis vor zwei Wochen jeden Samstag mit meinem Dualen Studium verbracht, bin in der Zeit umgezogen. Aber ich habe trotzdem in allen Ortsteilen Veranstaltungen gemacht, habe 40 Vereine eingebunden, die Blaskapelle, junge Künstler, eine Talentschau veranstaltet. Meine Freundin und ich haben unsere Spaziergänge in der ganzen Gemeinde verteilt. Wir kennen jetzt jeden Briefkasten und jeden Hund. Man kann sagen, wir haben unter Einsatz unseres Lebens Wahlkampf gemacht. Der Florian Pronold, die Natascha Kohnen und alle fränkischen SPD-Oberbürgermeister waren da.

Hat Sie auch der Münchner OB Ude unterstützt? Er musste in einem Interview ja mal zugeben, dass er nicht genau weiß, wo dieses Unterfranken liegt...

Ude war als einziger OB nicht da. Ich habe ihn eingeladen, aber es war terminlich schwierig für ihn. Er selbst muss jetzt überall präsent sein.

Wie kommt ein junger Mensch wie Sie auf die Idee, Bürgermeister werden zu wollen?

Wir haben in Schonungen das größte bewohnte Altlastengebiet Bayerns, 2000 kam raus, dass eine ganze Siedlung auf Schwermetallen wie Arsen, Blei und Kupfer gebaut ist. Dort leben meine Eltern, ich habe da auch gewohnt. Schon als 16-Jähriger habe ich dagegen gekämpft, habe Petitionen eingereicht – schon damals haben Politiker komisch geschaut, wenn da so ein Junger ankommt.

Passiert Ihnen das heute auch noch?

Es gibt schon viele, die sagen, dass ich zu jung bin. Aber zu jung gibt es nicht. Ich sitze seit 2008 im Gemeinderat, damals habe ich die meisten Stimmen bekommen. Es gibt auch viele junge Ärzte oder Piloten – warum nicht?

Der SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold hält Sie für einen „tollen Typen“. Was machen Sie, wenn die Partei ihren Durchstarter aus Unterfranken in die Landespolitik abwirbt?

Ich würde ablehnen. Landes- oder Bundespolitik hat mich noch nie interessiert. Ich sitze jetzt acht Jahre im Bürgermeistersessel – etwas Besseres gibt es nicht.

Das Interview führte Carina Lechner

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