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Helmut Ganzer (66) mit Ehefrau Maria aus Kufstein beim Landgericht MÜnchen I am Lenbachplatz.

Gerichtsstreit um berühmtes Kufsteinlied

München - Das rund 60 Jahre alte Kufsteinlied mit seiner Jodeleinlage hat ein Echo vor Gericht gefunden. Zwei Stunden stritten die Erben des 1988 gestorbenen Autors Karl Ganzer am Donnerstag vor dem Landgericht München I um die Urheberrechte.

Sie wehrten sich gegen Musikproduzent Egon Frauenberger, der sagt, er habe in den 60er Jahren die Jodeleinlage bearbeitet. Mit Erfolg, denn künftig gilt der Vater von Helmut und Margit Ganzer wieder als alleiniger Textdichter und Komponist des Lieds, in dem die österreichische Stadt Kufstein als "Perle Tirols" besungen wird. Dass Frauenberger einst mit Karl Ganzer befreundet gewesen sein soll, ist während der Verhandlung vor der 7. Zivilkammer kaum vorstellbar. Der 77-Jährige behauptet steif und fest, er habe das "Holla-rä-di-ri, di-ri, di-ri" komponiert, mit dem das Kufsteiner Lied erst weltweit berühmt geworden sei.

Seit Jahren kassierte er dafür ein Zwölftel der GEMA-Einnahmen - bis zu 3000 Euro jährlich, wie Frauenberger sagt. Denn nach dem Tod von Karl Ganzers Frau Traudl im Jahr 2001 gelang es ihm, sich als musikalischer Bearbeiter bei der GEMA eintragen zu lassen. Ursprünglich gehe das Kufsteinlied zwar auf Karl Ganzer zurück, sagt auch Frauenberger, aber eben nicht die Jodelei. Das Lied kursiere mit verschiedenen Jodeleinlagen - unter anderem mit dem sogenannten Kuckucksjodler, der seinem Namen entsprechend mit einem "Kuck-kuck, kuck-kuck" beginnt. Heute kenne man das Lied aber mit einem Oktavjodler - das ist der mit dem "Holla-rä-di-ri, di-ri, di-ri".

Hören Sie dazu:

Das Kufsteinlied, gesungen von Heino (youtube-Video)

Das Kufsteinlied, gesungen von Margot und Maria Hellwig (youtube-Video)

Tatsächlich: Wer im Internet nach dem Kufsteinlied sucht, findet viele verschiedene Interpreten. Heino, Maria und Margot Hellwig oder Hansi Hinterseer sangen den Ohrwurm - die Trefferlisten lesen sich wie das Who's who einer volkstümlichen Hitparade. Bei Heino klingt der Jodler nach einem "Holla-lei", bei Maria und Margot Hellwig eher nach "Holla-huri". Hansi Hinterseer scheint sich hingegen weitgehend an den klassischen Oktavjodler zu halten.

Der Vorsitzende Richter Peter Guntz tut sich schwer mit der Behauptung Frauenbergers, wonach das Kufsteinlied seine Popularität ausgerechnet dem "Holla-rä-di-ri, di-ri, di-ri" zu verdanken habe. Dass er und seine Richterkollegen sich letztlich auf die Seite der Kläger schlagen, hat aber eher damit zu tun, dass sich Frauenberger über Jahrzehnte einverstanden gezeigt hatte, Ganzer als alleinigen Urheber anzusehen. Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

Der bizarre Streit erinnert an Loriots Sketch "Jodeldiplom" - das findet sogar Richter Guntz. "Auch wenn man als Kind mit Loriot sozialisiert wird, würde man nicht denken, dass man sich beruflich mal damit befassen müsste, ob es "dudel-do" oder "dudel-dö" heißt." In dem Sketch lernt Schauspielerin Evelyn Hamann alias Frau Hoppenstedt, dass es "du-dödl-di" heißen muss, um das fiktive Jodeldiplom zu erwerben. Nicht "du-dödl-dö".

Von Michael Kieffer

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