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Thomas L. beim Prozess 2012 in Regensburg.

Polizisten kommen zu spät

"Strohballenmörder" auf der Flucht

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Straubing - Bahnt sich ein handfester Justizskandal an? Der so genannte "Strohballenmörder" wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Doch als die Polizei ihn abholen will, hat sich der 33-Jährige bereits abgesetzt.

Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, befindet sich der so genannte Strohballenmörder von Straubing auf der Flucht. Der 33-jährige Thomas L. war im Dezember 2012 vom Landgericht Regensburg zu lebenslanger Haft verurteilt worden, ein Haftbefehl wegen Fluchtgefahr wurde sofort erlassen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Straubinger im Februar 2007 seinen Onkel aus Habgier erwürgt hatte. Der Leichnam des 48-jährigen Kfz-Mechanikers wurde damals in der Nähe des Straubinger Tiergartens zwischen Strohballen gefunden, dadurch wurde der Fall als "Strohballenmord" bekannt.

Im März 2013 kam der 33-Jährige durch einen Beschluss des Oberlandesgerichts Nürnberg wieder auf freien Fuß - für die Zeit, bis über den Revisionsantrag entschieden werden sollte - und zwar ohne Auflagen.

Übermittlung der Informatinen dauert zu lange

Wie ein Regensburger Justizsprecher mitteilte, bestätigte der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe das Urteil am 9. August. Doch offenbar mahlten die Justizmühlen zu langsam. Weder BGH noch die Bundesanwaltschaft informierten die bayerische Justiz unverzüglich über den abgelehnten Revisionsantrag. Schneller kam die Information aber anscheinend beim Verurteilten an.

Der Straubinger Oberstaatsanwalt Klaus Dieter Fiedler, der damals auch die Anklage gegen den Strohballenmörder vertreten hatte, erklärte gegenüber dem BR, die Polizisten hätten Thomas L. nicht in dessen Wohnung angetroffen, als das Urteil schließlich vollstreckt werden sollte.

Sie klingelten an der Wohnungstür aber niemand öffnete. Die Wohnung war leer. Der Mann, der eine lebenslange Haftstrafe antreten sollte, war geflüchtet.

„Es ist ein sehr ungewöhnlicher Fall, aus dem wir unsere Schlüsse ziehen müssen“, sagt Fiedler. Nun muss er die fieberhafte Suche nach einem Mann leiten, den er längst hinter Gitter geschickt zu haben glaubte. Gegen die Entscheidung des OLG, den Mörder freizulassen, konnte er kein Rechtsmittel mehr einlegen.

Hält sich der Mörder in Brasilien auf?

Trotzdem kritisiert der Oberstaatsanwalt nicht die Entscheidungen der Gerichte. Ihn stört vielmehr der zeitliche Ablauf, nachdem der BGH die Revision des Mannes verworfen und damit die lebenslange Haftstrafe rechtskräftig wurde. „Wir gehen davon aus, dass der Mann vor uns von der Entscheidung des BGH erfahren hat“, sagt Fiedler. In solchen Fällen sei es vielleicht sinnvoller, die Strafvollstreckungsbehörden deutlich eher zu informieren.

Spekuliert wird, dass sich der Straubinger bei Verwandten in Brasilien aufhalten könnte.Nachdem er in einem ersten Verfahren 2008 aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden war, reiste der Mann bereits damals zu seiner Familie nach Brasilien. Freiwillig kehrte er aber dann 2012 zum zweiten Verfahren nach Deutschland zurück.

dh

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