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Gustl Mollath war Anfang August aus der Psychiatrie entlassen worden.

Hessischer Rechtsanwalt unter Verdacht

Justizfall Mollath: Gefälschter Beschluss gefaxt

Wiesbaden - Ein gefälschter Gerichtsbeschluss, der die sofortige Freilassung Gustl Mollaths forderte, hat für Aufsehen gesorgt. Er war im Juni aus einer Anwaltskanzlei gefaxt worden.

Ein gefälschter Gerichtsbeschluss zum Justizfall Gustl Mollath ist im Juni aus einer Anwaltskanzlei in Wiesbaden gefaxt worden. Die Staatsanwaltschaft der hessischen Landeshauptstadt bestätigte am Freitag, dass sie wegen Gefangenenbefreiung, Amtsanmaßung und Urkundenfälschung ermittelt. Der Rechtsanwalt werde in dem Verfahren als Zeuge geführt. Auch die Zeitung „Wiesbadener Kurier“ berichtete über die Ermittlungen. Dem Fälscher droht eine mehrjährige Haftstrafe.

Gefälschter Beschluss des Landgerichts Regensburg

Das Fax vom 14. Juni täuschte einen angeblichen Beschluss des Landgerichts Regensburg vor, wonach der sieben Jahre lang zwangsweise in der Psychiatrie untergebrachte Gustl Mollath sofort freizulassen sei. Die Forensische Klinik Bayreuth bereitete daraufhin zunächst die Entlassung vor, obwohl sie vor der Fälschung gewarnt worden war. Das Fax ging auch Medien zu, darunter der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Nach dem Bericht im „Wiesbadener Kurier“ bestreitet der Anwalt, Urheber der Fälschung zu sein. Ein Mandant, der dem Justizopfer Mollath habe helfen wollen, habe darum gebeten, spätabends aus der Kanzlei Leserbriefe zu dem Fall faxen zu dürfen. Dem Anwalt sei erst später klargeworden, dass die Fälschung über sein Gerät gelaufen sei.

Anwalt streitet Fälschung ab

Der Jurist habe schon am 20. Juni in einer Schutzschrift bei der Staatsanwaltschaft Wiesbaden seine Sicht der Dinge hinterlegt, sagte Behördensprecher Hartmut Ferse. Dies sollte mutmaßlich eine Durchsuchung der Kanzlei verhindern. Durchsucht wurde trotzdem, denn auch die Staatsanwaltschaft Bayreuth war schon auf den Fax-Anschluss in Wiesbaden gestoßen. Bei Vernehmungen machte der Rechtsanwalt keine Angaben. „Als Zeuge hat er sich auf sein anwaltliches Schweigerecht berufen“, sagte Ferse. Die Ermittlungen dauern an.

Mollaths Anwalt Gerhard Strate hatte die versuchte Befreiung schon im Juni als „kriminelle Aktion eines Agent Provocateur“ verurteilt. Mollath wurde am 6. August auf Beschluss des Oberlandesgerichtes Nürnberg freigelassen. Er war wegen Gewalttätigkeit 2006 als gemeingefährlich eingestuft worden und saß in der Psychiatrie. Über viele Jahre kämpfte er für eine Wiederaufnahme seines Falles, doch die Justiz hielt bis Anfang August an ihren Beschlüssen fest.

dpa

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