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Hunderte Kälber sind an der mysteriösen Krankheit gestorben

Kälber verbluten an mysteriöser Krankheit

München - In ganz Deutschland sterben Kälber an mysteriösen Blutungen - auch in Bayern. Zunächst gesunde Tiere werden matt, bluten an Körperöffnungen, Schleimhäuten und auch durch die unverletzt erscheinende Haut.

München – Allein in Bayern sind innerhalb eines Jahres mehr als 100 Kuhkälber an einer rätselhaften Krankheit gestorben. Aus ganz Deutschland sind mittlerweile Fälle bekannt geworden. „Die Ursache ist noch unbekannt“, sagt Eva Kappe vom Tiergesundheitsdienst in Grub (Kreis Ebersberg). Ende 2007 war in ihrem Zuständigkeitsbereich erstmals ein Fall aufgetreten.

Es folgten regelmäßig weitere rund um München, bis klar war: „Das sind keine Einzelfälle mehr.“ Betroffen sind stets ganz junge Tiere im Alter von zwei bis drei Wochen, die aus Körperöffnungen, Schleimhäuten und auch durch die unverletzt erscheinende Haut bluten. Schon wenige Stunden bis Tage nach den ersten Symptomen tritt der Tod ein, häufig auch durch die Folgen des Blutverlusts, so Kappe.

Das Krankheitsbild erinnert an Ebola, doch beim „Blutschwitzen“ gibt es einen entscheidenden Unterschied: Es ist offenbar überhaupt nicht ansteckend. „Zumindest sind weder andere Tiere noch der Halter erkrankt“, sagt Kappe. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es dafür aber nicht.

Ursache für die Krankheit: unbekannt

Beim Tiergesundheitsdienst sind bisher rund 50 Fälle aufgetreten, beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) waren es knapp 60, bestätigt Sprecher Katrin Grimm. Und überall wird gerätselt, was die Krankheit auslöst. „Eine Infektionskrankheit oder eine Vergiftung sind denkbar“, sagt Kappe. Beim LGL heißt es, das manches bereits ausgeschlossen wurde. So handele es sich weder um ein Bakterium noch einen Virus. „Und es ist auch keine genetische Frage, weil Kälber von allen Rassen betroffen waren“, sagt Grimm.

Fieberhaft arbeiten Wissenschaftler daran, näheres zu dem Kälbersterben herauszufinden. Experten des Tiergesundheitsdienstes fanden bisher bei allen betroffenen Kälbern auch starke innere Blutungen. Zudem war das blutbildende Knochenmark der Kälber stark geschädigt. So könnten die Blutungen Folge einer Blutgerinnungsstörung sein, weil die dafür benötigten Blutplättchen nicht mehr im Knochenmark hergestellt werden. An der Klinik für Wiederkäuer in Oberschleißheim (Kreis München) arbeitet Wolfgang Klee an dem Fall. „Unsere Untersuchungen gelten zunächst der Frage, ob die Schädigung des Knochenmarks vor oder nach der Geburt einsetzt“, sagte er.

Auch weltweit rätseln Ärzte über die Krankheit: Im Internet-Fachforum Promed-mail schreibt der britische Tierarzt Richard Brown, die Symptome seien einer Farn-Vergiftung ähnlich, die er vor 20 Jahren im mittelamerikanischen Belize beobachtet habe. Das Gift im Farn greife das Knochenmark an. Auch das Antibiotikum Furazilidon habe „Blutschwitzen“ hervorgerufen. Das Mittel ist in der EU für Nutztiere verboten.

Boris Forstner

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