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Dunkle Wolken über einem verblühten Löwenzahn: Es ist zu kalt und zu nass für diese Jahreszeit.

Der kälteste Mai seit 19 Jahren

München - Bibbern im Wonnemonat: Mensch und Natur leiden zunehmend unter dem rekordverdächtig schlechten Wetter. Wissenschaftler nennen die Ursachen - und wagen eine Prognose.

Von wegen Wonnemonat. In München hat es bisher an jedem einzelnen Tag im Mai geregnet. Und von der Sonne war so gut wie nichts zu sehen. Bis Christi Himmelfahrt haben die Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in der Landeshauptstadt 27,9 Stunden Sonnenschein gemessen. Viel zu wenig – im Schnitt scheint die Sonne im ganzen Mai 184,8 Stunden. Außerdem ist es viel zu kalt. Die Durchschnittstemperatur liegt zurzeit bei 10,8 Grad. Zuletzt war es im Jahr 1991 so kalt. Fällt der Sommer heuer komplett aus?

„Nein, das sicher nicht“, versucht Björn Walz Mut zu machen. Für den Meteorologen aus Grafing (Landkreis Ebersberg) ist das schlechte Wetter „eigentlich nicht ungewöhnlich“. „Ehe nicht Pankratius, Servatius und Bonifatius vorbei, ist nicht sicher vor Kälte der Mai“, zitiert er die alte Wetterregel. „Die Eisheiligen treiben ihr Unwesen.“ Und das, weiß Walz „aus Erfahrung“, ist irgendwann auch wieder vorbei.

Bis dahin aber sind Spanien, Frankreich, Italien und leider eben auch Bayern fest in Xenas Griff. Das Tief schaufelt kalte und feuchte Meeresluft aus dem Norden nach Mitteleuropa. Während der Freistaat friert, freut sich Finnland über Temperaturen von über 25 Grad. „Grundlegend wird sich daran so schnell nichts ändern“, befürchtet Volker Wünsche vom DWD. „Xena ist hartnäckig.“ Das Wetter soll sich ab Mitte nächster Woche zwar etwas bessern, bleibt aber vorerst unbeständig.

Wünsche glaubt nicht, dass der Vulkanausbruch auf Island die Situation verschärft. Zwar habe es in der Vergangenheit Aschewolken gegeben, die die Sonnenstrahlen abgeblockt und dadurch die Temperatur gesenkt haben – doch dafür sei die Aschekonzentration in der Atmosphäre heuer zu gering.

Björn Walz tippt stattdessen auf El Niño. Das berühmte Wetterphänomen, das alle fünf bis zehn Jahre im Pazifik auftritt, beeinflusst die Druckgebiete weltweit und habe Bayern bereits einen kalten Winter beschert.

Doch woran es auch immer liegen mag, das miese Wetter schlägt auf die Stimmung und beeinflusst die Natur. Bienen finden nicht ausreichend Nahrung und auch Vögel wie der Mauersegler müssen hungern, weil aufgrund der Kälte nur wenige Insekten umherfliegen, erklärt Tom Konopka vom Bund Naturschutz (BN). Grundsätzlich gibt der Naturschützer aber Entwarnung: „Pflanzen und Tiere können sich auf den kalten Mai einstellen.“ Für die Landwirte könnte das Wetter jedoch zu einem Problem werden, wenn nicht bald die Sonne herauskommt. Zu viel Wasser sei zwar besser als zu viel Trockenheit, erklärt Matthias Kick vom Bayerischen Bauernverband, doch wegen der Feuchtigkeit breiten sich Pflanzenkrankheiten im Getreide und im Raps schneller aus. Kick rechnet heuer mit einer schlechteren Ernte als in den vergangenen Jahren. Doch Panik will auch er nicht verbreiten. „Ich bin Optimist, die Natur macht das schon.“

Streng wissenschaftlich betrachtet ist der Mai mit 10,8 Grad Durchschnittstemperatur bislang 2,5 Grad zu kalt – auch wenn die gefühlte Temperatur deutlich darunter liegen dürfte. Trost spendet vielleicht ein Blick in die Geschichte der Wetteraufzeichnung: Die kälteste Durchschnittstemperatur, die jemals im Mai in München gemessen wurde, war 8,9 Grad. Doch das, sagt Volker Wünsche vom DWD, war im Jahr 1902.

Thomas Schmidt

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