Kältewelle hat Bayern fest im Griff

München - Um satte zehn Grad ist der März bisher zu kalt. Eisige Winde tun ihr Übriges. Erneuter Schneefall sorgt für zahlreiche Unfälle. Nicht nur der Mensch, auch die Natur sehnt sich nach Frühling.

Meteorologisch gesehen ist schon seit elf Tagen Frühling. Doch kaum einer verlässt dieser Tage ohne Mütze, Schal und warmen Wintermantel das Haus. Eisig sei es draußen, hört man immer wieder, viel zu eisig für die Jahreszeit. Dabei seien die Temperaturen „überhaupt nicht anormal“, sagt Jens Winninghoff, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst München. Der März sei schlichtweg ein Monat mit großer Spannbreite. Minusgrade seien ebenso im üblichen Rahmen wie Temperaturen über 20 Grad.

„Extreme und Rekorde gibt es keine, aber trotzdem ist der März bisher bezogen auf das langjährige Mittel deutlich zu kalt“, sagt Winninghoffs Kollegin Uta Zimmermann. Während der Monat mit sieben Grad Tagesmittel gestartet ist, gab es am 8. März mit minus sechs Grad in München eine Abweichung um satte zehn Grad. Auch gab es bisher bereits fünf so genannte Eistage, also Tage, an denen die Temperaturen den ganzen Tag unter dem Gefrierpunkt lagen. „Das sind jetzt schon mehr, als für den ganzen Monat üblich“, sagt Zimmermann.

Doch Schuld am Kälteempfinden sei vor allem der eisige Wind: „Je höher die Windgeschwindigkeit bei relativ tiefen Temperaturen, desto mehr Wärme wird dem Körper entzogen und desto kälter fühlt es sich an“, so die Meteorologin. Während das Thermometer gestern in München um den Nullpunkt pendelte, lag der gefühlte Wert mit Winden der Stärken sechs (um 45 Kilometer pro Stunde) bis acht (bis zu 74 Kilometer pro Stunde) um minus neun Grad.

Dort, wo die Schneedecke noch immer geschlossen ist, hungern heimische Vögel. „Das ist etwa für Meisen ein Problem, denen in ihrer jetzt beginnenden Brutzeit ohnehin schon unangenehm kalt ist“, sagt Alf Pille, Sprecher des Landesbunds für Vogelschutz.

Der Meteorologe Winninghoff mahnt zur Geduld: „Die nächsten Tage bleibt es kalt. Am Freitag klettern die Temperaturen kurz über null, aber am Wochenende gibt es wieder Schnee und Kälte. Das bleibt dann vorerst.“ Zum selben Urteil kommt auch Stefan Wagner aus München. Allerdings ist er kein Wetterforscher, sondern Gärtnermeister. Die Bäume lassen es ihn ahnen: „Sie registrieren schon im Vorhinein, ob es kalt bleibt oder warm wird.“ So hält etwa die Kornelkirsche ihre Knospen noch ungewöhnlich weit zurück.

Ebenso wie der Mensch sehnt sich auch die Natur nach dem Frühling. Zwar kommt dieser heuer wohl etwas verspätet, doch dafür voraussichtlich umso heftiger: „Die Pflanzen verharren im Stillstand und warten auf den Tag X“, erklärt Wagner. „Ist der erst einmal gekommen, pressiert’s ganz schön. Wenn der Frühling nur drei anstatt sechs Wochen andauert, müssen sich Blüten und Bienen eilen.“

Einige Bäume würden dann in weniger saftigen Farben austreiben. Auch die Tiere seien durch die längeren Tage bereits „voll auf Frühjahr gepolt“, sagt Vogelschützer Pille. Sobald es dann warm wird, explodiere die Natur „und die Vögel balzen, was das Zeug hält“.

Uta Künkler

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