Kämmerer steckt Kirchengeld in abenteuerliche Projekte

Nürnberg - Ein wegen Veruntreuung von 7,5 Millionen Euro angeklagter Finanzverwalter der Evangelisch-Reformierten Kirche Bayern hat vor Gericht über die Investition des Geldes in abenteuerliche Projekte berichtet.

Alles habe seinen Anfang genommen, als ein Projekt zum Bau von Müllverbrennungsanlagen in der Türkei gescheitert sei, erklärte der Diplomkaufmann und Steuerberater am Montag vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth. In der Hoffnung, das verlorene Geld auf anderem Wege wieder hereinzuholen, habe er als nächstes in ein Tourismusprojekt investiert. Doch auch aus dem geplanten Bau eines Hotels mit Golfanlage in der Türkei sei letztlich nichts geworden.

Zuletzt sei dann noch ein Projekt in China gescheitert, in dessen Zuge 400 000 Nachtspeicheröfen in Peking hätten gebaut werden sollen. Zudem habe er einer türkischen Brotfabrik ein Darlehen gegeben. Wie es inzwischen um die Firma stehe, wisse er aber nicht, sagte der Finanzfachmann.

"Ich habe die kirchlichen Finanzen immer in Ordnung gehalten. Die Kirche konnte sich mehr leisten und das hat dann auch mehr Wünsche und Begehrlichkeiten geweckt", sagte der 68 Jahre alte Finanzchef in dem Untreue-Prozess. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Kämmerer vor, Geld in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben. Der Angeklagte erklärte hingegen, er habe das Vermögen der Kirche immer gewissenhaft und pfleglich verwaltet.

Bereits zum Prozessauftakt hatte der 68-Jährige die Veruntreuung von rund 7,5 Millionen Euro Kirchengeldern in vollem Umfang gestanden. Er habe der Kirche nur helfen wollen. Am Ende sei aber alles schief gegangen. Ein Urteil wird für den kommenden Montag erwartet.

Zur Evangelisch-Reformierten Kirche in Bayern gehören nach eigenen Angaben zehn Gemeinden mit rund 12 000 Mitgliedern. Die meisten evangelischen Christen im Freistaat sind allerdings in der Evangelisch-Lutherischen Kirche zusammengeschlossen, die nicht in den Untreue-Skandal verstrickt ist.

dpa

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