Durch Wasserwalze gespült: Junger Mann stirbt in der Isar

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Volle Kraft voraus: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) auf der Brücke der „Kristallkönigin“. Die Steuerruder hat aber Kapitän Maximilian Dick in der Hand.

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Käpt’n Horst auf der Donau

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München - Die Staatsregierung steht vor einer schwierigen Entscheidung: Soll die Donau nur sanft ausgebaut werden, wie die FDP es will? Oder mit Staustufen, wie es die Niederbayern-CSU fordert? Ministerpräsident Horst Seehofer macht sich selbst ein Bild – auf einem Donau-Schiff.

Der Musiker Hans-Jürgen Buchner („Haindling“) sitzt an einem Klavier im Ruderhaus Deggendorf und erzählt Horst Seehofer von seinem Traum. Seehofer steht zwei Meter entfernt, die Hände hat er andächtig vor seinem Bauch verschränkt. Draußen, vor den Fenstern, halten dutzende Menschen Plakate hoch, auf denen Dinge wie „Staustufen vom Biber sind uns lieber“ und „Münchner Isar renaturiert, niederbayerische Donau betoniert“ stehen. Es schneit fürchterlich, drinnen ist es warm.

Deggendorf ist einer von zwei Stopps auf Seehofers Schiffsreise auf der Donau. Der Ministerpräsident und seine halbe Staatsregierung sind gekommen. Gut 200 Deggendorfer haben sich in den Raum gedrängt. Es ist laut, jeder hat zum Donauausbau etwas zu sagen. Doch als Haindling auf einmal zu spielen beginnt, wird es schlagartig ruhig. Haindling singt: „Zwischen Straubing und Vilshofen, da gibt’s a Paradies, da fließt die Donau, wie’s woanders nimmer is.“

Der niederbayerische Musiker sagt, er habe geträumt, dass sich Seehofer für eine freifließende Donau einsetzt. Er erzählt von einem Schild, auf dem vielleicht einmal stehen könnte: König Horst Donauabschnitt – wenn die Donau weiter frei fließen darf.

Seehofer lacht. König Horst. Klingt gar nicht so übel. Es ist ein lockerer Termin. Seehofer gibt sich volksnah – und die Menschen fühlen sich mit ihren Sorgen ernst genommen. „Gehen sie davon aus, dass wir die Argumente ernsthaft gewichten“, verspricht er.

Dann geht die Reise auf der Donau weiter. Die bayerische Staatsregierung hat für ihren Ausflug am Montag ein riesiges Schiff gemietet, die „Kristallkönigin“. Sechs Stunden lang fahren sie darauf die Donau zwischen Straubing und Vilshofen ab. Es ist eine prominent besetzte Exkursion. Seehofer hat seinen Umwelt-, Wirtschafts- und Agrarminister mitgenommen, Staatssekretäre sind dabei, Bundes- und Landtagsabgeordnete, Vertreter der Umwelt-und Wirtschaftsverbände. Der offizielle Titel des Ausflugs lautet: „Donaubereisung des Bayerischen Ministerpräsidenten.“ Das steht sogar auf den Speisekarten der Kristallkönigin. Die aufwändige Reise soll ein Signal an die Bürger sein, dass die Regierung ihre Bedenken ernst nimmt.

Das Schiff selbst wirkt ein wenig so, als wäre es Haindlings Traum vom Donau-Retter König Horst entsprungen: Kronleuchter werfen ihr Licht auf die Politiker, im Boden, den Wänden und Decken des Boots sind Swarovski-Kristalle eingearbeitet. In der Mitte des Schiffes, in der zwei leicht geschwungene Treppen zusammenlaufen, steht ein Rednerpult. Alle paar Minuten referieren dort Experten während der Fahrt über das Für und Wider des Ausbaus. In der ersten Reihe sitzt Seehofer und macht sich immer wieder Notizen. Der Ministerpräsident sagt: „Es geht heute um eine Informationsreise, nicht um eine Entscheidungsreise.“ Erst im Januar wolle er in der Koalition eine Entscheidung über den Donausausbau fällen. Bis dahin müsse man die verschiedenen Argumente sorgsam gegeneinander abwägen. Zwei Varianten haben sich in den vergangenen Jahren herauskristallisiert: Variante A, die einen umweltschonenderen Ausbau ohne Staustufe vorsieht. Und Variante C 2.80, die eine Staustufe und einen Seitenkanal beinhaltet. Bei A können die Schiffe 200 Tage im Jahr Güter auf der Donau transportieren; bei C.280 an 301 Tagen.

Es ist das umstrittenste und größte Infrastrukturprojekt der CSU. Entsprechend vorsichtig bewegt sich der Ministerpräsident auf diesem Terrain, auch im Hinblick auf die Landtagswahl im nächsten Jahr. Agrarminister Helmut Brunner, ein Niederbayer, kann sich vorstellen, dass zunächst die ersten 50 Kilometer von Straubing bis Niederalteich für den Hochwasserschutz ausgebaut werden. „Über den strittigen Bereich an der Mühlhamer Schleife kann dann später entschieden werden“, sagt Brunner.

Egal ob in Deggendorf oder beim zweiten Stopp der Kristallkönigin in Niederalteich – Seehofer nimmt sich Zeit. In Niederalteich erzählt er den Menschen, dass er selbst nur wenige Meter von der Donau entfernt in Ingolstadt aufgewachsen sei. „Ich habe zahlreiche Hochwasser erlebt. Aber der Fluss war immer unser Refugium, in dem wir gebadet haben.“ Er sagt, die Donau sei ein Juwel. „Die Menschen wollen jetzt Klarheit, und diese werden wir abliefern“ – aber nicht jetzt, nicht heute, sondern im Januar.

Von Patrick Wehner

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