Puppenerfinderin Käthe Kruse mit zwei Puppen
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Die Puppen-Mutter: Käthe Kruse hat 1905 die legendären gleichnamigen Puppen erfunden.

Interview

Eine der ersten Geschäftsfrauen: Dana Geissler über ihre Urgroßmutter, die Puppenerfinderin Käthe Kruse

  • Susanne Sasse
    vonSusanne Sasse
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Ihre Puppen sind heute beliebte Sammlerstücke und werden zu sehr hohen Preisen gehandelt. Im Interview berichtet Dana Geissler über den Geschäftssinn ihrer Urgroßmutter Käthe Kruse. Und verrät, in welcher Hinsicht sie außerdem revolutionär war.

Die Münchner Schauspielerin Dana Geissler ist die Urenkelin von Käthe Kruse. Sie hat sie noch kennengelernt – und von ihr auch eine Käthe Kruse Puppe geschenkt bekommen, erzählt die 57-Jährige.

Wie kam es dazu, dass Ihre Urgroßmutter die legendären Künstlerpuppen erfand?

Das war mehr der Not geschuldet. Meine Urgroßmutter wollte eine Puppe für ihre erste Tochter, die sie mit Max Kruse bekommen hatte, mit dem sie damals aber noch nicht verheiratet war. Sie lebte in der Schweiz, Max Kruse besuchte sie und sie schrieben sich Briefe. Kruse aber kaufte keine Puppen, und so bastelte meine Urgroßmutter selbst eine. Die Puppen, die sie machte, unterschieden sich von denen, die damals auf dem Markt waren, sie waren weich, biegsam und lebensecht – und sie kamen sehr gut an.

Haben Sie Ihre Urgroßmutter noch kennengelernt?

Ja, sie starb, als ich fünf Jahre alt war. Ich habe von ihr auch meine erste Puppe bekommen, sie hat sie mir persönlich überreicht. Ihre Urenkelinnen waren für sie eine besondere Freude.

Wie viele Käthe Kruse Puppen besitzen Sie heute?

Nicht viele, vielleicht acht Stück. Allerdings habe ich viele andere Dinge von meiner Urgroßmutter geerbt, zum Beispiel ihren Schreibtisch, das Geschirr, von dem ich jeden Tag esse und ihre Tagebücher.

Was war Käthe Kruse für eine Frau?

Sie war eine der ersten Geschäftsfrauen, führte ein freundliches, aber ziemlich hartes Regiment und hat sieben Kinder geboren. Sie hat zudem einen bis heute bedeutenden Rechtsstreit geführt: Sie hat gerichtlich über drei Instanzen durchgefochten, dass niemand ihre Puppen kopieren durfte oder ihren Namen verwenden. Das war damals revolutionär, denn es war der erste Fall, in dem einem Spielzeug ein künstlerischer Urheberschutz zugesprochen wurde. Man muss sich vorstellen, meine Urgroßmutter brauchte damals als Frau noch die Erlaubnis ihres Mannes, um diesen Prozess gegen die Plagiate führen zu dürfen.

Dana Geissler ist die Urenkelin von Käthe Kruse.

Sie stammen also von einer starken Frau...

Ja, in meiner Familie gibt es eine ziemlich starke Frauenlinie. Meine Großmutter Sophie Rehbinder Kruse, die Tochter von Käthe Kruse, war Filmemacherin und erfand Fimoplast. Das ist Knete, die man im Ofen hart brennen kann. Auch sie war bis ins hohe Alter kreativ und ehrgeizig. Als ich als Jugendliche die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule, dem Max Reinhardt Seminar in Wien, bestand, sagte sie mir, sie sei eifersüchtig. Damals war sie 80. Es war in meiner Familie nicht immer alles ganz einfach.

Wie ist heute Ihre Verbindung zur Firma Käthe Kruse?

Ich habe einen sehr guten Kontakt, moderiere dort zum Beispiel Veranstaltungen. Das Witzige ist, dass sich der Kreis auch auf eine weitere Art geschlossen hat. Meine Tochter Elea Geissler hat im Film Pünktchen und Anton von Charlotte Link vor 22 Jahren das Pünktchen gespielt. Kurz darauf rief eine Frau der Puppenmanufaktur an und fragte, ob ich einverstanden sei, dass die Manufaktur eine Sonderedition zu Pünktchen und Anton herausbringt und beim Pünktchen das Gesicht meiner Tochter als Vorbild nimmt. Ich lachte und fragte, ob sie denn wisse, dass meine Tochter Elea die Ururenkelin von Käthe Kruse ist. Das wusste man in der Firma nicht. Umso größer war dann die Begeisterung.

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