Es geht richtig zur Sache

Kaltenberger Ritterturnier: Über den Sieger entscheidet das Publikum

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Kaltenberg - Einmal Streckbank bitte, aber schön kräftig. Auf Schloss Kaltenberg kommen ab Freitag tausende Mittelalterfans zusammen, um sich am Charme des dunklen Zeitalters zu laben. Höhepunkt ist das traditionelle Ritterturnier. Und da geht’s diesmal richtig zur Sache.

Wenn der Sieger feststeht, gibt es keinen echten Wettkampf. Ist ja klar, der Kampf geht aus, wie’s im Skript steht, immer gleich und das heißt: Immer gewinnen die Guten. So war das bisher auch beim Kaltenberger Ritterturnier. Organisator Heinrich von Bayern, 30, kennt diesen Modus seit seiner Kindheit. „Aber diesmal“, sagt er, „diesmal wollte ich, dass wir ein bisschen Wettkampfcharakter haben.“

Es ist die große Neuerung in diesem Jahr: Beim Ritterturnier, jener zweieinhalbstündigen Kampf-Show, die den Höhepunkt des Mittelalterfestivals auf Schloss Kaltenberg (Kreis Landsberg am Lech) bildet, entscheiden diesmal die Zuschauer, welcher Kämpfer gewinnt. Wer den lautesten Applaus bekommt, geht als Sieger aus der Arena. So, glaubt der Organisator, strengen sich die Männer in Rüstung noch mehr an. „Vielleicht entscheidet sich das Publikum ja auch mal für den schwarze Ritter.“

Zum dritten Mal organisiert Heinrich von Bayern, Sohn von Schlossherr Prinz Luitpold, die Kaltenberger Ritterspiele. An drei aufeinander folgenden Wochenenden verwandelt sich dann das Schlossgelände in eine mittelalterliche Kleinstadt, mit allem, was dazu gehört. 110 Aussteller zeigen, wie damals geschmiedet und gebaut, gegessen und gefeiert wurde. Außerdem gibt es auf fünf Bühnen ständig Shows und Livemusik.

Die Vorbereitungen für das Mittelalter-Spektakel, das als größtes weltweit gilt, laufen schon eine ganze Weile. An diesem Freitag startet es mit einem Gaukler-Festival. Alles soll möglichst authentisch sein, bis auf ein paar Feuerlöscher wird alles aus dem Schlossgelände geschafft, was irgendwie ans Hier und Jetzt erinnern könnte. „Man kann dabei zuschauen, wie die Gegenwart verschwindet“, sagt Heinrich von Bayern. „Hier gibt es kein Stück Plastik.“ Die Illusion soll perfekt sein.

Garant dafür, dass jedes Jahr etwa 100 000 Bescher kommen, ist das Ritterturnier, jene schon angesprochene Kampfshow mit professionellen Stunt-Leuten. Die Rahmen-Handlung ist stets eine andere. Diesmal stammen die Grundzüge der Geschichte vom Organisator selbst, ausformuliert hat sie die renommierte Dramatikerin Rebekka Kricheldorf. „Kampf um Kaltenberg“ ist ein Stück über Macht und Liebe, an dessen Ende sich entscheidet, wer der rechtmäßige Herrscher über das Königreich Kaltenberg ist. Wie gesagt: Das Publikum entscheidet mit.

Schon jetzt kreuzen sie auf Schloss Kaltenberg die Klingen. Die Proben unter Regisseur Till Wyler von Ballmoos und Stunt-Trainer Mario Luraschi sind in der heißen Phase – auch unter nass-kalten Bedingungen. Für die Akteure ist das miese Wetter sogar ganz gut. „Die Pferde funktionieren besser“, sagt der Organisator. Und auch die Ritter sind dankbar. In so einer Rüstung kann es nämlich ganz schön heiß werden. Im Kühlen kämpft sich’s einfach besser.

Mehr zum Ritterturnier gibt es unter www.ritterturnier.de

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