Strafanzeige erstattet

Kaminkehrermeister brüllt Nazi-Parolen in Ausbildungszentrum 

Ein Ausbilder für Kaminkehrer soll in einem Schulungszentrum in der Oberpfalz Nazi-Parolen gebrüllt und verbotene Lieder gesungen - und Schüler dazu angestachelt haben. Ein Video soll den Vorfall dokumentieren. 

Dietfurt - Eigentlich sollen die angehenden Kaminkehrer im Mühlbacher Ausbildungszentrum lernen, wie man Feuerstellen reinigt – stattdessen scheint ein Ausbilder mit ihnen auch eifrig Nazi-Lieder einstudiert zu haben.

Heimlich gedrehte Videosequenzen des Vorfalls vom Januar wurden jetzt dem BR zugespielt, der gestern verstörende Szenen veröffentlichte: Man sieht und hört einen Schornsteinfegermeister (48) „Ein Volk, ein Reich, ein Führer. Sieg Heil!“ brüllen, und seine Schüler stimmen mit ein. Auch das Horst-Wessel-Lied, die verbotene Parteihymne der NSDAP, soll abgesungen worden sein.

Bereits Ende Januar bekam die Schulleitung Wind von jenem „Kameradschaftsabend“ im Billardraum der idyllisch im Altmühltal gelegenen Schule. „Wir waren total entsetzt“, sagte Schulleiter Peter Wilhelm (59) gestern der tz. „Wir konnten nicht verstehen, dass in unserem Hause derartige Dinge geschehen.“

Für den 48-Jährigen hatte „der einmalige Ausrutscher“, so Schulleiter Wilhelm, drastische Konsequenzen: „Wir haben Anzeige erstattet, der Betroffene wurde mit Hausverbot belegt.“ Der Meister wird wohl nie wieder Nachwuchs unterrichten. Seine Innung prüft zudem den Ausschluss.

„Es geht um das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“

Die Kripo Regensburg prüft derzeit noch, welcher der Beteiligten welchen Verstoß begangen hat. „Es geht um das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“, sagt Polizeisprecher Albert Brück. Verstörend findet Schulleiter Wilhelm zudem, dass seine Schüler in den Videoclips durchaus textsicher wirken. Aber selbst wenn der Lehrer nur mitmachte, nicht der Initiator war, „ist es uns wurscht“, sagt Innungsmeister Richard Herbst. „Er hätte es verhindern müssen.“

Die Kripo hat erste Beteiligte vernommen. Der 48-Jährige ist abgetaucht, beantwortet keine Presseanfragen. Sein Anwalt teilte mit: „Mein Mandant distanziert sich vollends von einer rechtsradikalen Gesinnung.“

Das Ausbildungszentrum für Kaminkehrer in Mühlbach kämpft unterdessen dagegen, in eine rechte Ecke gestellt zu werden. „Wir werden die jungen Leute nach dem Unterricht mit diesem Thema konfrontieren und zusätzliche Aufklärungsarbeit leisten.“

Immerhin teilten offenbar nicht alle Teilnehmer des Abends die Begeisterung über den skandalösen Abend: Ein Schüler beschwerte sich bei seinem Lehrer und brachte die Affäre damit in Gang.

tz/dpa

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