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Kahlschlag: 120 Bäume mussten in Salmdorf (Lkr. München) im vergangenen Sommer gefällt werden. Viele davon in privaten Gärten. Der Grund: Der asiatische Laubholzbockkäfer.

Diskussion im Landtag

Kampf gegen Käferbefall: Die Bäume müssen weg

München - Der Asiatische Laubholzbockkäfer frisst sich durch Bayerns Bäume. Im Landtag diskutieren die Abgeordneten über eine Bekämpfungsstrategie. Das Ergebnis: An einer Abholzung führt kein Weg vorbei.

Der Asiatische Laubholzbockkäfer (kurz ALB) hat München erreicht. Nein, durchatmen, ein Befall in der Landeshauptstadt ist noch nicht festgestellt worden. Aber der Landtag wird sich demnächst mit dem bäumefressenden Schädling auseinandersetzen. Das hat gestern der Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten beschlossen.

Denn der Käfer steht vor Münchens Toren. In Neubiberg, Feldkirchen (beide Kreis München), Ziemetshausen (Kreis Günzburg) und Neukirchen am Inn (Kreis Passau) sind Bäume von dem Insekt befallen. Ein weiteres Ausbreiten in die Landeshauptstadt, gar in den Englischen Garten – das wäre eine Katastrophe. Da sind sich die Ausschussmitglieder einig.

In der Sitzung ließen sie sich deshalb von Experten über den aktuellen Stand im Kampf gegen den Käfer berichten. Hannes Lemme von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft erklärte den Fraktionen, dass es derzeit keine zufriedenstellenden Alternativen zur großflächigen Abholzung gebe, wie sie derzeit etwa in Neubiberg stattfindet. Andere betroffene Nationen wie die USA oder Kanada bedienen sich zwar neben der Abholzung noch weiterer Methoden, um dem ALB Herr zu werden. Als wirklich effektiv hat sich aber noch keine davon herausgestellt. Sensoren, mit denen ein Befall anhand der Nagegeräusche festgestellt wird, hätten sich als „nicht zielführend“ erwiesen, so Lemme. Lockstofffallen würden eine Überwachung ermöglichen, ein Massenfang sei damit aber laut Lemme nicht realisierbar: „Das wird nicht funktionieren.“ Pflanzenschutzmittel, die in den USA schon in großen Mengen verwendet werden, sind in Deutschland noch nicht zugelassen „und auch nicht unproblematisch“, sagt der Experte. Interessant werden könnten höchstens insektenfressende Pilze aus Japan. Doch wie man diese möglichst wirksam einsetzen kann, muss erst noch erprobt werden.

Am Ende des Vortrags waren sich die Abgeordneten im Ausschuss einig: Es gibt derzeit keine Alternative zur Abholzung. „Leider Gottes bleibt nur die Fällung“, sagte Klaus Steiner (CSU). Horst Arnold (SPD) betonte noch einmal: „Das wird eine landesweite Katastrophe, wenn der ALB sich ausbreitet.“ Das massive Vorgehen vor Ort müsse den Bürgern aber ausführlich begründet werden. Die SPD-Fraktion hatte deshalb einen zusätzlichen Antrag gestellt, in dem sie forderte, von einer Abholzung abzusehen, wenn eine Ausbreitung des ALB ausgeschlossen werden könne. „Das sind wir den Bürgern schuldig“, begründete Arnold die Forderung. Die CSU-Fraktion lehnte den Antrag ab. „Das weckt nur falsche Hoffnungen“, befürchtet Steiner. Schließlich hätten die Ausführungen der Experten erwiesen, dass es keine „Brachialmaßnahme“ sei, die Bäume zu fällen, sondern schlicht der einzig sinnvolle Weg zur Bekämpfung.

In den betroffenen Kommunen müssen bei einem Befall also weiterhin alle gefährdeten Baumarten im Umkreis von 100 Metern gefällt werden. Und selbst damit erwische man nur rund 80 Prozent aller gelegten ALB-Eier, wie Lemme betonte. In Feldkirchen sind die Fällungen größtenteils abgeschlossen, in Neubiberg läuft die Fällaktion noch bis etwa Mitte März. Den Ziemetshausern steht die Abholzung noch bevor. Zusätzlich plant die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), in den Quarantänegebieten von München-Riem, Feldkirchen und Haar mehrere hundert Pheromonfallen aufzustellen. Die bekämpfen den Käfer zwar nicht direkt, helfen aber einen Befall frühzeitig zu erkennen. Ab Montag wendet sich die LfL dafür persönlich an Grundstückseigentümer, die für die Aktion in Frage kommen.

Die große Hoffnung der Abgeordneten: Dass ihnen der Käfer in München weiterhin nur auf dem Papier begegnet – und nicht lebend.

Dominik Göttler

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