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Die bayerische Gemeinde Volkach sucht nach Lösungen im Kampf gegen den Hundekot.

Kampf dem Kot: Genetischer Fingerabdruck von Hunden?

Volkach/Würzburg - Eine israelische Tierärztin macht es vor - der Bürgermeister der unterfränkischen Kleinstadt Volkach möchte es gerne nachmachen: Einen genetischen Fingerabdruck von jedem der etwa 420 Hunde, die in der Kommune leben.

Peter Kornell möchte diese in einer Datenbank abspeichern und so dauerhaft den Hundekot von Gehwegen und Grünflächen verbannen.

Kornell setzt auf die Freiwilligkeit der Herrchen und Frauchen, die Pfiffi, Rex und Co. per Wattestäbchen eine Speichelprobe entlocken sollen. “Man kann auch ein Haar nehmen oder eine Kotprobe“, erläutert Kornell.

Die Daten der Vierbeiner sollen nach seinen Vorstellungen in eine Gen-Datenbank eingepflegt werden. Beim nächsten Hundehaufen, der liegenbleibt, wird eine Probe genommen, ins Labor geschickt und mit den Datensätzen verglichen - und schon kennt man den Übeltäter.

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Doch so verlockend die Idee auch ist, an der Umsetzung wird es wohl scheitern. “Es fehlt die Rechtsgrundlage“, sagt der Bürgermeister (Freie Wählergemeinschaft FWG). “Man kann nicht sagen, jeder muss eine Gen-Probe abgeben. Wir sind da auf die Freiwilligkeit der Hundebesitzer angewiesen.“ Selbst wenn ein Großteil dazu bereit wäre, die Kosten werden wohl den Rahmen sprengen. Allein das Anlegen einer Datenbank schlage pro Hund mit gut 200 Euro zu Buche - macht 80 000 Euro plus die anfallenden Testkosten. Das ist dem Stadtrat bei rund 20 000 Euro aus der Hundesteuer nur schwer zu vermitteln.

Ein weiteres Hemmnis: Wegen der Überzüchtung der Tiere dürfe die Inzestfrage nicht außer Acht gelassen werden, sagt Prof. Christoph Meißner vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Würzburg. “Möglicherweise haben gleichrassige Hunde das gleiche DNA-Profil.“ Daher könne man nie sicher sein, ob der gefundene Übeltäter tatsächlich der Richtige ist. Zudem ist es nach Meißners Worten ziemlich aufwendig, aus einem Hundehaufen Erbmaterial zu gewinnen. Zwei bis drei Tage könnte so etwas schon dauern. Zwar sei Kornells Vorstoß eine “sensationelle Idee“, dennoch: “Die Frage ist, wer die spaßige Aufgabe übernimmt, die DNA aus dem Kot zu gewinnen.“

Der 20-köpfige Stadtrat will Anfang Februar das Thema erneut beraten - wie schon so oft, sagt Mitglied Robert Menz (FWG), der sich über die Rücksichtslosigkeit so mancher Hundehalter ärgert. Zwar glaubt der Steuerberater nicht, dass im idyllisch an der Mainschleife gelegenen Volkach überdurchschnittlich mehr Tretminen zu finden sind als anderswo. Dennoch: “In letzter Zeit häuft sich das. Es riecht, es stinkt, es ist eklig.“

Menz, der nach eigener Aussage ein Hundefreund ist, machte seinem Ärger bei der jüngsten Stadtratssitzung zu Wochenbeginn Luft. Neben der DNA-Datenbank schossen daraufhin etliche Vorschläge ins Kraut, um die Hundehalter zur Vernunft zu bringen. “Ich halte es nicht für zielführend, die Hunde so zu überwachen“, sagt SPD-Fraktionssprecher Dieter Söllner mit Blick auf die Gentests. “Wir werden genug überwacht, siehe Deutsche Bahn“, ergänzt er in Anspielung auf die Datenschutzaffäre bei dem Konzern, der heimlich 173 000 Mitarbeiter auf Korruptionsverdacht überprüft haben soll. Söllner setzt vielmehr auf den Mut jedes Einzelnen, Hundebesitzer notfalls anzuzeigen, wenn sie die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner nicht wegmachen wollen.
Von kostenlos verteilten Kottüten sind nur wenige überzeugt. Andere wollen zehn Euro Prämie ausloben für diejenigen, die die Übeltäter auf frischer Tat erwischen. Auch ist der Vorschlag noch nicht vom Tisch, einen städtischen Mitarbeiter dauerhaft mit dem Entfernen der Haufen zu beauftragen. “Bei rund 217 Straßen in Volkach wäre er ein Jahr beschäftigt, wenn er jede Straße ein Mal in der Woche saubermacht“, rechnet Stadtrat Udo Gebert (FWG) vor.

Bürgermeister Kornell will am 9. Februar die Lösungsvorschläge noch einmal beraten. Die Chancen für die DNA-Datenbank nach dem Vorbild der israelischen Tierärztin Tika Bar-On in der Stadt Petach Tikva stünden mittlerweile zwar schlecht. Doch im Kampf gegen Tretminen hat er nun plötzlich einen ganz simplen Vorschlag parat: Mit Merkblättern will er die Hundehalter wachrütteln und an ihre Vernunft appellieren, die Exkremente ihrer Schützlinge einzusammeln. Wenn das nicht helfe, müssten halt doch die Hundetüten her, sagt er.

dpa

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