Wer wird der Nachfolger von Walter Mixa auf dem Augsburger Bischofsstuhl? Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger ist heißer Favorit.

Kandidatenkarussell: Bischof-Raten in Augsburg

Augsburg - Vor sechs Wochen hat der Papst das Rücktrittsangebot des Augsburger Bischofs angenommen - wegen der Misshandlungsvorwürfe war Walter Mixa für die katholische Kirche nicht mehr tragbar. Jetzt dreht sich das Kandidatenkarussell um die Nachfolge des gescheiterten Bischofs.

Wer wird der Nachfolger von Walter Mixa auf dem Augsburger Bischofsstuhl? Diese Frage bewegt im Bistum hinter den Kulissen einflussreiche Kräfte. Das Domkapitel als Führungsgremium der Diözese um den jeweiligen Bischof wird in den nächsten Tagen eine Vorschlagsliste mit vermutlich drei Namen an den Apostolischen Nuntius - den Vertreter des Papstes in Deutschland - leiten und damit die Prozedur zur Neubesetzung des verwaisten Bischofsstuhls in Gang setzen. Der Nuntius schickt dann seinerseits einen Vorschlag mit drei Namen nach Rom an die Bischofskongregation, die letztlich dem Papst einen Vorschlag unterbreiten wird. Der 69-jährige Mixa musste gehen, weil er als Stadtpfarrer von Schrobenhausen in den Jahren 1975 bis 1996 Heimkinder massiv geprügelt und Stiftungsgeld zweckentfremdet haben soll. Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen Mixa haben sich indessen als grundlos erwiesen.

Heißer Kandidat: Augsburgs Weihbischof Anton Losinger

Die ganze Prozedur der Bischofswahl ist zwar eigentlich streng geheim, doch erste Namen werden bereits gehandelt. Offiziell ist von keiner Seite zu erfahren, wen man sich als künftigen Bischof wünscht. Lediglich der Vorsitzende des Diözesanrates, Helmut Mangold, hat öffentlich erklärt, er würde einen Bischof bevorzugen, der aus dem Bistum kommt. In Augsburger Kirchenkreisen gelten zwei Namen als Top-Favoriten für die Vorschlagsliste an den Nuntius: der Augsburger Weihbischof Anton Losinger (52) und Theologieprofessor Franz Sedlmeier, ebenfalls aus der Domstadt. Als dritter Name könnten ein Ordensmann, ein weiteres Mitglied des Domkapitels, der Direktor des Wallfahrtsorts Maria Vesperbild, Prälat Wilhelm Imkamp, oder der bisherige Vorsitzende des Augsburger Priesterrates, Bernhard Ehler, mit Namen auf der Liste stehen. Es bestünde aber für das Domkapitel auch die Möglichkeit, einen Kandidaten von außerhalb zu benennen, heißt es. So soll auf einer früheren Vorschlagsliste der Würzberger Generalvikar Karl Hillenbrand gestanden haben.

Anton Losinger gilt als der intellektuelle Kopf unter Bayerns Bischöfen. Der zweifach promovierte Theologe vertritt die katholische Kirche im Deutschen Ethikrat und ist Mitglied der Ethikkommission der bayerischen Staatsregierung. Allseits werden seine hohe Kompetenz und sein unbestechliches Wissen in Ethik- und Wissenschaftsfragen gerühmt. Losinger war auch bei der Papstaudienz mit Münchens Erzbischof Reinhard Marx und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, in Rom mit von der Partie, kurz bevor Benedikt XVI. den Rücktritt von Mixa annahm. Der alttestamentarische Wissenschaftler Sedlmeier ist vor allem bei den eher liberalen Katholiken im Bistum Wunschkandidat. Er gehört zu den sogenannten Germanikern, die in Rom am „Germanicum“, einer katholischen Kaderschmiede für Bischöfe, studiert haben. Sedlmeier, 1954 in der Oberpfalz geboren, gilt als Experte für prophetische Literatur und die innerbiblische Wirkungsgeschichte in Christentum und Judentum. Dem 1981 in Eichstätt zum Priester geweihten möglichen Bischofskandidaten werden aber geringe Chancen eingeräumt, da er schon einmal auf der Vorschlagsliste stand und nicht zum Zuge kam.

Kaum Chancen haben dürfte Imkamp, obwohl er ausgezeichnete Beziehungen zum Vatikan hat. Er gilt als Vertreter der sehr konservativen Kreise im Bistum Augsburg, der hinter den Kulissen mitmischt. „Dann hätten wir gleich Mixa behalten können“, war die spontane Reaktion eines führenden Kirchenmannes auf die Frage, ob Imkamp Bischof werden könnte. Als ernstzunehmender Kandidat für eine Bischofsernennung gilt hingegen Domkapitular Bertram Meier. Er ist wie Imkamp und Sedlmeier Germaniker, hat also in Rom studiert, und bringt auch die seelsorgerischen Qualitäten mit, die ein volksnaher Bischof haben sollte. Gegen seine Ernennung spricht, dass er als Mitglied des Domkapitels zu sehr in die diözesanen Netzwerke eingebunden ist. Beim Bischof-Raten fällt auch immer wieder der Name des prominenten Benediktinerabtes Notker Wolf. Er könnte als Lösung von außen der ideale Mann für einen Neubeginn in der zerstrittenen Diözese sein. Sein Alter - er wird in einigen Wochen 70 Jahre alt - spricht aber eher gegen die Ernennung. Wer letztlich in Augsburg Bischof wird, entscheidet der Papst.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Radlerin missachtet Vorfahrt - Frau stirbt, Auto überschlägt sich
Bei einem schweren Unfall in Zirndorf ist am Mittwoch eine Seniorin ums Leben gekommen. Sie war mit ihrem Fahrrad unterwegs, als sie ein Auto übersah.
Radlerin missachtet Vorfahrt - Frau stirbt, Auto überschlägt sich
Mit ewigem Eis auf Zugspitze kann es schon 2080 zu Ende gehen
Schon 2080 könnte das ewige Eis auf der Zugspitze komplett geschmolzen sein. Das zeigen Berechnungen des Landesamts für Umwelt. Lässt sich das hinauszögern – oder …
Mit ewigem Eis auf Zugspitze kann es schon 2080 zu Ende gehen
Autofahrer wird von Krankenwagen eingeparkt - und fährt ihn weg
Ein Autofahrer ist in Fürth ausgerastet, weil Sanitäter seinen Wagen zugeparkt hatten. Er schnappte sich die Schlüssel und fuhr das Rettungsfahrzeug weg. Dabei beließ er …
Autofahrer wird von Krankenwagen eingeparkt - und fährt ihn weg
Polizei zerschlägt mutmaßlichen Schlepper-Ring
Mehrere Jahre waren die Ermittler der Bande auf der Spur. Nun haben sie 18 Verdächtige festgenommen, die als Schlepper Flüchtlinge nach Europa brachten. 
Polizei zerschlägt mutmaßlichen Schlepper-Ring

Kommentare