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Kardinal Friedrich Wetter (Mitte) bei seiner Verabschiedung als Erzbischof von München und Freising am 17. Februar 2008. Links neben ihm sein Nachfolger Erzbischof Reinhard Marx, rechts der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann.

Kardinal entschuldigt sich für Fehlentscheidung

München - Der Münchner Kardinal Wetter hat Fehler im Umgang mit einem Priester eingeräumt, der Kinder missbraucht hat. Er bittet Opfer und Angehörige „in aller Form um Entschuldigung“. Derweil sollen neue Vorwürfe von Kindesmissbrauch in Garching/Alz bekannt geworden sein.

Das Erzbistum hat die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Der frühere Münchner Erzbischof Kardinal Friedrich Wetter (82) hat Fehler im Umgang mit einem Priester eingeräumt, der Kinder sexuell missbraucht hat. In Wetters Amtszeit war der 1986 einschlägig verurteilte Geistliche erneut in der Pfarrseelsorge eingesetzt worden.

Ob es beim von Kardinal Wetter zu verantwortenden Einsatz des Seelsorgers in Garching/Alz erneut zu Übergriffen kam, ist indes unklar. Das Erzbistum gab dazu keinen Kommentar ab. Nach Informationen der „tz“ sind aber neue Vorwürfe von Kindesmissbrauch durch Pfarrer H. bekanntgeworden, die noch nicht verjährt seien. Deswegen habe das Erzbistum die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

In einer vom Münchner Ordinariat verbreiteten „persönlichen Stellungnahme“ bat Wetter die Betroffenen und ihre Angehörigen „in aller Form um Entschuldigung“. Ihm sei „jetzt schmerzlich bewusst, dass ich damals eine andere Entscheidung hätte treffen müssen“. Wetter erklärte, er habe die Fähigkeit eines Menschen zu persönlicher Umkehr überschätzt und die Schwierigkeiten einer therapeutischen Behandlung von pädophil Veranlagten unterschätzt. Die Verletzung von Kindern und Jugendlichen durch sexuellen Missbrauch tue ihm weh. „Sie belastet mich sehr.“

Bei dem früheren Garchinger Pfarrer handelt es sich um einen Essener Diözesanpriester, der bereits in seinem Heimatbistum Ende der 1970er Jahre übergriffig geworden war. In München wurde er 1980 unter der Bedingung aufgenommen, dass er eine Therapie macht. Zugleich wurde er wieder in der Pfarrseelsorge eingesetzt, wo es in Grafing (Kreis Ebersberg) zu erneutem Missbrauch kam. Dafür wurde er 1986 verurteilt. 2008 ließ Erzbischof Marx den Priester begutachten und versetzte ihn als Kurseelsorger nach Bad Tölz, wo ihm Kinder- und Jugendarbeit verboten war. Auch daran hielt er sich nicht.

Sein langjähriger Therapeut hat vergangene Woche erklärt, dass er von Anfang an das Münchner Ordinariat gewarnt habe. Sein Klient dürfe keinesfalls wieder mit Kindern in Berührung kommen, weil er uneinsichtig sei. Für seinen Seelsorgeeinsatz übernahm der damalige Generalvikar Gerhard Gruber (82) die alleinige Verantwortung. Der Fall machte weltweit Schlagzeilen, weil der Priester zu der Zeit in München aufgenommen wurde, als Joseph Ratzinger, heute Papst Benedikt XVI., dort Erzbischof war.

Pfarrer H. soll schnellstmöglich in seine Heimatdiözese Essen zurückkehren. Das ist der ausdrückliche Wunsch der Münchner Erzdiözese. Noch wohnt H. in Bad Tölz. Das Ordinariat hat ihm laut Pressesprecher Bernhard Kellner alle möglichen Hilfen – etwa durch die Priesterseelsorge – angeboten. Doch H. habe keine Hilfe angenommen. In den Kirchendienst wird er nie wieder zurückkehren. Die Diözese Essen hat ihn in den Ruhestand versetzt.

Wie man hört, plant die Erzdiözese, die Arbeitsgemeinschaft „Gemeindeberatung und Organisationsentwicklung“ in die betroffenen Gemeinden in Garching/Alz und Bad Tölz zu schicken. Die Berater sollen sich bereithalten, in den Pfarrgemeinden zu helfen, die Vorfälle aufzuarbeiten. Dahinter steht die Sorge, dass Gemeinden an den Folgen der Fehlentscheidungen auseinanderbrechen könnten.

kna/cm/job

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