Lob vom Kardinal: Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx lobt Bayern für die bisherige Bewältigung des Flüchtlingsandrangs. Foto: dpa

Merkur-Interview

Kardinal Marx: „Deutschland wird nicht islamisch“

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München - Eine sachliche Debatte über den Islam, die Hilfe für die Flüchtlinge und deren Integration mahnt der Münchner Kardinal Reinhard Marx an. Und verweist ausdrücklich auf die Christenpflicht, anderen zu helfen.

Von der Wucht der Ereignisse ist der Münchner Erzbischof Reinhard Marx noch immer beeindruckt. Dass in den vergangenen Monaten mehr als eine Million Flüchtlinge gekommen sind, stellt Deutschland vor große Aufgaben, weiß der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz natürlich. Und es wird auch künftig schwierig, macht Marx am Freitag beim traditionellen Jahresabschlusstreffen im Münchner Presseclub klar. „Es sind riesige Themenkomplexe zu bearbeiten – nicht nur, wie wir für sie ein Dach über dem Kopf finden. Es geht um Integration. Was bedeutet das im schulischen Bereich, was im Kindergarten. Wie können wir uns als Kirche einbringen? Was bedeutet das finanziell für Deutschland?“ Wahrscheinlich könne man erst im Laufe des nächsten Jahres sehen, wie viele Menschen überhaupt bleiben.

Angesichts dieser Herausforderungen drängt der Kardinal auf eine sachliche Debatte über den Islam und die Flüchtlinge. „Wir müssen sorgfältig darauf achten, dass sich keine Fremdenfeindlichkeit bildet, dass wir keinem auch nur verbal Futter geben für fremdenfeindliche Sprüche“, warnt er. Niemand dürfe den Eindruck haben, wir könnten jetzt etwas „robuster über Ausländer sprechen. Damit nährt man dieses Feld“.

Vermummte Schlächter und Hexenverbrennungen - Zurück zur Sachlichkeit

Marx ruft auch dazu auf, nur auf Basis echter Kenntnisse zu diskutieren: „Die meisten, die über den Islam reden, sehen vermummte Schlächter vor sich.“ Das wäre im übertragenen Sinne so, als wenn man Christen auf die Hexenverbrennungen reduzieren würde. Nur mit Sachlichkeit, echter Begegnung und das Bemühen, den anderen zu verstehen, komme man in der Gesellschaft zurecht. Gleichwohl sieht der Kardinal den Islam in der Pflicht, sich den Debatten in Deutschland auch zu stellen – über eine kritische Betrachtung des Koran oder etwa das Verhältnis zur Gewalt.

Eine Gefahr der Islamisierung Europas sieht er nicht. Das klinge nach Verschwörung. „Ich habe nicht die Angst, dass Deutschland in zehn Jahren islamisch ist.“ Gleichwohl müsse man auch manche Sorgen der Menschen ernstnehmen. Allerdings fordert der Münchner Kardinal auch mit aller Deutlichkeit dazu auf, „bei Gerüchten ganz vorsichtig zu sein“. Keinesfalls könne man die Ansicht dulden: „Du bist Muslim und daher kümmert mich Deine Not nicht.“ Das gehe nicht. „Ich kann als Christ auch nicht sagen: Ein Deutscher ist besser als ein Syrer.“ Wenn man sich nicht kümmere und die Frage der Integration nicht ernst nehme, dann müsse man sich wirklich Sorgen machen. Echte Sorgen bereitet Reinhard Marx schon jetzt die Zukunft Europas. „Es wäre furchtbar, wenn Europa Risse bekäme durch diese Krise“, so der begeisterte Europäer Marx.

Deutschland und Bayern hätten den Flüchtlingsandrang bisher gut gemeistert, lobt er. Es ist seiner Meinung nach eine Riesenaufgabe gewesen, eine Million Menschen aufzunehmen, ohne dass es zur „Massenrevolution“ gekommen ist. Nach seinen Erfahrungen könne er bei den Helfern keine Ermüdungserscheinungen feststellen – Marx sieht nach wie vor ein großes Engagement. Gerade auch in den Pfarrgemeinden vor Ort.

Dass nicht alle Flüchtlinge nach Deutschland kommen können, ist dem Kardinal klar. Auch, dass in den kommenden Monaten vermehrt Menschen zurückgeschickt werden. Aber: „Wenn es zu Rückführungen kommen muss, ist das nur möglich, wenn das verantwortlich geschieht.“ Die Politik müsse die Fluchtursachen bekämpfen in den Herkunftsländern – und den Bürgern ehrlich sagen, dass es eine Menge Geld kosten werde, dafür zu sorgen, dass die Menschen in ihrer Heimat bleiben können.

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