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Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising.

Anti-Islam-Bewegung

Kardinal Marx gegen Pegida-Verbot für Katholiken

München – Zu mehr Sachlichkeit in der Debatte um Demonstrationen der Anti-Islam-Bewegung Pegida („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) hat Kardinal Reinhard Marx aufgerufen.

In seinem traditionellen Jahrespressegespräch im Münchner Presseclub warnte er gestern davor, diese diffuse Gruppe „auch noch hochzuziehen, indem wir sie zu einer Bewegung hochstilisieren.“

Marx zeigt sich entsetzt, wie in der Debatte auf beiden Seiten mit Schlagworten um sich geworfen werde. Die einen schürten Ängste, dass Muslime auch in Deutschland anderen Menschen die Köpfe abschlagen könnten. Die anderen verbreiteten, alle Pegida-Aktivisten seien Rassisten. „Was ist das für eine primitive Auseinandersetzung mit dem Thema?“

Dem vom Bamberger Erzbischof Ludwig Schick ausgesprochenen Verbot für Christen, sich an Pegida zu beteiligen, schloss sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz indes nicht an. Er setzt darauf, dass die Menschen ihren Verstand einschalten und politische Verantwortung übernehmen: „Jeder muss überlegen, hinter welchen Transparenten er herläuft.“ Mit Schlagworten und Transparenten werde keine vernünftige Debatte geführt. Natürlich könne man über den Islam, über Flüchtlinge und Einwanderung diskutieren, „aber nicht auf diesem Niveau“. Doch es gebe keine bischöfliche Anweisung, wie man sich hier zu verhalten habe. „Ich spreche keine Verbote aus.“ Für Christen gelte aber, dass sie jedem Menschen mit Toleranz, Respekt und Nächstenliebe begegnen müssten.

Viele politische und kirchenpolitische Aspekte streifte der Kardinal auf seiner „Reise durchs Jahr“, in dem er in Rom als enger Berater des Papstes wirkte, als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz kirchliche und gesellschaftspolitische Debatten führte. Auch im Zusammenhang mit der Verfolgung von Christen im Nahen Osten wünscht sich Marx eine differenzierte Betrachtung. Man müsse unterscheiden zwischen Ländern, in denen Christen zwar verfolgt würden, aber leben könnten, und Ländern, „wo sie an Leib und Leben bedroht werden“. In Saudi-Arabien könne kein Christ leben – „das können doch nicht unsere Verbündeten sein“, empörte sich der Kardinal.

Mit Blick auf die zweite Bischofssynode zur Situation der Familie in Rom ist die Frage zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen seiner Meinung nach offen. „Ich glaube nicht, dass man dieses Thema in einem Jahr abarbeiten kann“, zeigt er sich skeptisch. Er hofft aber, dass alle über ihren „theologischen Tellerrand“ hinausblicken, damit man eine einmütige Lösung findet. Marx hatte sich schon mehrfach dafür ausgesprochen, Menschen nach gescheiterten Ehen bei einer neuen Beziehung mit mehr Barmherzigkeit zu begegnen.

Claudia Möllers

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