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In dieser Kiste erstickte Ursula Herrmann qualvoll.

Fall Ursula Herrmann

Unbekannte Akten aufgetaucht

Augsburg - Ein Ermittler hat überraschend eine verschollene Kiste mit Akten zum Fall Ursula Herrmann gefunden. Nicht die einzige Panne bei den Ermittlungen zum Tod des Mädchens 1981, wie die Verteidiger am Dienstag im Prozess gegen Werner M. anprangern.

Was genau sich in der Kiste befindet, die ein Ermittler gerade erst im Keller des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) gefunden hat, steht noch nicht fest. Entdeckt hatte die verschollenen Akten ein Kriminaler, der sich auf seine Aussage vor dem Landgericht Augsburg im laufenden Prozess um die Entführung und den Tod von Ursula Herrmann 1981 vorbereiten wollte. Nun prüft die Staatsanwaltschaft, ob sich in den Räumen des LKA noch weitere unbekannte Akten zu dem Fall befinden.
Wie berichtet, läuft seit Mitte Februar der Prozess wegen erpresserischen Menschenraubes mit Todesfolge gegen den 58 Jahre alten Werner M. sowie dessen Frau Gabriele (62) wegen Beihilfe. Werner M., der damals in der Nachbarschaft wohnte, soll am 15. September 1981 die zehnjährige Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee (Kreis Landsberg) entführt und in eine im Waldboden eingelassene Holzkiste gesteckt haben. Darin erstickte das Mädchen qualvoll. Laub hatte das an der Kiste angebrachte Belüftungsrohr verstopft.

In den nun aufgetauchten Akten soll sich der Zwischenbericht eines Kriminalers befinden, der gegen den inzwischen verstorbenen Ex-Polizisten Harald Wilhelm ermittelt hatte. Fünf Jahre lang hatten die Beamten ihn der Tat verdächtigt. Werner M.s Verteidiger Walter Rubach und Wilhelm Seitz tun dies noch immer. Auch, weil besagter Zwischenbericht das Protokoll eines Telefonats zwischen Wilhelm und seinem Bruder enthalten soll, in dem sich die beiden über den „Kistenbauer“ unterhalten.

Entführungsfall Ursula Herrmann

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Gerechtigkeit für die kleine Ursula Herrmann

Nicht das einzige Detail, das die Verteidiger gefunden haben, um Wilhelm zu belasten. So habe dieser einen Hund besessen, „und in der Kiste waren Hundehaare“, sagt Walter Rubach am Rande des Prozesses. Zudem habe Wilhelm als Jagdberechtigter im Weingarten damals Eichhörnchen schießen sollen. „Und in der Kiste hat man Eichhörnchen-Haare gefunden.“ Auch ein Motiv, warum Wilhelm – wie der oder die Täter es getan haben – von Ursulas Eltern zwei Millionen Mark Lösegeld gefordert haben könnte, präsentiert Rubach: Der Ex-Polizist habe „als Frauenheld“ einen aufwendigen Lebensstil geführt.

Diese Spur aufzugeben – darin sehen die Verteidiger nicht den einzigen Fehler der Polizei. Bis heute ließe sich etwa nicht nachvollziehen, welche Geräte die Beamten nach dem ersten Schweigeanruf der Erpresser für die Fangschaltung im Hause Herrmann benutzt hätten. Denn auch von diesen, meint Rubach, könnten die besonderen Merkmale stammen, die LKA-Gutachter bislang dem Tonbandgerät zuordnen, das im Oktober 2007 bei Werner M. in seinem Haus in Kappeln an der Ostsee sichergestellt wurde. Dieses Indiz hatte unter anderem im Mai 2008 zur Verhaftung des Angeklagten geführt. Er gibt an, das Gerät auf einem Flohmarkt gekauft zu haben.

Dass die Ermittler vor mehr als 27 Jahren anders als heute gearbeitet haben, steht außer Frage. Bei der Spurensicherung am Tatort machte sich noch niemand Gedanken über DNA-Spuren. Und so durften selbst Pressevertreter den Fundort im Wald betreten. Der heutige Starnberger Landrat Karl Roth (CSU), damals als Polizist beim Auffinden der Kiste dabei, erinnert sich als Zeuge vor Gericht: „Die Journalisten haben höchstens drei Meter entfernt von der Kiste gestanden und sogar hineinfotografiert.“ 

Die Ermittler von einst sehen wie die Staatsanwaltschaft auch in Werner M. den wahren Täter. Von Anfang an hätte vieles gegen ihn gesprochen. Vor allem habe er sein Alibi für den Tattag erkennbar mit seinen Freunden abgesprochen, erklärt etwa Kriminaler Wolfgang T. „Aber für die darauf folgenden Tage gab es irre Differenzen.“

Als die Ermittler Anfang Oktober 1981 die Kiste und sogar einen Fingerabdruck auf einem Klebeband fanden, habe „große Euphorie“ geherrscht, erinnert sich Wolfgang T.. Alle hätten gedacht, dass man den Täter nun schnell finde – „aufgrund der vielen Sachen in der Kiste“. Darin befanden sich unter anderem ein Radio, Groschenromane, Kleidung, eine Decke, Süßwaren und Getränke. Obwohl die Beamten Werner M. nichts davon hätten zuordnen können, sagt Wolfgang T., „ist er als Tatverdächtiger immer heißer geworden“.

Bettina Link

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