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Karlheinz Schreiber schweigt, obwohl er Enthüllungen angekündigt hatte.

Für Schreiber wird es eng

Augsburg - Er schweigt: Karlheinz Schreiber, wegen Steuerhinterziehung in Augsburg vor Gericht, hatte Enthüllungen angekündigt, die die Republik erzittern lassen würden. Dabei geht es für ihn selbst um Kopf und Kragen.

Karlheinz Schreiber kann ein munterer Plauderer und sogar witziger Gesprächspartner sein. Seit er aber aus seinem Flucht-Exil Kanada wieder zurück ist, schweigt er. In der Ferne hatte er noch getönt, sollte er in Deutschland vor Gericht kommen, werde er Politiker und die ganze Republik erzittern lassen. Seit er tatsächlich vor einem deutschen Richter steht, hat es ihm bis jetzt die Rede verschlagen. Seine Anwälte hat der Ex-Waffenlobbyist drei Erklärungen verlesen lassen, die aber unbewiesen sind. Der Vorsitzende Richter Rudolf Weigell stellt gerne messerscharfe Fragen an den wegen Steuerhinterziehung von rund elf Millionen Euro angeklagten 75-Jährigen.

Schreibers Anwälte antworten stets gebetsmühlenhaft: „Dazu will Herr Schreiber jetzt nichts sagen. Dazu werden wir zu einem späteren Zeitpunkt Stellung nehmen.“ Das treiben die beiden Münchner Anwälte sechs Verhandlungstage so weit, dass Weigell schließlich der Kragen platzt. Mit scharfem Ton fährt er Schreiber an: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Lassen Sie sich das durch den Kopf gehen.“ Richter Weigell hat mit seiner geschickten Verfahrensdramaturgie Schreibers Verteidiger regelrecht in die Defensive gedrängt. Er präsentiert einschlägige Bank-Dokumente, die alle auf Schreiber als den Drahtzieher eines Schweizer Tarnkontensystems im Umfeld von zwei Scheinfirmen in Liechtenstein und Panama hindeuten. Und immer wieder spricht er Schreiber direkt an. Keine Antwort.

Der Richter fährt Schreiber an

Das geht so weit, dass der Richter Schreibers eigene Unterschrift unter die Nase hält mit der Frage: „Ist das Ihre Unterschrift?“ Schreiber dreht sich hilflos blickend zu seinen Anwälten. Da fährt ihn der Richter an, er werde wohl noch seine eigene Unterschrift ohne anwaltschaftliche Hilfe bestätigen können. Schreibers Verteidigungstaktik ist bisher durchsichtig. Bislang hat er zwei inzwischen gestorbene Partner belastet. Der eine, der Münchner Rechtsanwalt Franz Josef Dannecker, 1992 gestorben, soll insgesamt 716 000 Euro von Schreiber über Tarnnamen aus Todesanzeigen auf illegale CSU-Konten gelenkt haben. Der andere, der 2005 gestorbene kanadische Politiker Frank D. Moores, soll der große Boss hinter einer Liechtensteiner Scheinfirma mit dem Schweizer Tarnkontensystem gewesen sein.

Weitschweifig erzählt Schreiber randständige Einzelheiten, zur Sache selbst gibt er lediglich an, für illegale Provisionen habe man eine Scheinfirma gebraucht, die Moores dann 1984 gegründet habe. Er selbst sei dabei nur deutscher Vermittler und Geschäftspartner gewesen. Schreiber scheint kein Unrechtsbewusstsein zu besitzen. Für ihn waren die kassierten Provisionen offenbar übliche Geschäfte, die über diverse Kanäle unversteuert in der Schweiz landeten. Kurz vor seiner Flucht hat er dann diese Konten abgeräumt.

Bankunterlagen, die das Gericht Konto für Konto vorgelesen hat, belegen, dass Schreiber die Millionen eigenhändig erst auf ein Züricher Konto seiner Frau Barbara überschrieben und dann auf Nimmerwiedersehen nach Liechtenstein verschoben hat. Richter Weigell: „Herr Schreiber, was ist mit dem Geld geschehen? Hier haben sie die günstige Gelegenheit zur Aufklärung, an der Ihnen doch gelegen ist, wie Sie erklärt haben.“ Anwalt Jens Bosbach: „Dazu wird Herr Schreiber später Stellung nehmen.“ Sollte Schreiber nicht bald wenigstens ein Teilgeständnis ablegen, sieht es für einen Deal mit Gericht und Staatsanwaltschaft über einen Strafnachlass schlecht aus. Dann droht Schreiber allein wegen der millionenschweren Steuerhinterziehung eine empfindliche Haftstrafe. Seinen 80. Geburtstag im März 2014 dürfte er dann mit Sicherheit hinter Gitter verbringen.

Von Nikolaus Dominik

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