Die Karte, die das Retten schneller macht

München – Es geht um wertvolle Minuten. Zeit, die über Leben und Tod entscheiden kann. Der Feuerwehrler sucht verzweifelt nach der Batterie des Unfallautos, in dem eine schwerverletzte Frau eingeklemmt ist.

Er muss die Elektronik im Auto abschalten. Sonst wird der Airbag ausgelöst, wenn seine Kollegen das Auto aufschneiden. Der Schlag könnte das Opfer noch schlimmer verletzen. Ein Szenario, das viele Feuerwehrler kennen.

Das Problem: Es gibt rund 2800 Autotypen in Deutschland. Die Batterie hat längst keinen festen Platz mehr. Aber Zeit zum Suchen ist das Letzte, was Feuerwehrler bei einem Rettungseinsatz haben. Darauf hat der ADAC reagiert. Er hat für jeden Fahrzeugtyp, der über die deutschen Straßen rollt, einen Helfer entwickelt, der den Rettern alles sagt, was sie wissen müssen, um Zeit zu sparen: Die Rettungskarte.

Auf der Karte sind die Schwachpunkte jeder Karosserie eingezeichnet, die Batterie ist in gelb zu sehen, in blau die Airbags und in schwarz die optimalen Schnittstellen für die Rettungsschere. „Unsere Retter brauchen immer mehr Informationen“, sagt August Markl, Vorsitzender des ADAC. „Je moderner die Autos werden, umso schwerer sind sie im Rettungsfall zu knacken – umso länger dauert jede Rettung.“

Deshalb hat der Autoclub zwei Jahre an der Entwicklung der Rettungskarte gearbeitet. Die Informationen von den Autoherstellern haben sie je auf einer DIN-A4 Seite zusammengefasst. „Wenn jeder in Europa so eine Karte hinter seiner Sonnenblende hätte, hätten wir 2500 Verkehrstote weniger im Jahr“, zitiert Markl aus einer Studie. Denn der Experte weiß, die Zeitersparnis, welche die Infokarte bringt, ist enorm. Tests am gleichen Auto ergaben: Retter ohne Karte brauchten 26 Minuten, um das Auto zu öffnen, die mit Karte nur 17 Minuten. Neun Minuten, in denen ein Verletzer versorgt werden kann.

Damit künftig viele von der Karte profitieren können, hat der ADAC eine Schulungs-CD für alle Feuerwehrler in Bayern zusammengestellt. Karl Neulinger, Vorsitzender des Feuerwehrverbands Oberbayern, ist begeistert: „Die Informationen machen uns die Arbeit erheblich leichter.“ Die Regierung von Oberbayern wird die CDs an alle Gemeinden verteilen. Bisher haben 2,5 Millionen Fahrer die Rettungskarte im Auto. Bei 40 Millionen Fahrzeugen in Deutschland nur ein kleiner Bruchteil.

Christiane Breitenberger

Die Rettungskarte

gibt es unter www.rettungskarte.de. Sie nützt den Rettern nur als Farbdruck. Jeder kann sie kostenlos in ADAC-Stellen drucken.

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