Predigtverbot für Kirchenkritiker

Nürnberg - Die Bischöfe von Eichstätt und Bamberg haben das Aus der Nürnberger Fastenpredigtreihe erzwungen, die Kritikern und Reformdenkern der Kirche eine Stimme gibt.

Auf Drängen der Bischöfe von Eichstätt und Bamberg, Gregor Maria Hanke und Ludwig Schick, hat die katholische Stadtkirche Nürnberg eine kirchenkritische Fastenpredigtreihe gestoppt. Anlass war nach Angaben von Bistumssprechern unter anderem eine für den 24. Februar geplante Fastenpredigt von Helmut Schüller, früherer Generalvikar der Diözese Wien, der bereits mehrfach die Amtskirche herausgefordert hatte.

Im Jahr 2011 hatte er mit seinem europaweit verbreiteten „Aufruf zum Ungehorsam“ unter anderen die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt gefordert. In diesem Jahr sollte der Gründer der „Pfarrer-Initiative“ zum Thema „Wir sind Gottes Volk! Haben Kirchen-Bürger-Rechte?“ sprechen. 

Auf Vorbehalte stieß dem Vernehmen nach auch der geplante Auftritt der Regensburger Kirchenrechtlerin Sabine Demel. Sie sollte am 17. Februar in der Frauenkirche zum Thema „Unser Pfarrer ist eine Frau? Mehr als nur ein Traum?“ predigen.

Auch die übrigen der ingesamt vier Veranstaltungen unter dem Motto „Kirche - Konzil - Konsequenzen“ seien abgesagt worden, teilte die Sprecherin der Stadtkirche, Elke Pilkenroth, am Freitag mit. Dabei sollten unter anderem über notwendige Reformen in der Kirche rund 50 Jahre nach dem II. Vatikanischen Konzil diskutiert werden. Bei dem Konzil hatte sich die katholische Kirche in den 1960er Jahren umfassend erneuert.

"Etikettenschwindel" bei den Predigten

Die Nürnberger Katholiken gehören zu zwei Dritteln dem Erzbistum Bamberg und zu einem Drittel dem Bistum Eichstätt an. Beide Oberhirten sähen in dem Begriff „Fastenpredigt“ einen Etikettenschwindel, gab ein Sprecher des Bistums Eichstätt an: „Ein Wortgottesdienst mit Predigt muss mit Aussagen zu Gottes Wort erfüllt sein.“ Für „politische Darstellungen von persönlichen Meinungen“ seien solche Gottesdienste ungeeignet. Dafür gebe es Seminare oder Diskussionsveranstaltungen, wo Positionen kritisch diskutiert werden könnten.

Die erzwungene Absage der Fastenpredigtreihe löste nach Angaben von Pilkenroth „Enttäuschung, Entsetzen und Wut“ habe die Absage bei katholischen Gläubigen in Nürnberg aus.

„Ich bin vor allem über die Heftigkeit der Reaktion der Bischöfe überrascht“, sagte Pilkenroth. Bis zuletzt habe man mit Vertretern der beiden Diözesen um einen Kompromiss gerungen. „Wir hatten beispielsweise zusätzlich zu dem Wortgottesdienst eine Diskussionsveranstaltung mit Herrn Schüller geplant.“ Aber auch das habe die Bischöfe nicht umgestimmt. Zudem seien in der Vergangenheit immer wieder unbequeme Prediger bei der Reihe aufgetreten.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Lkw-Fahrer rastet aus und greift zwei Polizisten an
Ein Lkw-Fahrer ist bei einer Kontrolle völlig ausgerastet. Er wurde bei einem Verstoß erwischt und griff deshalb zwei Polizisten an. Die wurden verletzt.
Lkw-Fahrer rastet aus und greift zwei Polizisten an
Mann wird beim Angeln schwer verletzt: Rute verfängt sich in Stromleitung
Ein Angler hat sich in Gräfendorf schwer verletzt. Die Rute traf auf eine Stromleitung. 
Mann wird beim Angeln schwer verletzt: Rute verfängt sich in Stromleitung
Sie rasten mit unfassbarem Tempo über Bundesstraße: Fahrer erwartet irre Strafe
Die Polizei in Langenfeld in Mittelfranken stoppte am Montag zwei unglaubliche Verkehrsrowdys. Die beiden waren doppelt so schnell als erlaubt unterwegs. Sie müssen nun …
Sie rasten mit unfassbarem Tempo über Bundesstraße: Fahrer erwartet irre Strafe
Tödlicher Unfall mit dem Unimog: Mann stürzt 150 Meter in die Tiefe
Rund 150 Meter ist ein Autofahrer in Reit im Winkl in die Tiefe gestürzt. Der Mann kam dabei ums Leben. Unter einem Felsvorsprung wurden Autoteile entdeckt.
Tödlicher Unfall mit dem Unimog: Mann stürzt 150 Meter in die Tiefe

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.