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Trio mit Führungsqualitäten: Andrea Sinz (li.) mit ihrer Mentorin Sandra Krump und Kardinal Reinhard Marx.

Doch ein Dogma bleibt bestehen

Starke Frauen in der Kirche: Der Anfang ist gemacht

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Mehr Frauen in Führungspositionen, das will auch Kardinal Reinhard Marx in seiner Kirche. Nun ist ein Pilotprojekt erfolgreich beendet. Doch an einem Dogma ist nicht zu rütteln.

München – Ein ungewöhnliches Duo bilden Sandra Krump und Andrea Sinz. Normalerweise lernen die Jüngeren von den Älteren, doch bei den beiden ist es umgekehrt. Die 45-jährige Krump hat ihre drei Jahre ältere Kollegin ein Jahr lang dabei unterstützt, sich auf eine leitende Position in der Verwaltung des Erzbistums München und Freising vorzubereiten. Krump leitet dort das Ressort Bildung, verantwortet also die Kitas, Diözesanschulen und den Religionsunterricht im Bistum. Sinz, die aus der freien Wirtschaft ins Ordinariat gewechselt ist, arbeitet in der strategischen Personalgewinnung – und will aufsteigen.

Zustande kam der Erfahrungsaustausch dank eines Mentoring-Programms, an dem Bistümer aus ganz Deutschland teilgenommen haben. 20 Frauen aus 14 Diözesen bekamen für ein Jahr eine Mentorin oder einen Mentor zur Seite und ein Projekt, das sie bearbeiteten. Die Tipps der Mentoren sollen sie fit machen für die Führungsebene. „Wir wären verrückt, wenn wir auf die Begabung von Frauen verzichten würden“, sagte Kardinal Reinhard Marx, Münchens Erzbischof und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, gestern bei der Abschlusstagung des Programms in München. „Es wird euch nichts geschenkt, das kann ich euch voraussagen“, warnte er die Teilnehmerinnen aber auch vor Rückschlägen.

Auch anderen Umbrüchen ist Kardinal Marx nicht verschlossen. Diesen Umbruch hat er Anfang des Jahres angestoßen.

Zudem seien die Chancen nicht überall gleich. Es gebe immer noch Kardinäle, denen der Mut fehle, die Position von Frauen in der Kirche zu stärken, so Marx weiter. Besonders im Vatikan, wo Kirchenvertreter aus der ganzen Welt aufeinandertreffen, sei diese Debatte „sehr, sehr mühsam“. Dass Frauen außerdem weiterhin von Weiheämtern ausgeschlossen sind, „hilft der Kirche nicht gerade, in der Welt als Vorreiter der Gleichberechtigung zu erscheinen“.

Pilotprojekt erfolgreich, Fortsetzung? Nicht ausgeschlossen

Vertiefen mochte Marx dieses umstrittene Thema aber nicht. Genauso wenig Sandra Krump. Die Mentorin sieht das Erzbistum aber abseits des Klerus beim Thema Gleichberechtigung gut aufgestellt. Von den acht Ressorts der Bistumsverwaltung sei die Hälfte unter weiblicher Leitung: „Damit schlagen wir jeden DAX-Konzern“, sagt sie. Luft nach oben gibt es dagegen noch in den Abteilungsleitungen, wo Frauen deutlich in der Minderheit sind. Deshalb sei Krump von dem Mentoring-Programm sofort überzeugt gewesen.

Ihre Tandempartnerin Andrea Sinz bleibt realistisch: „Das ist kein Selbstläufer“, sagt sie über die Perspektive, zur Führungskraft aufzusteigen. Von ihrer Mentorin habe sie im vergangenen Jahr viel gelernt und praktische Tipps bekommen. Dazu trafen sich die beiden monatlich zum vertraulichen, offenen Austausch und sprachen auch über das Projekt, mit dem Sinz sich beweisen konnte: Sie koordiniert Praktikumsangebote, um frühzeitig Nachwuchskräfte für das Ordinariat zu finden. Nun steht für sie selbst die Bewerbungsphase an.

Zum Jahreswechsel gab Kardinal Marx dem Münchner Merkur ein großes Interview, in dem er unter anderem über seine Hoffnungen für 2017 sprach.

Laut den Organisatoren hat ein Drittel der Teilnehmerinnen an dem nun abgeschlossenen Mentoring-Programm bereits eine neue Führungsposition gefunden oder ist auf dem Sprung in eine solche. Das Projekt wollen die Bistümer gemeinsam mit dem federführenden Hildegardis-Verein darum im nächsten Jahr mit einem weiteren Durchgang fortführen. Dann sollen möglichst alle deutschen Diözesen teilnehmen.

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