Erzbistum beteiligt sich an Förderprogramm

Katholische Kirche sucht weibliche Chefs

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München - Frauen-Power in der katholischen Kirche? Ganz so weit ist es (noch) nicht, aber es tut sich etwas in Mutter Kirche: Deutschlands Bistümer wollen mehr weibliche Führungskräfte. Das Münchner Erzbistum beteiligt sich an einem Programm der Deutschen Bischofskonferenz – und ist doch auch schon beispielhaft.

Um es vorweg zu sagen: Weiheämter bleiben den Frauen in der katholischen Kirche auch auf unabsehbare Zeit vorenthalten. Doch im Bereich der Laien und hier gerade auch in der Verwaltung der Kirche vollzieht sich derzeit ein deutlicher Bewusstseinswandel. Frauen sollen an die Macht, könnte man flapsig sagen. Oder seriöser ausgedrückt: Zahlreiche Bistümer wollen mehr weibliche Nachwuchskräfte in kirchliche Leitungspositionen bringen. Die Deutsche Bischofskonferenz hat daher gerade ein Mentoringprogramm gestartet, an dem sich auch das Erzbistum München und Freising beteiligt.

Das Projekt will nun die Frauen in der Verwaltung anstoßen, ihre eigene Karriereplanung offensiver anzugehen. „Es sollen Frauen ermutigt werden, sich für Führungspositionen ins Spiel zu bringen“, erklärt Edda Hamm, die den Fachbereich „Strategische Personalgewinnung, Berufe der Kirche“ leitet und im Erzbistum München und Freising für das Mentoring-Programm zuständig ist.

Dabei ist das Münchner Erzbistum durchaus vorbildlich: Drei von sieben Ressorts in der Diözesanverwaltung werden derzeit von Frauen geleitet: Elke Hümmeler (Caritas &Beratung), Gabriele Rüttiger (Grundsatzfragen & Strategie) und Sandra Krump (Ressort Bildung). Finanzen, Bauwesen &Kunst, Personal, Seelsorge & kirchliches Leben und das Ressort Zentrale Dienste (Informationsmanagement) sind allerdings weiter in Männer-Hand.

„Generalvikar Beer hat mit der Einrichtung der neuen Verwaltungsstruktur im Januar 2012 entschieden darauf geachtet, dass Frauen in Führungspositionen kommen“, betont Mathias Pollok (57), Leiter der Hauptabteilung Personalentwicklung im Erzbischöflichen Ordinariat München. Aber unterhalb der obersten Führungsebene hat das Erzbistum Nachholbedarf: „Wir stellen fest, dass das Verhältnis auf der Ressortebene stimmig ist, aber auf der Ebene der Hauptabteilungsleiter und Abteilungsleiter dominieren die Männer ganz deutlich“, räumt Pollok ein. Da stehen 19 Männern gerade einmal drei Frauen gegenüber. Auf der Abteilungsleiterebene sind es 31 Männer und 10 Frauen. Seine 38 Jahre alte Mitarbeiterin Hamm gibt ihren Geschlechtsgenossinnen den Tipp, unbedingt weitere Bildungsphasen nach einem Erststudium einzulegen. „Ein ganz wichtiger Faktor für die berufliche Biographie“, sagt sie. Und: sich melden, wenn Projektaufträge ausgeschrieben werden. Anders gesagt: „Gesicht zeigen, nicht warten, dass jemand auf einen zukommt.“ Den Finger heben, rät sie also den Frauen. „Ich glaube, da sind einige Männer hier noch geschickter. Aber ich merke, dass die nachwachsenden Generationen viel aktiver und selbstbewusster unterwegs sind.“

Drei Mentees werden in der Verwaltung für das Programm der Deutschen Bischofskonferenz ausgesucht. Drei junge Frauen, denen man Führungs-Talent zutraut. Und sie sollen ein Jahr lang von drei Mentoren aus der Verwaltung betreut werden. Nach einem Jahr werden dann in einem zweiten Durchgang drei Studentinnen von Mentoren betreut – um auch Frauen außerhalb der eigenen Verwaltung zu signalisieren: Kirche kann ein interessanter Arbeitgeber sein.

Dass Frauen verstärkt in Leitungspositionen aufsteigen sollen in der Kirche, dahinter steht auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx. Er regte Anfang 2015 eine Durchsicht des Kirchenrechts an, um mehr Aufgaben für Laien – insbesondere Frauen – in der Kirche zu öffnen. Er wünsche sich mehr Frauen an verantwortungsvollen Stellen im Vatikan und in der Kirche im Allgemeinen, sagte er in einem Gespräch mit der amerikanischen Jesuitenzeitschrift „America“. Der Ausschluss von Frauen sei „nicht im Geist des Evangeliums“. Abgesehen von den Aufgaben, die unbedingt Priester erforderten, müssten alle anderen Aufgaben „im weitesten möglichen Sinn Laien offenstehen, Männern wie Frauen, aber besonders Frauen“.

Da wird klar, warum das Münchner Erzbistum an dem Programm der Deutschen Bischofskonferenz teilnimmt. Zumal Kardinal Marx schließlich Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist. Und Mathias Pollok betont ausdrücklich: Die Frauenförderung im Erzbistum ist keine Kosmetik. „Unter dem Aspekt der Gleichstellung sieht sich die Diözese ganz klar verpflichtet, das Ungleichgewicht aufzulösen und für eine Gerechtigkeit der Geschlechter zu sorgen.“

Führen Frauen anders? Wie sieht das der Leiter der Hauptabteilung Personalentwicklung? Pollok schmunzelt. „Tja, eine gute Frage. Mann ist nicht gleich Mann, Frau ist nicht gleich Frau. Man kann nicht pauschal sagen, eine Frau macht es so, weil sie eine Frau ist. Da geht es um die einzelne Persönlichkeit und deren Möglichkeit.“ Was er Frauen aber zuschreibt ist, dass sie Fragen auch intuitiv angehen, nicht nur rational. Mehr auf Beteiligung anderer achten und Prozessen die Zeit lassen, sich zu entwickeln.

Edda Hamm erzählt aus eigener Erfahrung: „Ich hab in der Kirche sehr profitieren können, weil ich mit meinen Talenten gesehen wurde. Dafür hat auch Kirche meine vollste Wertschätzung.“ In den vergangenen fünf Jahren habe sich schon viel getan in der „Organisation“, wie Hamm die Verwaltung nennt. Wenn sie heute Kandidatengespräche führt, sitzt viel häufiger eine Frau als Vorgesetzte mit am Tisch.

1290 Mitarbeiter sind derzeit im Ordinariat beschäftigt, davon 67 Prozent Frauen. Dass Kirche Wert auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie legt – ein wichtiges Kriterium für die Karriereplanung bei Frauen –, zeigt die Tatsache, dass 50 Prozent der Mitarbeiter in der Verwaltung teilzeitbeschäftigt sind. Darunter 60,4 Prozent Frauen. Im Erzbistum sind insgesamt fast 16 000 Mitarbeiter beschäftigt.

Im September fand das erste Treffen der Projektsteuerungsgruppe statt. Im Juni 2016 sollen die ersten drei Kandidatinnen mit ihrem Führungskompetenz-Training starten. Edda Hamm macht sich jetzt auf die Suche nach Mentoren – auch gezielt unter Männern. Denn: „So können die Frauen von den Netzwerken und Erfahrungen der Männer profitieren.“ Eine feste Zusage auf eine Beförderung ist mit dem Programm freilich nicht verbunden – hier werden aber Talente gesichtet.

Perspektiven aber gibt es durchaus für engagierte Frauen. Zum Beispiel will das Erzbistum ja 67 Verwaltungsleiter-Stellen einrichten, um die Seelsorger in den Pfarrverbänden zu entlasten. Mathias Pollok: „Da haben wir einen enormen Personalbedarf. Das wäre ein konkretes Feld – etwa für werdende Betriebswirte.“ Oder für kaufmännische Mitarbeiterinnen aus der Verwaltung, die aufsteigen wollen.

Ab 2018 werden zahlreiche Führungspositionen in der Verwaltung frei, weil die Generation der „Babyboomer“ in den Ruhestand geht. Gute Chancen auch für Frauen, in der katholischen Kirche eine leitende Position zu bekleiden.

Das Programm „Kirche im Mentoring“ ist vom Hildegardis-Verein (unabhängig von den Diözesen und der Deutschen Bischofskonferenz) entwickelt worden. Der Verein ist auch für die Projekthomepage www.kirche-im-mentoring.de verantwortlich.

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