Kaufbeuren, Blick auf das Rathaus
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Blick auf das Rathaus in Kaufbeuren

Mittelstadt und Tor ins Allgäu

Kaufbeuren

  • vonCarolin Schulz-Osterloh
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Kaufbeuren ist ein wichtiges Wirtschafts- und Kulturzentrum im Ostallgäu. Die Stadt hat eine wechselvolle Geschichte, die bis in die Antike zurückreicht.

  • Kaufbeurens Geschichte geht bis in der Frühzeit zurück.
  • Die Wirtschaft der Stadt ist von verschiedenen Industrie-Betrieben geprägt.
  • Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehört die gut erhaltene Stadtmauer mit ihrem Wehrgang und mehreren Wachtürmen.

Kaufbeuren – Am 23. September 2008 verlieh die Bundesregierung der kreisfreien Stadt Kaufbeuren den Titel „Ort der Vielfalt“. Mit dieser Auszeichnung wurde das Engagement der Stadt in Bezug auf Toleranz und Demokratie ausgezeichnet. Damit wurde unter anderem das Eintreten gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus anerkannt.

Kaufbeuren: Lage und Geografie

Die Stadt Kaufbeuren liegt im nordöstlichen Allgäu im Flusstal der Wertach. Das Stadtgebiet gliedert sich in zwei voneinander getrennte Teile: in die Altstadt und den Stadtteil Neugablonz, eine Siedlung für Vertriebene, die nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurde. Kaufbeuren erstreckt sich über eine Fläche von rund 40 Quadratkilometern. Die Lage der Stadt befindet sich auf 680 Metern Höhe. Kaufbeuren wird vollständig vom Landkreis Ostallgäu eingeschlossen und befindet sich in knapp 100 Kilometer Entfernung westlich der bayerischen Landeshauptstadt München.

Die Region Kaufbeuren war bereits in der prähistorischen Zeit besiedelt. Archäologische Funde in Form von Grabhügeln lassen auf eine Ansiedlung in der Jungsteinzeit im Gebiet der heutigen Stadt schließen. In der Römerzeit kam es kurz vor dem Beginn der christlichen Zeitrechnung zu einer Erschließung des Gebiets. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts zogen sich die Römer aus dem Gebiet des heutigen Bayern und damit auch aus der Region Kaufbeuren zurück. Im Laufe der Geschichte ließen sich die Germanenstämme Alemannen und Ostgoten hier nieder. Im 8. Jahrhundert unterwarfen die Franken-Herrscher diese Volksstämme und errichteten einen karolingisch-fränkischen Reichshof in Kaufbeuren.

Dieser Reichshof entwickelte sich zu einem Lehenbesitz der Freiherren von Buron beziehungsweise Beuren. Im 12. Jahrhundert starb dieses Adelsgeschlecht aus, anschließend gelangte der Reichshof in den Besitz der Staufer. Kaufbeuren stieg zu Beginn des Jahres 1286 zur Reichsstadt auf, nachdem der Habsburger König Rudolf I das entsprechende Privileg erteilt hatte.

Kaufbeuren: Geschichte vom Beginn der Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert

Die Wirtschaft der Stadt entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten sehr positiv, sodass ihr Reichtum Begehrlichkeiten weckte. So versuchten im 14. Jahrhundert sowohl der Herzog Friedrich von Teck als auch mehrere bayerische Herzöge, Kaufbeuren durch eine Belagerung einzunehmen. Alle scheiterten jedoch mit ihrem Vorhaben. Im ausgehenden Mittelalter entstanden zahlreiche Textilhandwerksbetriebe in der Region Kaufbeuren.

Zum Ende des Mittelalters wütete in großen Teilen Deutschlands die Pest. Kaufbeuren war von mehreren Ausbrüchen der Epidemie in besonders starkem Maße betroffen. Die Pest suchte die Stadt in den Jahren 1482/84, 1521 und 1627/29 heim. Der letzte Pestausbruch war mit Abstand der schwerste, ihm fielen knapp zwei Drittel der Kaufbeurer Bürger zum Opfer.

In den folgenden Jahrhunderten gehörte die Stadt zu verschiedenen Herrschaftsbereichen. Sie war ab dem Beginn des 16. Jahrhunderts Teil des Schwäbischen Reichskreises und damit als einer von zehn Reichskreisen in das Heilige Römische Reich Deutscher Nation integriert. Der Schwäbische Reichskreis bestand bis zur Auflösung des Heiligen Reichs Deutscher Nation 1806 fort. Kaufbeuren verlor bereits 1802 den Status als Reichsstadt und wurde Bestandteil des Kurfürstentums Bayern. Dieses wurde durch den „Friedensvertrag von Pressburg“ zum Königreich Bayern.

Kaufbeuren: Geschichte vom 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart

Nach dem Ersten Weltkrieg verwaltete sich die Stadt Kaufbeuren selbst. Während der nationalsozialistischen Herrschaft kam es zur Errichtung einer Munitionsfabrik in unmittelbarer Nähe zum Stadtgebiet von Kaufbeuren. Hier wurden ebenso wie in einem in der Stadt ansässigen Zulieferbetrieb für die Automobilindustrie Zwangsarbeiter eingesetzt.

Kaufbeuren war im Verlauf des Zweiten Weltkriegs von Flieger- und anderen Angriffen kaum betroffen, sodass die Stadt weitgehend unzerstört blieb. Kaufbeuren gehörte in der Nachkriegszeit zur amerikanischen Besatzungszone. Am 1. Januar 1948 erhielt Kaufbeuren den Status einer kreisfreien Stadt.

Kaufbeuren: Einwohner und Verwaltung

Kaufbeuren hatte zum Stand Dezember 2019 knapp 44.400 Einwohner. Die Bevölkerungsdichte lag damit bei 1.109 Personen je Quadratkilometer. Um 1900 lebten in der Stadt lediglich knapp 10.0000 Menschen, kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs waren es rund 15.000. Durch den Zuzug von Vertriebenen, insbesondere aus dem ehemaligen Sudetendeutschland, und verschiedene Eingemeindungen kam es in den Nachkriegsjahrzehnten zu einem starken Anstieg der Bevölkerungszahl.

Kaufbeuren besteht aus den neun folgenden Ortsteilen:

  • Alt- und Kernstadt Kaufbeuren
  • Neugablonz
  • Oberbeuren
  • Hirschzell
  • Kleinkemnat
  • Großkemnat
  • Märzisried
  • Ölmühlhang
  • Sankt Cosmas

Bei Hirschzell, Oberbeuren, Kleinkemnat sowie Großkemnat handelt es sich um ehemals eigenständige Dörfer, die in die Stadt Kaufbeuren eingemeindet wurden.

Kaufbeuren: Politik

Wie in vielen kleinen und mittleren Städten Bayerns wird die Politik auch in Kaufbeuren seit Jahrzehnten maßgeblich von der Partei CSU geprägt. Bei den letzten Kommunalwahlen, die im Freistaat Bayern am 15. März 2020 stattfanden, gewann die CSU 13 von 40 Sitzen im Stadtrat. Zweitstärkste Kraft wurde die Partei Bündnis‘90/Die Grünen mit sieben Sitzen, danach folgte die Freie Wählergemeinschaft mit sechs Sitzen. Seit dem 1. November 2004 bekleidet Stefan Bosse von der CSU das Amt des Oberbürgermeisters.

Obwohl die Stadt im Jahr 2008 als „Ort der Vielfalt“ ausgezeichnet wurde, kam es im Juli 2018 zu einer im Hinblick auf Toleranz gegenüber andersgläubigen Mitbürgern beachtenswerten Wahlentscheidung. Die wahlberechtigten Kaufbeurer Bürger waren aufgefordert, über die Genehmigung der Errichtung einer Moschee abzustimmen. Bei einer Wahlbeteiligung von rund 45 Prozent sprachen sich 60 Prozent der Abstimmenden gegen dieses Vorhaben aus.

Kaufbeuren: Die Wirtschaft der Stadt

Bis weit in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hinein spielten Baumwollspinnereien und andere Textilbetriebe eine wichtige Rolle für die Wirtschaft der Stadt Kaufbeuren. Mit dem bundesweiten Niedergang dieser Industrie seit den 70er-Jahren verlor Kaufbeuren diese Unternehmen. Auch die Schließung der von der Bundeswehr betriebenen Luftwaffen-Schule führte zu einem Verlust von zahlreichen Arbeitsplätzen.

Traditionell waren in Kaufbeuren zahlreiche Bierbrauereien ansässig. Heute hat nur noch die Aktienbrauerei ihre Betriebsstätte in der Stadt. Dagegen sind vor allem die folgenden Branchen beziehungsweise Industriezweige in der Stadt vertreten:

  • Papierherstellung
  • Hydraulik-Hersteller
  • Sensor-Technik
  • Glasproduktion
  • Metall verarbeitende Industrie

Kaufbeuren: Wichtige Sehenswürdigkeiten

Als Wahrzeichen von Kaufbeuren gilt der 1420 errichtete Fünfknopfturm. Er war in die Stadtmauer integriert und diente ab dem Spätmittelalter als Wehrturm und Brandwache. Ein Türmer bewohnte eine Stube in diesem Gebäude, um jederzeit Alarm schlagen zu können. Heute haben Touristen die Möglichkeit, weitere Bauwerke zu besichtigen, die ebenfalls Bestandteile der Stadtmauer waren:

  • Gerberturm
  • Hexerturm
  • Blasiusturm
  • Zollhäuschen

Die Stadtmauer selbst ist in großen Teilen noch erhalten. Von ihrem Wehrgang aus bietet sich ein Panoramablick über die Stadt und deren Umgebung.

Wer sich für die Geschichte Kaufbeurens und der Region interessiert, kann das Stadtmuseum besuchen. Darüber hinaus beherbergt Kaufbeuren unter anderem auch die folgenden Museen:

  • Feuerwehrmuseum
  • Puppentheater-Museum
  • Erlebnisausstellung der Gablonzer Industrie

Kaufbeuren: Weitere Sehenswürdigkeiten

Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört das Rathaus. Das Gebäude wurde vom Architekten Georg Joseph Hauberrisser Ende des 19. Jahrhunderts konzipiert, der durch den Bau des Neuen Münchener Rathauses im neugotischen Stil weltweite Bekanntheit erlangte.

Im Zentrum von Kaufbeuren liegt die Kaiser-Max-Straße mit dem Neptunbrunnen. Er bildet den Mittelpunkt des alljährlich stattfindenden „Tänzlfestes“, des ältesten Kinderfestes Bayerns. In der Vorweihnachtszeit wird am Neptunbrunnen ein riesiger Adventskranz aufgebaut. Er besteht aus echten Tannenzweigen und hat einen Durchmesser von acht Metern.

Auch historische Sakralbauten zählen zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt, wie zum Beispiel St. Blasius, die Dreifaltigkeitskirche sowie die Stadtpfarrkirche St. Martin.

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