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Das Passfoto des mutmaßlichen NS-Kriegsverbrechers John Demjanjuk auf seiner Identifikationskarte aus dem Jahr 1948.

Noch kein Gutachten zu Demjanjuk

München - Gut drei Wochen nach der Ankunft des mutmaßlichen NS-Verbrechers John Demjanjuk in der Münchner Untersuchungshaft ist weiter unklar, ob er verhandlungsfähig ist.

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"Wir gehen davon aus, dass noch im Juni das Ergebnis der Begutachtung vorliegen wird", sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler am Donnerstag. "Anklage wird dann zeitnah erhoben." Je nach Zeitpunkt könne das möglicherweise noch in diesem Monat sein. Demjanjuk habe bisher nicht zu den Vorwürfen Stellung genommen.

Der gebürtige Ukrainer soll 1943 im Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen Beihilfe zum Mord an mindestens 29.000 Juden geleistet und die Menschen in die Gaskammern getrieben haben. Der 89-Jährige war Mitte Mai nach monatelangem Tauziehen von den USA nach Deutschland abgeschoben worden und sitzt seitdem in der Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim in Untersuchungshaft. Über eine Haftbeschwerde der Anwälte ist noch nicht entschieden.

Die Abschiebung des NS-Verbrechers Demjanjuk

"Die objektiven Umstände in Stadelheim sind so, dass sie für einen durchschnittlichen Untersuchungsgefangenen nicht angenehm, aber durchaus angemessen sind", sagt Demjanjuks Münchner Anwalt Günther Maull. "Ein 89-Jähriger, der schon jahrelang unschuldig in der Todeszelle gesessen hat, hat aber ein ganz anderes Empfinden."

Demjanjuk war 1986 von den USA an Israel ausgeliefert worden und dort 1988 wegen der Beihilfe zum Mord an mehr als 800.000 Juden sowie wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt worden. Er bestritt bis zuletzt, jemals KZ-Wächter gewesen zu sein und bezeichnete sich als Opfer einer Verwechslung. Nach der Verurteilung tauchten tatsächlich neue Beweise auf, die frühere Zweifel an der Identität zu bestätigen schienen, am 29. Juli 1993 hob das Oberste Gericht Israels das Todesurteil auf. Demjanjuk kehrte später in die USA zurück, wo er als Staatenloser bei seiner Familie in Seven Hills bei Cleveland lebte.

dpa

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