Bulle Ernst soll Yvonne verführen

Ampfing - Kuh Yvonne ist immer noch auf der Flucht. Jetzt soll eine Futterfalle das Rind locken. Klappt dies wieder nicht, bringen die Tierschützer eine Geheimwaffe zum Einsatz: den Bullen Ernst.

Strategiewechsel bei der Suche nach Kuh Yvonne: In das Waldstück in der Nähe von Ampfing (Kreis Mühldorf) soll wieder Ruhe einkehren. Das Rind bekommt eine Verschnaufpause. Scheinbar.

Ein Falle soll die Kuh, die lieber ein Reh sein will, jetzt einfangen. „Seit Sonntag haben wir eine Futterfalle installiert“, sagt Hans Wintersteller, Verwalter des Guts Aiderbichl und Chef-Kuhfänger. Dabei handelt es sich um einen Kasten mit Futter, in den Yvonne ihren Kopf zum Fressen stecken soll. „Ist sie dann drin, kommt sie nicht mehr heraus“, so Wintersteller. Trotz massiv verringerter Tierschützer-Präsenz sei immer jemand draußen, der die Falle kontrolliert. Auch in der Nacht. Und dann kann Yvonne mit einem sauberen Schuss ins Hinterteil betäubt werden. So jedenfalls die Theorie.

Scheitert auch dieser Plan, halten die Tierschützer ein Ass im Ärmel: den Bullen Ernst. Der Stier ist ein ausrangierter Zuchtbulle, der derzeit noch auf einem Gnadenhof in Deggendorf lebt. „Ein Prachtkerl, der früher auch Schau-stier war“, schwärmt Wintersteller. Er habe Erfahrung im Umgang mit Kühen, sei seriös und ruhig. Eine Liebes-Waffe mit Nasenring, mit der die dickschädlige Yvonne nun umgarnt werden soll. Raffiniert.

Damit bei Yvonne aber amouröse Gefühle überhaupt erst entstehen können, muss Ruhe in den Wald bei Ampfing einkehren. Für das Landratsamt Mühldorf ist das sowieso höchste Zeit. „Ich habe für das ganze Interesse schon Verständnis. Aber was die Kuh da draußen jetzt braucht, ist nichts anderes als Ruhe“, sagt Erich Kozel, Fachbereichsleiter für öffentliche Sicherheit und Ordnung im Mühldorfer Landratsamt. „Die Futterfalle wird wahrscheinlich funktionieren, aber nicht, wenn zeitgleich 50 Leute durch den Wald rennen“, schiebt Kozel hinterher. Der Fachbereichsleiter ist auf Behördenseite dafür verantwortlich, dass im und um den Wald herum nichts passiert. Dafür hat er letzte Woche die Geschwindigkeit auf der Straße, die durch den Wald führt, auf teilweise 30 km/h beschränken lassen. Das wurde notwendig, nachdem Kuh Yvonne um ein Haar mit dem Auto zweier Gesetzeshüter kollidiert wäre. Dass Yvonnes beinahe fatale Flucht über die Straße durch die Such-Manöver der Tierschützer ausgelöst wurde, kann Kozel nicht ausschließen.

Seit Wochen scheuen die Tierliebhaber, allen voran die Aiderbichler, weder Kosten noch Mühen, das eigensinnige Rind zu fangen. Hans Wintersteller hat nichts unversucht gelassen. Hunderte Meter Zaun sollten Yvonne in einem überschaubaren Gebiet halten. Fehlanzeige. Das Rind hüpfte einfach drüber.

Dann versuchte es Wintersteller mit Psychologie. Das Gut Aiderbichl kaufte einem Bauern Yvonnes Kuh-Freundin Waltraud ab. Die beiden sind vor Wochen gemeinsam ausgebrochen, Waltraud wurde nach kurzer Zeit gestellt. Sie sollte Yvonne anlocken. Um zusätzlich an Yvonnes Mutterinstinkte zu appellieren, stellte Wintersteller noch ein kleines Kälbchen dazu. Doch nichts zu machen, Yvonne roch auch diesen Braten und näherte sich den Lockvögeln nur im Schutze der Nacht. Zuletzt sollte es Dackel Mirko richten. Der kleine Hund sollte Yvonne aufstöbern. Er fand aber nur ein Reh.

Von Patrick Wehner

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