Keine Jobs: Bayerische Referendare sind verzweifelt

München – Die Referendare an bayerischen Gymnasien sind entsetzt. Viele haben fest mit einer Planstelle gerechnet. Doch jetzt droht das Arbeitsamt.

In den letzten Jahren gab es nahezu Vollbeschäftigung. Nun stehen in drei Wochen rund 300 von 600 Bewerbern auf der Straße. Für Deutsch, Geschichte und moderne Fremdsprachen werden teilweise nicht mal Bewerber mit einem Schnitt von 1,5 eingestellt, hier wurden nur 15 Prozent an Gymnasien und Oberschulen vermittelt.

„Mitte Dezember war uns noch nicht klar, dass die Entwicklung so drastisch ist“, kritisierte Carina Benning, Vorsitzende der Referendar- und Junglehrervertretung (rjv) im Bayerischen Philologenverband (bpv) die Informationspolitik des Kultusministeriums. Für eine Bewerbung in anderen Bundesländern oder bei der Stadt München sei es nun zu spät. Die Anwärter sind verzweifelt. „Ich schreibe jede Nacht bis zwei Uhr Bewerbungen“, sagt eine Referendarin für Deutsch und Französisch. „Die Gymnasien sind unterversorgt“, hat die 29-Jährige bei rund 30 Gymnasien im Kreis München erfahren. Doch es fehlen die Mittel.

Eva Zimmermann, stellvertretende Vorsitzende der rjv, ist selbst betroffen. „Wir werden wegen Lehrermangel im Referendariat derart hart rangenommen“, sagt sie. „Und haben nicht mal die Chance bekommen, uns andersweitig umzusehen.“ Dem widerspricht Ludwig Unger, Pressesprecher des Kultusministeriums: Man habe schon in der Lehrerprognose 2007 darauf hingewiesen, dass 2010 mehr Bewerber als Stellen vorhanden sein würden.

Dass so wenige Junglehrer eingestellt werden, liegt auch an den vielen neuen Referendaren. Die Studenten versuchen, ihren Abschluss vorzuziehen, so Walter Bertl, Hauptpersonalrat beim Kultusministerium – auch weil sie nicht wissen, wie sich der doppelte Abi-Jahrgang 2011 auf ihre Berufsaussichten auswirkt. Die Zahlen stiegen von 2281 Referendaren auf 3318 im Jahr 2009. Mit 17 Unterrichtstunden in den Zweigschulen decken sie zwei Drittel einer Planstelle ab.

Unger beruhigt: Im September, dem Haupteinstellungstermin, hätten die Bewerber eine neue Chance. Auch würden rund 1200 neue Planstellen geschaffen. Die 400 neuen Stellen für Gymnasien würden aber bei den wachsenden Schülerzahlen nicht genügen, so der bpv. In einer Resolution, die gestern im bayerischen Kabinett in Fürth übergeben wurde, fordert der Verband die Einstellung aller Absolventen im nächsten Schuljahr und eine Unterrichtsreserve. Der Unterricht der Referendare müsse an den Stammschulen – wo er wegen Personalnot eingeführt wurde – abgeschafft werden. Auch solle man Teilzeit leichter ermöglichen. evg

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