So schwer ist es gar nicht: Die Grafik erklärt, wie man ordnungsgemäß eine Rettungsgasse bildet. 

Oberbayerischer Feuerwehr-Chef im Interview

Keine Rettungsgasse? „Die Strafe muss wirklich wehtun“

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Warum klappt das mit der Rettungsgasse nicht? Ein Gespräch mit dem Ehrenvorsitzenden der Feuerwehr in Oberbayern, Gerhard Bullinger

Mit der Rettungsgasse tun sich deutsche Autofahrer offenbar total schwer. Beim Busunglück auf der A9 erschwerten querstehende Autos den Einsatz der Retter. Und auch gestern gab es wieder einen Fall von Gassen-Blockade: Nach einem Unfall am Dienstagmorgen auf der A92 zwischen Moosburg-Nord und Landshut berichteten Feuerwehrleute über Autos, die die Anfahrt zu einem Unfall behinderten. Wer eine Rettungsgasse blockiert, kann mit 20 Euro Bußgeld belegt werden. Die Innenminister der Länder wollen dies mit einem Beschluss auf der Bundesratssitzung am kommenden Freitag erhöhen, im Gespräch sind Beträge zwischen 115 und 165 Euro. Das reicht nicht, sagt indes Gerhard Bullinger, früher Kreisbrandrat im Landkreis Ebersberg und Einsatzleiter bei unzähligen Autobahnunfällen.

Herr Bullinger, gibt es eine Erklärung, warum es in Deutschland mit der Rettungsgasse nicht klappt?

Gerhard Bullinger: Ich habe keine rationale. Offenbar ist das Thema einfach nicht im Bewusstsein vieler Autofahrer verankert. Der Unterschied zu Österreich erstaunt mich immer wieder. Erst kürzlich war ich nahe Salzburg auf der Tauernautobahn A 10 unterwegs. Beim geringsten Stau fahren die Autofahrer sofort links bzw. rechts ran, da klappt das. Das ist in Österreich fast schon Tradition, könnte aber auch mit den Strafen zu tun haben.

Der Bundesverkehrsminister will sie jetzt erhöhen, von 20 auf bis zu 115 Euro.

Gerhard Bullinger wirbt seit Jahren für die Rettungsgasse. 

Bullinger: Das reicht sicher nicht. Man muss die Strafe in solchen Fällen bis zu einem Punkt erhöhen, wo es wirklich wehtut, 300 bis 500 Euro wären da eher angebracht. In Österreich sind es übrigens bis zu 2180 Euro.

Aber werden die Bußgelder auch wirklich verhängt?

Bullinger: In Deutschland kaum. In Österreich schon. Dort sind weite Teile der Autobahnen videoüberwacht. Die Betreibergesellschaft Asfinag hat die Möglichkeit, im Nachhinein das Material zu sichten und Autofahrer, die die Einsatzkräfte behindert haben, zu melden.

Was sind die häufigsten Fehler beim Bilden einer Rettungsgasse?

Bullinger: Meist reagiert der Autofahrer zu spät. Viele meinen, es reiche auszuweichen, wenn man im Rückspiegel das Blaulicht sieht. Aber dann ist es meist schon zu spät. Im Stau fahren viele ja sehr dicht auf, um das lästige Einscheren anderer Autofahrer zu verhindern. Folglich ist kaum Platz, um noch zu rangieren oder rüberzufahren.

Wird in Deutschland genug für die Rettungsgassen geworben?

Bullinger: Nein. Das ist eine unendliche Geschichte. Eine Kampagne des bayerischen Innenministeriums 2013 zusammen mit dem ADAC „Eins links – zwei rechts“ ist verpufft. Nur Faltblätter an den Raststätten auszulegen, ist zu wenig. Ein Vorstoß, im Fernsehen die Sendung „Der siebte Sinn“ wiederzubeleben, war auch nicht erfolgreich. Und einzelne Plakate, die von Autobahnbrücken herabhängen, waren wenig eindrucksvoll. Positiv ist, dass in den Verkehrsnachrichten im Rundfunk zur Bildung von Rettungsgassen hingewiesen wird. Immerhin. Aber es fehlt eine durchschlagende neue Initiative. Das Einfachste wäre es, die markanten österreichischen Schilder „Bei Staubildung – Rettungsgasse“ zu übernehmen und flächendeckend entlang der deutschen Autobahnen aufzustellen.

Lernen von den Österreichern also?

Bullinger: Ja. Aber als ich das im bayerischen Innenministerium vor Jahren schon vorschlug, kam der Hinweis, dass dieses Schild nicht mit der deutschen Straßenverkehrsordnung harmoniert. Ja mei, man kann’s sich auch selbst verkomplizieren.

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