Das Rathaus von Kempten
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Das Rathaus von Kempten

Vom Römerlager zur Allgäu-Metropole

Kempten: Metropolnahe Stadt im Allgäu - mit Kultur und Natur zum Genießen

Kempten an der Iller punktet mit seiner zentralen Lage im Herzen des Allgäus. Die Wirtschaft profitiert von kurzen Wegen in die Metropolregionen, während Touristen das vielfältige kulturelle Angebot und die Natur genießen.

Kempten – Die heutige Mittelstadt an beiden Ufern der Iller wurde über Jahrhunderte von Konflikten zwischen den kirchlichen Fürstäbten und den Bürgern der Reichsstadt geprägt. Heute kombiniert die Stadt ihr reiches historisches Erbe mit einer progressiven zukunftsfähigen Wirtschaft und sanftem Tourismus.

Kempten: Die frühe Geschichte

Die Lage am Ufer der Iller nördlich der Alpen und die heißen Quellen führten dazu, dass die Römer das heutige Kempten als Standort einer neuen größeren Siedlung auswählten. Bereits im Jahr 18 n. Chr. erwähnte der römische Geograf Strabon in seinen Schriften eine keltische Siedlung (Polis) namens Kambodounon, deren Existenz archäologisch jedoch nicht bewiesen ist. Der keltische Name bedeutete so viel wie „Burg an einer Flusskrümmung oder auf einer Halbinsel“.

Unter den Römern wuchs Cambodunum zur Hauptstadt der Provinz Raetien heran, die sich vom Schwarzwald bis ins heutige Südtirol erstreckte. Im Norden bildete der Limes den Grenzwall zum freien Germania Magna. Auf dem heutigen Lindenberg am Ostufer der Iller befand sich das Forum der römischen Stadt mit Basilika, Tempeln und Thermenanlagen.

Mit dem Vordringen der Germanen gen Süden zogen sich die Römer auf die Burghalde am Westufer der Iller zurück, wo die spätrömische Siedlung Cambidanum entstand. Doch die Zeit der Römer nördlich der Alpen war abgelaufen.

Kempten im Mittelalter

Für das Jahr 752 wird die Gründung eines Klosters in Kempten unter dem ersten Abt Audogar erwähnt, das an die von Bischof Wikterp von Augsburg gegründete Marienkirche anschloss. Auch die beiden heutigen Kirchen St. Mang und St. Lorenz haben frühmittelalterliche Vorläufer aus jener Zeit. Eine bedeutende Rolle für die Geschichte der Stadt spielte der fränkische Kaiser Ludwig der Fromme, der das Kloster Kempten zum größten und wichtigsten Herrschaftsträger im Allgäu machte.

In den folgenden Jahrhunderten erlebte Kempten eine wirtschaftliche Blüte. Die Stadt profitierte unter anderem vom Handel mit Stoffen, Schmiedewaren und dem lukrativen Salz der Alpen. Dabei kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den weltlichen Bürgern der Reichsstadt und dem Fürstabt der fürstlichen Stiftsstadt vor ihren Toren.

Religiöse Konflikte in Kempten

Mit dem Bauernkrieg von 1524 eskalierte die Lage. Aufständische Bauern plünderten das Kloster und der Fürstabt suchte Asyl hinter den schützenden Mauern der Reichsstadt. Der Bürgermeister nutzte dessen missliche Situation aus und zwang ihn, seine herrschaftlichen Rechte zu verkaufen. Die kirchliche Macht über die Stadt war gebrochen, doch der Konflikt schwelte weiter.

Nach der Reformation standen sich die protestantische Reichsstadt und das katholische Kloster unversöhnlich gegenüber. 1632 wurde es durch schwedische Truppen endgültig zerstört und ab 1651 durch einen prächtigen Neubau ersetzt.

Eher unrühmliche Geschichte schrieb Kempten im Jahr 1775 mit einem der letzten Hexenprozesse auf deutschem Boden. Die Dienstmagd Anna Maria Schwegelin wurde beschuldigt, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben. Das Urteil wurde jedoch nicht mehr vollstreckt und sie starb sechs Jahre später in Gefangenschaft. Heute erinnert ein Brunnen auf dem Gelände der fürstäbtlichen Residenz an sie.

Kempten wird bayerisch

1802 wurde das Allgäu von Bayern annektiert und die Fürstabtei säkularisiert. Die um sie entstandene Stiftsstadt wurde mit der Reichsstadt vereint. 1852 fuhr der erste Zug von Kempten über die neue König-Ludwig-Brücke Richtung Kaufbeuren und läutete das Zeitalter der Industrialisierung ein. Eine Baumwollspinnerei schaffte über tausend Arbeitsplätze und lockte viele junge Menschen aus dem ländlichen Umland an. Der Zustrom billiger Arbeitskräfte sorgte dann wiederum dafür, dass die Industrie weiter wuchs.

Während des Zweiten Weltkriegs war Kempten Standort zweier Außenlager des Konzentrationslagers Dachau. Obwohl die Stadt alliierten Bombenangriffen ausgesetzt war, verlor sie nur 1,8 Prozent ihrer historischen Bausubstanz. Nach Kriegsende profitierten die Einwohner vom starken Wachstum der Wirtschaft und dem Zuzug von rund 10.000 Vertriebenen aus Mittel- und Osteuropa.

Das Bevölkerungswachstum von Kempten setzte sich auch im neuen Jahrtausend fort. Zählte die Stadt 1990 noch 62.282 Einwohner, waren es 2016 bereits 67.529.

Kempten: Politik und Wirtschaft in der Allgäu-Metropole

Die Politik wird seit vielen Jahren von der CSU geprägt, die sich auch bei den letzten Kommunalwahlen 2020 die meisten Stimmen sichern konnte. Die Ergebnisse im Überblick:

CSU 26,48 %

Freie Wähler 21,78 %

Grüne 19,16 %

SPD 9,24 %

AfD 6,81 %

Future for Kempten 6,07 %

FDP 4,66 %

Unabhängige Bürger/ÖDP 4,34 %

Junge Union 1,49 %

Die Linke 0,97 %

Oberbürgermeister von Kempten ist seit 2014 der CSU-Politiker Thomas Kiechle, der bei seiner Wiederwahl 2020 bereits im ersten Wahlgang 54,32 Prozent der Stimmen gewann. Er trat für die CSU und die freien Wähler an.

Wirtschaftlicher Motor im Alpenvorland

Der etwa 100.000 Einwohner zählende Großraum Kempten gilt als ökonomisches Rückgrat des Allgäus. Die wichtigsten Branchen der regionalen Wirtschaft sind:

  • Maschinen- und Fahrzeugbau
  • Landwirtschaft, insbesondere Milchwirtschaft
  • Verpackungswirtschaft
  • Gesundheit
  • Tourismus & Freizeit

Dazu setzt die Region verstärkt auf Nachhaltigkeit und Umweltwirtschaft. Als Leuchtturmprojekt gilt das sogenannte Energiedorf Wildpoldsried, das über erneuerbare Energie achtmal so viel Storm erzeugt, wie es benötigt. Auch die Digitalisierung wird stark gefördert. So entstand in Kempten das Gründerzentrum Allgäu Digital, das junge Start-ups mit vielfältigen Angeboten unterstützt.

Zu den bekanntesten Unternehmen von Kempten gehören die hier ansässige Logistikfirma Dachser und Edelweiss, Hersteller von beliebten Milchprodukten wie Bresso, Brunch und Milkana.

Kempten: Lage im Voralpenland

Der Tourismus hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem immer wichtigeren Standbein der örtlichen Wirtschaft entwickelt. Kempten profitiert dabei von seinen vielen Sehenswürdigkeiten, seinem umfassenden Freizeitangebot und seiner geografischen Lage im Herzen des Allgäus.

Die Iller durchfließt die Stadt auf ihrem Weg von den Alpen bis zur Mündung in die Donau in nördlicher Richtung. Großstädte wie München*, Augsburg und Stuttgart sind über die Autobahnen A7 und die A8 in einer Stunde Fahrt zu erreichen. Nur wenige Kilometer südlich von Kempten beginnen die Alpen mit Wanderwegen, Skipisten und vielen weiteren Freizeitangeboten.

Kempten: Sehenswürdigkeiten

Die lange Geschichte der Stadt Kempten hat zahlreiche einzigartige Sehenswürdigkeiten hinterlassen. Der Archäologische Park Cambodunum lädt zu einer Zeitreise in die Epoche der Römer ein. Neben originalen Ruinen sind auch Rekonstruktionen eines römischen Tempels und eines Badehauses zu sehen. In der Taberna werden altrömische Spezialitäten wie Honiglebkuchen und Mulsum (gewürzter Wein) serviert.

Die große Macht der Fürstäbte von Kempten lässt sich in den Prunkräumen der ehemaligen Residenz nachempfinden, die verschwenderisch schön im Rokoko-Stil eingerichtet wurden. Nicht minder prächtig sind die doppeltürmige Basilika St. Lorenz am Hildegardplatz und die Kirche St. Mang mit ihrem markanten spitzen Turm. Den Abschluss jedes Stadtbummels bildet ein Besuch auf der „Piazza“ von Kempten, dem von historischen Bauten umgebenen Rathausplatz.

Empfehlenswerte Museen in Kempten:

  • das 2019 neu eröffnete Kempten-Museum im Zumsteinhaus, das die Geschichte der Stadt mithilfe von Erlebnisräumen erlebbar macht
  • das Alpin-Museum mit der größten alpingeschichtlichen Ausstellung Europas
  • das Allgäuer Burgenmuseum in der ehemaligen Festung auf der Burghalde mit einer Ausstellung zum mittelalterlichen Leben auf der Burg
  • der unterirdische Schauraum der Erasmuskapelle
  • die Kunsthalle Kempten und die Kunstarkaden mit wechselnden Ausstellungen

Architektur und Erholung

Ein Leckerbissen für Architekturfreunde ist die historische König-Ludwig-Brücke im Süden von Kempten. Die Holzbrücke wurde von 1847 bis 1851 als Fachwerkbrücke aus Holz errichtet und dient heute noch als Fußgänger- und Fahrradbrücke über die Iller.

Sehenswürdigkeiten jüngeren Datums sind der Allgäu-Tower und das Erlebnisbad CamboMare. Das 1972 erbaute 13 Stockwerke zählende Zentralhaus wurde in den 90er-Jahren aufwendig modernisiert und in ein Vier-Sterne-Hotel verwandelt. Vom Restaurant Skylounge im 13. Stock bietet sich ein schöner Blick über die Stadt bis zu den Alpen.

Das 2003 eröffnete Erlebnisbad CamboMare spielt auf die römischen Thermen von Cambodunum an, die zu den größten römischen Thermenanlagen nördlich der Alpen zählten. Es bietet eine große Bade- und Saunalandschaft für Erholungssuchende sowie eine Wasserrutsche und eine Crazy-River-Reifenrutsche für Kinder.

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