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Einfach weg: Ein Mercedes AMG-Roadster SL 63 ist unlängst in Au gestohlen worden.

KFZ-Kriminalität

Nur schlecht gesichert: Immer mehr Luxusautos verschwinden

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München - Brechstange war gestern. In Oberbayern verschwinden vermehrt teure Autos, die Diebe nutzen vermutlich eine Schwachstelle in der Technik der Luxuswagen. Manche Autohersteller arbeiten schon an einer Lösung, andere sehen das nicht so eng.

Der erste im Juli, der zweite im September und zwei weitere Ende November. In der Hallertau (Kreis Freising) häufen sich in letzter Zeit Diebstähle teurer Autos – und teuer heißt richtig teuer. Unter den gestohlenen Wagen ist zum Beispiel ein Mercedes AMG-Roadster SL 63, metallicrot, Wert: 150 000 Euro. Er stand in einer Grundstückseinfahrt in Au, eines Morgens war er einfach weg.

Auch andernorts gibt es diese Fälle: In Wolnzach (Kreis Pfaffenhofen) verschwand unlängst ein Audi SQ 5, in Kirchseeon (Kreis Ebersberg) ein Audi Q 7. Im Kreis Landshut wurden gleich drei teure Autos gestohlen. Über der Polizeimeldung steht: „Fahrzeugdiebstahl trotz Keyless-Go-System“. Richtig wäre wahrscheinlich: wegen.

Bei Oberklassewagen gehören solche Systeme zum Standard. Wie der Name „keyless“, also „schlüssellos“ sagt, müssen die Autos nicht mehr manuell geöffnet werden, sondern entriegeln automatisch. Möglich wird das durch einen Chip, den der Autobesitzer bei sich tragen muss. Was den Komfort erhöhen soll, ist zur Schwachstelle vieler Autos geworden. Das Bundeskriminalamt (BKA) schreibt in seinem KFZ-Lagebericht, Tätergruppen arbeiteten vermehrt mit „elektronischen Überwindungstools“, mit denen sie auch moderne Sicherungssysteme überlisten können.

Grundsätzlich ist der Freistaat in Sachen Autodiebstahl kein allzu heißes Pflaster. Im vergangenen Jahr verschwanden hier laut BKA-Statistik 859 Autos, knapp die Hälfte davon in Oberbayern. In Berlin waren es 4495. Wie viele Luxuswagen darunter waren, ist unklar. Auch die Frage, in welchen Fällen Keyless-Systeme überlistet wurden, bleibt meist offen. „Das ist schwer nachzuweisen“, sagt Max Weidmann, der beim LKA für Fahrzeug-Kriminalität zuständig ist. Denn wer die Elektronik eines Autos überlistet, hinterlässt keine Spuren.

So ein Diebstahl ist leichter, als man annehmen würde. In seinem Landsberger Technikzentrum testet der ADAC Autos mit Keyless-Systemen auf ihre Sicherheit. Um die ist es offensichtlich nicht gut bestellt. Die Mitarbeiter konnten bislang 74 Modelle von 27 Herstellern ohne größere Probleme öffnen und wegfahren. Dabei gingen sie wie Diebe vor und verlängerten mit einem selbst gebauten Gerät das Signal zwischen dem Auto und dem Schlüssel-Chip.

„Einfache Geräte schaffen 150 Meter“, sagt ADAC-Sicherheits-Experte Burkhard Böttcher. Wer seinen Chip ans Schlüsselbrett hängt und den Wagen vor der Garage nebenan abstellt, macht Autodieben ihre Sache besonders leicht. Die basteln ihre Geräte oft selbst, die nötigen Teile, sagt Böttcher, kosten kaum mehr als 150 Euro. Ist das Auto einmal geöffnet, können Diebe es problemlos per Laptop starten und wegfahren. Der Besitzer hört dann bloß noch den Motor jaulen, wenn überhaupt.

Kuriere bringen die Autos meist gen Osten, die Drahtzieher verkaufen sie dann weiter nach Russland oder Japan oder zerlegen sie und machen ihr Geld mit den Einzelteilen. Manche Autohersteller haben darauf reagiert, sagt Böttcher. Renault zum Beispiel hat eine einfache Sicherung entwickelt, auch BMW ist sucht nach Lösungen. Andere Hersteller sehen laut Böttcher keine Notwendigkeit, zu handeln. „Insgesamt passiert leider zu wenig.“

Die Diebstähle in der Hallertau werden nicht die Letzten gewesen sein.

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