+
Der Aufzug am Bahnhof in Kiefersfelden könnte noch monatelang defekt bleiben. Für Ralph Kaifusch heißt das, dass er seinen Rollator die Treppe hinunterschleppen muss.

„Dieser Zustand ist eine Frechheit“

Mann muss Rollator die Treppe herunterschleppen - kaputter Aufzug noch monatelang außer Betrieb?

Seit Jahren sorgen die Aufzüge am Bahnhof Kiefersfelden für Probleme: Immer wieder sind sie defekt oder bleiben stecken. Das hat gravierende Folgen für Menschen, die darauf angewiesen sind.

  • Die Aufzüge am Bahnhof in Kiefersfelden funktionieren nicht.
  • Das ist vor allem ein Problem für Menschen, die beispielsweise auf den Rollstuhl angewiesen sind.
  • Die Reparatur könnte jetzt noch viel länger dauern als gedacht.

Update vom 2. Dezember: Für Menschen mit Gehbehinderung, Senioren mit Rollatoren oder Eltern mit Kinderwagen könnte es noch monatelang unmöglich bleiben, auf Bahnsteig zwei oder drei zu gelangen. Nach mehreren Störungen hatte die Bahn Mitte Oktober beide Aufzüge aus Sicherheitsgründen stillgelegt (wir hatten berichtet). Nun kündigte ein Sprecher der Bahn an: 

Die Aufzüge sollen erst im ersten Halbjahr 2020 ausgetauscht werden. Aus Sicherheitsgründen bleiben sie über die Wintermonate außer Betrieb. Im schlimmsten Fall würde das bedeuten, dass es bis Sommer dauert, bis Menschen mit Gehhilfen oder Kinderwagen wieder auf den Bahnsteig können. Aktuell erreichen sie die Züge nur noch, wenn sie vor Ort kräftige Helfer finden. „Dieser Zustand ist eine Frechheit“, schimpft Josef Aschauer, der als Rollstuhlfahrer direkt betroffen ist. „Wie sollen wir jetzt nach Rosenheim kommen?“, fragt er. 

Aufzug defekt: Situation stellt Menschen mit Gehbehinderung vor Herausforderung

Vor allem im Winter seien viele Menschen mit Gehbehinderung auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Für Aschauer bleibt nun nur, den Umweg über Kufstein zu nehmen. „Das sind sechs Kilometer“, sagt er. „Aber dort kann ich am Bahnhof wenigstens in den Zug ein- und aussteigen.“ Ähnlich verärgert ist Ralph Kaifusch, als er mit seinem Rollator das Hinweisschild sieht, dass die Bahn angebracht hat. 

Kaifusch war im Oktober mit dem Aufzug steckengeblieben und konnte erst nach einigen Stunden befreit werden. „Die Bahn investiert nichts“, ärgert er sich. „Sie lässt uns total im Regen stehen.“ Ihm bleibe nun nur übrig, seinen Rollator mühsam die Treppe nach oben oder unten zu schleppen. Rollstuhlfahrer wie Josef Aschauer oder Eltern mit Kinderwagen hätten keine Chance mehr.

Aufzug defekt: Initiativen der Gemeinde haben keinen Erfolg

Auch die Initiativen der Gemeinde laufen ins Leere. Sie hatte vor geraumer Zeit beantragt, die Meridian-Züge in Richtung Kufstein auf die Gleise 2 und 3 verlegen zu lassen. Denn nur dort gibt es überhaupt Aufzüge – damals waren sie noch in Betrieb. Auf Bahnsteig 1 beträgt die Höhendifferenz zur Zugeinstiegskante knapp 60 Zentimeter, die Rollstuhlfahrer nicht überwinden können. Und weil es auf der Strecke auch keinen mobilen Dienst gibt, müssen sie ihre Zugfahrt rechtzeitig anmelden, um beim Aus- oder Einstieg Hilfe von Bahnmitarbeitern zu bekommen. 

Die Bahn lehnte den Antrag der Gemeinde damals ab. Die Begründung: Es würde zu höheren Belegungszeiten der Bahnsteige kommen, was wiederum den Fahrplan einschränken würde. Kiefersfeldens Bürgermeister Hajo Gruber sitzt selbst im Rollstuhl – und weiß nur zu gut, was es viele Menschen in der Gemeinde bedeutet, dass der Aufzug noch so lange außer Betrieb bleiben wird. Im Rathaus häufen sich die Beschwerden, berichtet er. Gruber will deshalb nun das Gespräch mit der Bahn suchen.

Aufzug defekt: Rollstuhlfahrer muss mehrere Kilometer Umweg fahren

Ursprungsartikel vom 28. Oktober

Kiefersfelden – Seit einem unverschuldeten Motorradunfall ist Josef Aschauer aus Kolbermoor auf den Rollstuhl angewiesen. Mobilität ist für den 64-Jährigen, der in einem Pflege- und Therapiezentrum lebt, daher zum Luxus geworden. So ist die Bahn für ihn eine der wenigen Möglichkeiten, weitere Strecken zurückzulegen. Aber nur, wenn die Fahrt nicht an den beiden Aufzügen am Bahnhof Kiefersfelden scheitert.

Auch als er vor zwei Wochen einen dringenden Termin in Rosenheim hatte, war der Aufzug defekt. Mit seinem Elektrorollstuhl musste er den rund vier Kilometer weiten Weg zu dem Bahnhof im österreichischen Kufstein zurücklegen. „Auf der Rückfahrt bin ich sicherheitshalber auch gleich wieder in Kufstein ausgestiegen und habe im Rollstuhl dann den langen Heimweg nach Kiefersfelden angetreten“, sagt er. „Das hat mich rund zwei Stunden mehr an Zeit gekostet.“

Rollstuhlfahrer Josef Aschauer ist auf die beiden Aufzüge angewiesen – doch immer wieder sind sie defekt.

Josef A. hat sich bei der Bahn beschwert

Mehrmals hat sich Josef Aschauer bei der Bahn beschwert. „Aber es hat sich nichts geändert“, beklagt er. Der 64-Jährige fühlte sich schon oft hilflos am Kiefersfelder Bahnhof. Vergangenen Winter, bei Schnee und Kälte, kam er abends von Rosenheim – und wieder funktionierte der Aufzug nicht. Weil Aschauer nicht zum Ausgang gelangen konnte, rief er in seinem Pflege- und Therapiezentrum an. „Von dort haben mir Pfleger meine Beinprothese gebracht, mit der ich das Bahnhofsgelände verlassen konnte“, erzählt er. Die Pfleger hätten den schweren, vollelektronischen Rollstuhl über die Treppen zum Auto hieven müssen.

Ein anderes Mal wählte der 64-Jährige wegen des defekten Lifts die angegebene Notrufnummer. Die Antwort: „Ich solle mir doch möglichst selbst helfen, denn ein Techniker kann sich erst nach geraumer Zeit um das Problem kümmern“, berichtet Aschauer. Erneut hätten ihm Pfleger geholfen.

Der Kolbermoorer ist nicht der einzige Fahrgast, der derartige Erlebnisse schildern kann. Mitte Oktober steckte ein Kind in dem Aufzug fest. Erst die Feuerwehr Kiefersfelden konnte den Buben nach rund 45 Minuten aus dem „Gefängnis“ befreien. „Das Kind war total verängstigt“, erinnert sich Feuerwehrmann Werner Schroller. Zugleich bestätigte er, „dass sich in letzter Zeit die Einsätze am Bahnhof wegen der defekten Aufzüge häufen“.

Auch aktuell ist der Aufzug an Gleis 2 defekt. An der Störungsbeseitigung würde gearbeitet, steht auf einem Pappschild. Eine telefonische Nachfrage bei der Sicherheitszentrale in München, deren Telefonnummer auf der Glaswand der Aufzüge angegeben ist, ergab, dass dort die Notrufe „an den zuständigen Techniker mit der Bitte um zeitnahe Erledigung“ weitergegeben werden. Die Zentrale erfährt nach eigener Auskunft nicht, wann die Reparatur erledigt wurde.

Nur wenn ein Aufzug über einen langen Zeitraum ausfallen sollte oder Ersatzteile benötigt werden, „sind wir wieder eingebunden“, erklärte ein Mitarbeiter.

Kiefersfeldens Bürgermeister Hajo Gruber, selbst Rollstuhlfahrer, plädiert für den Einbau einer neuen Aufzuganlage und den barrierefreien Ausbau des Gleises 1 am Bahnhof. „Dann können die Menschen mit Handicap ihre Züge auch ohne Lift erreichen“, erklärt er. Die jetzige Situation sei „skandalös“.

Ein Aufzug-Drama spielte sich an einem Münchner Bahnhof ab, wie tz.de* berichtet. „Ich wollte nur noch raus“ - der Mann mehr als eine Stunde an Bahnhof in Aufzug eingesperrt

Dass es auch anders geht, beweisen Angestellte der Deutschen Bahn am Hauptbahnhof Frankfurt (siehe Video).

HKO/Franz Hoffmann

Meistgelesene Artikel

Abartiger Fund im Kofferraum bei Polizei-Kontrolle - Fahrer reagiert teilnahmslos
Beamten kontrollierten einen verdächtigen Wagen auf der A73. Im Kofferraum erwartete sie das kalte Grauen. Nun gibt es erstmals Details zu dem spektakulären Fall.
Abartiger Fund im Kofferraum bei Polizei-Kontrolle - Fahrer reagiert teilnahmslos
Nach Schock-Fund: Schrecklicher Verdacht der Ermittler erhärtet sich
In Regensburg hat die Polizei am Mittwoch zunächst einen verletzten Mann im Gebüsch gefunden. Kurz darauf entdeckten sie in einer nahen Wohnung eine tote Frau.
Nach Schock-Fund: Schrecklicher Verdacht der Ermittler erhärtet sich
Radio-Sender zeichnet Glühwein-Preise-Map für Bayern und liefert Mega-Überraschung
Mit dem Winterbeginn ist es wieder Zeit für Glühwein. Eine Umfrage hat herausgefunden, wo in Bayern es besonders günstig ist. Eine Stadt ist eine besondere Überraschung.
Radio-Sender zeichnet Glühwein-Preise-Map für Bayern und liefert Mega-Überraschung
Augsburg: Gruppe schlägt auf Passanten ein - Feuerwehrmann (49) tot - vier weitere Festnahmen
In Augsburg ist am Freitagabend (6. Dezember) ein Streit zwischen zwei Paaren und einer Gruppe junger Männer eskaliert. Ein 49-jähriger Feuerwehrmann starb. 
Augsburg: Gruppe schlägt auf Passanten ein - Feuerwehrmann (49) tot - vier weitere Festnahmen

Kommentare