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Der verurteilte Vater, der seine Kinder aufs Brutalste quälte.

Kinder brutal gequält: Bewährungsstrafe für Vater

Augsburg - Er schnitt seinen Kindern die Fingerkuppen auf und streute Chilipulver in die Wunden: Das Amtsgericht Augsburg hat einen brutalen Vater zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe hat das Amtsgericht Augsburg am Dienstag einen brutalen Vater verurteilt. Der 42-jährige aus Afrika stammende Mann hatte über Jahre hinweg seine beiden Söhne mit außerordentlicher Brutalität gequält. Dabei hat er sich laut Urteil der Misshandlung Schutzbefohlener in 19 Fällen schuldig gemacht. Unter anderem soll er mit einem Rasiermesser ihre Fingerkuppen aufgeschnitten und Chilipulver in die Wunden gestreut haben.

Bilder aus dem Prozess

Kinder brutal gequält: Vater verurteilt

"Was der Angeklagte mit seinen Kindern gemacht hat, geht in Richtung Foltermethoden", sagte der Vorsitzende Richter Bernhard Kugler. Eine Haft würde aber die Familie zerstören, begründete er das überraschend milde Urteil. Der Angeklagte war auf ein zwischen den Prozessbeteiligten vereinbartes Angebot eingegangen und hatte die Vorwürfe vollständig eingeräumt. Seinen Kindern ersparte er dadurch die Vernehmung und kam selbst mit einer Bewährungsstrafe und 240 Stunden gemeinnützige Arbeit davon. Durch seinen Verteidiger ließ der 42-Jährige erklären, dass es ihm Leid tue und dass er seine Kinder sehr gerne habe.

Nur eine Stunde dauerte der Prozess, zu dem auch die Ehefrau und die heute 15 und 17 Jahre alten Söhne des Angeklagten erschienen waren. Die Familie zeigte im Gerichtssaal große Harmonie. In einer Prozesspause nahm eines der Kinder den weinenden Vater tröstend in die Arme. "Der Angeklagte sieht inzwischen ein, dass seine falsch verstandenen Erziehungsmethoden in Mitteleuropa nichts zu suchen haben. Die kurzzeitige Inhaftierung war ein heilsamer Schock", sagte der Richter. Einen Tag hatte der Angeklagte in Haft verbracht.

Mehrere Jahre lang waren die Kinder in den Wohnungen der Familie in Mering und Kissing im Landkreis Aichach-Friedberg gequält und roh misshandelt worden. Mehrfach soll der Vater sie geschlagen haben. Die Kinder mussten "zur Strafe" stundenlang mit nackten Knien auf den scharfen Rändern von Flaschenverschlüssen knien. Ein Kind hatte der Angeklagte wegen angeblichen Ungehorsams nackt mehrere Stunden bei Regenwetter in den Garten gestellt.

Im Dezember 2007 hatte das Jugendamt die Kinder aus der Familie genommen. Zehn Monate blieben sie in einem Kinderheim, bevor sie wieder zu ihren Eltern zurückkehrten. Seitdem soll es nach Angaben einer Sozialpädagogin keine Übergriffe mehr gegeben haben. Die Zeugin, die als Erziehungsbeistand regelmäßig in die Familie kommt, beschrieb das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern als wohlwollend und unproblematisch. "Die Jungs haben keine Angst vor ihrem Vater."

dpa

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