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Ein Mädchen (12) aus München ist am Sonntagnachmittag beim Baden in der Aschauerklamm in einen Steilhang geklettert und rund drei Meter tief ins seichte Wasser gestürzt.

Nach tragischen Wanderunfällen

Mit Kindern in den Bergen: Das müssen Sie beachten

München - Mit Kindern die Bergwelt genießen macht Freude. Doch schwere Unfälle erschüttern wanderbegeisterte Familien. Ein Mädchen starb, ein weiteres wurde schwer verletzt. Wie bewahrt man Kinder vor Bergunfällen?

Wie konnte es kommen, dass eine Achtjährige bei einem schrecklichen Bergunfall auf einem Gebirgssteig im Nationalpark Berchtesgaden am Freitag in den Tod stürzte? Eine Frage, die sich am Montag viele Experten und Eltern stellten. Die Polizei vermutet, dass das Kind oberhalb einer Steilstufe gestürzt ist und deshalb 100 Meter tief eine Felswand hinabfiel. Ihre Eltern und die drei Geschwister waren dabei, ein Albtraum! Unglaubliches Glück hatte dagegen Anfang Juni ein 14-Jähriger am Watzmann, der einen 100-Meter-Sturz schwer verletzt überlebte. Der Jugendliche war mit seinem Vater unterwegs. Auf einem Schneefeld rutsche er aus und stürzte in steiles Schrofengelände, dann einen Hang hinab auf ein Geröllfeld.

Diesen Sonntag der nächste Unfall, diesmal in der Aschauerklamm im Berchtesgadener Land: Dort wurde der Badeausflug einer Zwölfjährigen zur Beinah-Katastrophe. Das Mädchen war in der verwunschenen Klamm vom Bach aus in eine Steilwand geklettert, dort ausgerutscht und mehr als drei Meter tief ins seichte Wasser gefallen. Dabei brach sie sich einen Oberschenkel und verletzte sich im Gesicht. Da der Vater des Mädchens Arzt war, konnte er seine Tochter versorgen, bis die Bergwacht da war und der Rettungshubschrauber das Kind in einem Rettungssack aus der Klamm hob und ins Klinikum Traunstein flog.

Sind Steilwände, Klettersteige, eine verwunschene Klamm Orte, die verantwortungsvolle Eltern mit ihren Kindern besuchen dürfen? Oder ist das zu waghalsig, ist der richtige Ort für Kinder das Tal? „Nein, für Kinder ist es viel gefährlicher, sie mit Chips und Limo vor dem Fernseher vor den Fernseher zu setzen, als mit ihnen in die Berge zu gehen“, sagt Thomas Bucher vom Deutschen Alpenverein München. Der 44-Jährige ist dreifacher Vater und muss es wissen: „Ich habe meine Kinder schon als Säuglinge mit in die Berge genommen – zuerst im Tragetuch, dann in der Kraxe, bis sie selbst wandern konnten.“ Ob er je Angst hatte? Nein, sagt Bucher. Weil er immer wichtige Dinge beachtete:

„Erster Punkt ist die Planung“, sagt Bucher. Eltern müssten immer eine große Leistungsreserve haben, damit sie die Kinder notfalls ins Tal zurücktragen können. „Es können Unwägbarkeiten auftreten wie Gewitter oder Wespenstiche, dann liegt alle Last auf ihren Schultern.“

Bei kleinen Kindern darf nicht der Gipfel im Vordergrund stehen, „denen ist die Aussicht wurscht, die interessieren sich mehr für die Ameisenhügel am Wegrand.“ Mit Kindergartenkindern sind kleinere Touren möglich, „aber ganz wichtig ist es, ohne Gipfel-Ehrgeiz an die Sache heranzugehen und die Kinder nicht zu überfordern.“ Erst bei Jugendlichen könnten die Eltern – je nach eigener Kondition – den Nachwuchs sportlich herausfordern, sagt Bucher.

Aber was, wenn die Kinder der Übermut packt? Wenn sie an gefährliche Stellen klettern und abstürzen. „Sicherlich, solche Gefahren gibt es, aber sich deshalb mit Kindern nicht in eine Klamm zu wagen, wäre falsch“, sagt Alpenvereinssprecher Bucher. „Eine Klamm ist wie ein Paradies, um jede Ecke gibt es eine Attraktion!“ Vor allem die Partnachklamm und die Höllentalklamm seien gut ausgebaut und perfekte Ausflugsziele für Familien. Bucher rät Eltern, mit den Kindern abzumachen, dass sie nur so weit laufen dürfen, dass die Eltern sie nie aus dem Blick verlieren.

Die wichtigsten Dinge, die Eltern im Gebirge brauchen, sind Wetter- und Sonnenschutz, also wasserdichte Kleidung und Wechselkleidung sowie Sonnencreme. Weiterhin braucht es ein Handy und ein Erste-Hilfe-Set mit Pflastern und kühlendem Gel für Insektenstiche. Unverzichtbar sind zudem passende Wanderschuhe mit gutem Profil, einfache Turnschuhe reichen in den Bergen nicht. Wer in steilem Gelände unterwegs ist, dem rät Bucher, ein zehn Meter langes Seil mit einem Brust- oder Hüftsitzgurt einzupacken: „Damit kann man die Kinder notfalls sichern.“

Eltern sollten immer bedenken, dass vor allem kleine Kinder Anweisungen schnell vergessen und oft keinen Blick für Gefahren haben.

Übrigens: Statistisch gesehen ist das Risiko, dass Kinder in den Bergen verunglücken, verschwindend gering, sagt Bucher: „Die meisten Unfallopfer sind Männer über 50, die sich überschätzen.“

Von Susanne Sasse

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