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Grundschüler sollen schneller die Rechtschreibung lernen.

Neuer Lehrplan

Kinder sollen besser rechtschreiben

München - An den 2400 Grundschulen in Bayern gilt ab kommendem Schuljahr ein neuer Lehrplan. Kinder sollen schneller richtig schreiben. Vielleicht gibt es auch eine neue Schrift. Das umstrittene Abziehverfahren bleibt.

Der alte Lehrplan für die Grundschulen stammt aus dem Jahr 2001/2 – Zeit für eine Neufassung der Stoffansammlung, die den gut 420 000 Grundschülern in Bayern beigebracht werden soll. Ein Entwurf für den sogenannten „LehrplanPlus“ ist fertig – in den kommenden Monaten sollen Experten dazu Stellung nehmen. Einige Punkte stellte Kultusminister Ludwig Spaenle gestern vor:

-Schrift: Schüler sollen „flüssig und verbunden schreiben“, unterstrich die Grundschul-Referatsleiterin im Ministerium, Maria Wilhelm, bei der Präsentation in München. Bisher lernen die Kinder dazu die sogenannte Vereinfachte Ausgangsschrift. Weil es hier im Detail – etwa beim Buchstaben e oder z – Probleme gibt, steht im Raum, auch die sogenannte Schulausgangsschrift zuzulassen und den Schulen die Auswahl selbst zu überlassen. Pikanterie am Rande: Die Schulausgangsschrift wurde 1968 vom Ministerium für Volkserziehung der DDR entwickelt. Vom Tisch ist eine dritte Schrift, die druckschrift-ähnliche sogenannte Grundschrift. Spaenle: „Das kommt für Bayern nicht in Frage.“

-Rechtschreibung: Künftig soll in Bayern mehr Wert darauf gelegt werden, dass die Schüler „von Anfang an“ richtig schreiben. Zu viele Lehrer erlaubten in der 1. und 2. Klasse noch die rein phonetische Rechtschreibung, so Maria Wilhelm. Das bleibt zwar erlaubt. Früher als bisher sollen Lehrer jedoch behutsam korrigierend eingreifen. Sobald ein Wort im Unterricht durchgenommen worden ist, wird es bei Falschschreibung rot angestrichen.

-In Mathematik bleibt das neue Abziehverfahren, das bei Eltern und Großeltern für Verwirrung sorgt. Es sei international üblich, betonte Ludwig Spaenle. Das früher übliche Ergänzungsverfahren werde nur noch in Österreich und Ungarn angewandt. In den meisten Bundesländern gibt es hier keine Festlegung.

-In Heimat- und Sachunterricht (HSU) wird mehr Wert auf Kompetenzen statt bloßem Wissen gelegt. Es gibt auch einen neuen Fachbereich „Technik und Kultur“. Kinder sollten zum Beispiel stabile Türme aus Papierrollen basteln und begründen können, warum er nicht einstürzt. Manches wird entschlackt. Zum Beispiel soll künftig nicht mehr das Leben auf einer Wiese und an einer Hecke behandelt werden – sondern nur noch eines der beiden Themengebiete.

-Der Englisch-Unterricht ab der 3. Klasse bleibt in Art und Umfang erhalten. Es soll aber stärker auf den Übergang zu den weiterführenden Schulen geachtet werden.

-Unangetastet bleibt die Zahl der Fächer und Unterrichtsstunden je Jahrgang. Auch die Richtzahl für die Proben in der 4. Klasse (22 Stück) bleibe unverändert, sagte Spaenle. Ebenso wird das immer wieder angefeindete Übertrittsverfahren („Grundschul-Abitur“) nicht reformiert. Insgesamt sollen zwei Drittel der Unterrichtszeit für die Vermittlung von Stoff, ein Drittel für die Vertiefung zur Verfügung stehen. Im bisherigen Lehrplan gibt es dazu keine Festlegung.

Der „LehrplanPlus“ soll ab dem Schuljahr 2014/15 in den Jahrgangsstufen 1 und 2 gelten, ab 2015/16 dann für die 3. Klassen und ein Jahr später für die Viertklässler. Für alle Kinder, die jetzt schon älter sind, gilt er nicht. Nach dem Grundschul-Lehrplan werden ab dem Schuljahr 2017/18 auch die Lehrpläne der weiterführenden Schulen reformiert.

Der Kultusminister grenzte sein Vorgehen deutlich „von der Art der Einführung des achtjährigen Gymnasiums“ 2004 ab. Mit allen Beteiligten müsse im Vorfeld gesprochen werden. Er plane hier „eine Art Gegenentwurf“ zu 2004, sagte Ludwig Spaenle. Trotzdem gibt es schon erste Kritik vom Lehrerverband BLLV, der sich „nicht ernst genommen“ fühlt.

Von Dirk Walter

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