Ein Kind mit Taschentuch.
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Die Ansteckungsgefahr an Schulen wird laut Experten überschätzt. Sie berufen sich dabei auf eine Datenanalyse aus rund 100 deutschen Kinderkliniken.

Datensammlung zeigt niedrige Ansteckungsgefahr bei Schulkindern

Kinderärzte: Plädoyer für offene Schulen

  • Dominik Göttler
    vonDominik Göttler
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Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr im Klassenzimmer? Eine Abfrage bei deutschen Kinderkliniken zeigt, dass es keine hohe Dunkelziffer bei den Infektionszahlen unter Kindern gibt. Kinderärzte werten das als Argument, um die Schulen offen zu halten.

  • Das Infektionsrisiko von Kindern in Kita und Schule ist nach einer Datenerhebung an bundesweit mehr als 100 Kinderkliniken vergleichsweise gering.
  • Von 116 000 Tests fielen nur 612 positiv aus.
  • Kinderärzte plädieren dafür, die Schulen über die Winter möglichst offen zu halten.

München – Morgen wollen die Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin den Winterfahrplan für die Pandemie festzurren. Ein wichtiger Punkt dabei: Wie geht es in den Schulen weiter? Im Gespräch sind etwa Klassenteilungen in den höheren Jahrgangsstufen in Regionen mit weiterhin hohen Infektionszahlen. Doch die Frage, wie hoch die Ansteckungsgefahr in der Schule tatsächlich ist, bleibt umstritten.

Mit einer Datensammlung liefern die Direktoren von mehr als 100 Kinderkliniken in ganz Deutschland nun ein Argument für das Offenhalten der Schulen. Unter der Federführung der Universitätsklinik St. Hedwig in Regensburg wurden Daten von insgesamt 116 000 Kindern ausgewertet, die sich von Mai bis zum 18. November in eine Kinderklinik begeben hatten und dort routinemäßig auf das Coronavirus getestet wurden. Das Ergebnis der Abfrage: Nur 0,53 Prozent der Tests fielen positiv aus. Ausgewertet wurden Daten von Kindern zwischen 0 und 18 Jahren, darunter auch Corona-Verdachtsfälle, aber überwiegend Patienten ohne Symptome – zum Beispiel Kinder, die nach einem Sturz behandelt werden mussten. Die Mediziner werten die Ergebnisse ihre Abfrage als eindeutiges Zeichen dafür, dass die Dunkelziffer an mit Sars-Cov-2 infizierten Kindern deutlich geringer ist, als immer wieder angenommen wird.

Kinderarzt schlussfolgert: Schulen sind nicht der Hauptfaktor bei der Verbreitung von Sars-Cov-2.

Von den 612 positiv getesteten Kindern aus den Kliniken gaben laut Dr. Michael Kabesch von der Universitätskinderklinik Regensburg lediglich acht an, sich in der Schule angesteckt zu haben. Bei der überwiegenden Mehrheit sei die Infektion im Freundes- und Bekanntenkreis zu verorten gewesen. Prof. Johannes Hübner, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie und des Haunerschen Kinderspitals in München, sagt, es sehe ganz danach aus, dass sich vor allem jüngere Kinder nicht so leicht mit dem Virus anstecken – unter anderem, weil sie ein stärkeres Immunsystem oder teils durch Vorerkrankungen schon Antikörper gebildet haben. Seine Schlussfolgerung: „Schulen sind nicht der Hauptfaktor bei der Verbreitung von Sars-Cov-2.“ Vielmehr schwappe das Virus auch auf die Schulen über, wenn die Zahlen in der Gesamtbevölkerung steigen. Für Hübner ist klar: Der Kollateralschaden von Schulschließungen sei für Kinder schwerwiegender als die Infektionsgefahr im Klassenzimmer.

Sein Kollege Dr. Dominik Ewald, Vorstand vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Bayerns, fordert ebenfalls: „Lieber Maske auf als Schule zu.“ Wichtig sei, dass etwa auch auf dem Weg zur Schule die Abstandsregeln eingehalten werden und dass auf das Lüften im Klassenzimmer nicht verzichtet werde. „Dann bin ich guter Hoffnung, dass wir die Schulen über den Winter offen halten können.“

Kritik kommt von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach

Es gibt allerdings auch Kritik an der Analyse der Kinderärzte. So bemängelt etwa SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, dass die über den Sommer gesammelten Daten aktuell wenig Aussagekraft hätten, weil die Zahl der Infektionen erst im Herbst wieder deutlich angestiegen sei. Tatsächlich erklärt auch Kabesch, dass der Anteil der Infizierten in den Kinderkliniken bei rund 1,3 Prozent liege, wenn man nur die Daten von Oktober bis Mitte November auswerte. Die Mediziner sehen dies aber als weiteren Beleg dafür, dass das Infektionsgeschehen gut erfasst sei und es keine hohe Dunkelziffer gebe. „Die Zahlen sind nicht unerwartet hoch wie in der ersten Welle, als viele Kinder nicht getestet wurden“, sagt Kabesch.

Stand gestern waren in Bayern laut Kultusministerium rund vier Prozent der Schüler wegen Quarantäne nicht im Präsenzunterricht, 0,24 Prozent wegen positiver Coronatests. Bei den Lehrern befinden sich zwei Prozent in Quarantäne, 0,3 Prozent sind positiv getestet.

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