Die Empore in der Kirche St. Johannes Baptist: Hier kam es während der morgendlichen Rosenkranz-Andacht an Silvester 2009 zum erotischen Austausch. FOTO: DPA

Sex in der Kirche - Polizist muss gehen

Rennertshofen - Das Bayerische Verwaltungsgericht hat gestern einen Polizeiobermeister (28) wegen eines Sex-Abenteuers in einer Kirche aus dem Dienst entlassen. Es war nicht die einzige Dienstverfehlung, die dem Mann angelastet wurde.

Es war der Silvestertag 2009. In der Früh um acht Uhr fanden sich 20 Gläubige in der schmucken Kirche St. Johannes Baptist von Rennertshofen (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) ein. Sie wollten den Rosenkranz beten, als plötzlich ein Stöhnen die Andacht störte. Es kam von der Empore. Die Haushälterin von Pfarrer Nikolaus Maier stieg schließlich die Stufen hinauf - und entdeckte den Polizeibeamten mit seiner Freundin in flagranti. „Die Studentin war vollständig entkleidet“, hieß es später im Sachbericht des Verwaltungsgerichts.

Mit der Andacht war es daraufhin am Silvestermorgen vorbei. Pfarrer Maier gab dem ertappten Paar zwar noch die Möglichkeit, sich vor der Gemeinde zu entschuldigen, doch die beiden suchten lieber das Weite. Der Geistliche erstattete Anzeige und beklagte in der Neujahrspredigt den „eklatanten Mangel an Anstand“ sowie das „schamlose Ausleben von Trieben“.

Vier Monate später flatterte dem Beamten ein Strafbefehl ins Haus. Ihm wurde Störung der Religionsausübung sowie Verwahrungsbruch vorgeworfen. Letzteres hatte sich der 28-Jährige eingehandelt, als er im Rahmen der Waffenamnestie im Dezember 2009 eine abgegebene Schreckschusswaffe samt 20 Schuss Munition nicht ordnungsgemäß aufnahm, sondern sie achtlos daheim ablegte.

8400 Euro Geldstrafe (140 Tagessätze) forderte der Strafbefehl. Der Polizist bezahlte kommentarlos. Von seinem Dienstherrn war er längst suspendiert, sein Gehalt um 35 Prozent gekürzt worden. Seit gestern steht fest, dass er für die Polizei nicht mehr tragbar ist - er wurde vom Verwaltungsgericht entlassen. Mit dieser Entscheidung hatte der scheidende Beamte wohl gerechnet. Er kam erst gar nicht zum Gerichtstermin, und er schickte auch keinen anwaltlichen Vertreter.

Aus dem Sachbericht ging hervor, dass der 28-Jährige kein engagierter Beamte gewesen war, sondern eher das Schlusslicht seiner Inspektion. Die Latte der Bewertungen reichte von „extrem leistungsschwach“ bis „phlegmatisch“. Er erledige nur das Notwendigste. Von 44 beurteilten Beamten seiner Dienststelle landete der 28-Jährige auf dem letzten Platz. Das scheine ihn aber nicht sonderlich zu stören, hieß es weiter in dem Gerichtsbericht, stattdessen kokettiere er sogar mit dem Status, Inhaber der Roten Laterne zu sein.

Zum gestrigen Prozesstermin hatten sich zahlreiche Medienvertreter eingefunden. Auf den Auftritt des Polizeiobermeisters warteten sie vergeblich - wie auch auf eine Wertung der Kammer zur Wahl der Barockkirche als Liebesnest. Offenbar hatte das Pärchen die Nacht zuvor heftig gebechert. Warum die beiden auf die Schnapsidee kamen, sich unbedingt in die Kirche zu schleichen, in der gerade eine Andacht stattfand, blieb unbekannt.

Für das Gericht war diese Verfehlung aber auch gar nicht ausschlaggebend. Es empfand das innerdienstliche Vergehen für schwerwiegender, als das außerdienstliche. Immerhin hatte der Beamte das Waffen-Formblatt kurzerhand mit einem Verkehrsunfall überschrieben.

von Angela Walser

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