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Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger traf mit Erzbischof Robert Zollitsch zusammen.

Kirche und Staat Seite an Seite

München / Berlin - Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Erzbischof Robert Zollitsch haben ihren Streit über die Aufarbeitung von sexuellen Missbrauchsfällen endgültig beigelegt. Sie wollen Seite an Seite gegen Missbrauch kämpfen.

Es handelte sich um eine bislang kaum dagewesene Konfrontation von Kirche und Staat. Doch gestern war Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, fast nicht mehr anzumerken, dass sie vor sieben Wochen einen handfesten Streit hatten. Dabei ging es um den Umgang der Kirche mit sexuellen Missbrauchsfällen. Vor ihrem Treffen in Berlin lächelten sie nun gemeinsam in die Kameras. Die Ministerin hieß Zollitsch willkommen - dieser bedankte sich für die Einladung. Später hieß es, die Gesprächsatmosphäre sei „sachlich" und „konstruktiv" gewesen.

Dabei waren die Umstände weniger schön: Ende Februar warf die FDP-Politikerin der katholischen Kirche bei der Aufklärung sexuellen Missbrauchs in den eigenen Reihen mangelnde Kooperation mit den staatlichen Strafverfolgungsbehörden vor. Zollitsch beschwerte sich bei der Kanzlerin und CDU-Vorsitzenden Angela Merkel über die Ministerin und verlangte umgehend eine Entschuldigung. Nach einem versöhnlichen Brief der Ministerin an die Bischöfe galt der Streit als beigelegt - es wurde das nun umgesetzte gemeinsame Gespräch vereinbart.

Der Ministerin geht es vor allem darum, den „staatlichen Strafanspruch" durchzusetzen - also dafür zu sorgen, dass Täter ihre gerechte Strafe erhalten. Hier sieht sie in der Kirche deutliche Fortschritte. „Ich kann feststellen, dass in der katholischen Kirche Vieles in Bewegung geraten ist", sagte sie. So würden derzeit die Richtlinien der Bischofskonferenz überarbeitet. Sie verpflichten die Kirche bisher nur bei einem erhärteten Verdacht und nicht verjährten Fällen, die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Insbesondere will die Ministerin verhindern, dass Fälle erst dann ans Tageslicht kommen, wenn sie schon lange verjährt sind.

Zweiter wichtiger Punkt ist die Frage möglicher Entschädigungen. Inzwischen diskutiert die katholische Kirche zwar über die Einrichtung eines „Opferfonds". In welcher Form es Entschädigungen geben könne, dazu habe es noch keine Einzelheiten gegeben, sagte die Ministerin, die die Arbeitsgruppe zu den rechtspolitischen Folgerungen aus den Missbrauchsfällen leiten wird. Somit müssen den Worten jetzt vor allem noch Taten folgen. Das dürften noch schwierige Gespräche werden.

Bettina Grachtrup

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