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Das Zentrum für Kinderschutz stellen (v.l.) Direktor Hubert Liebhardt, Pater Hans Zollner von der Päpstlichen Hochschule, Domkapitular Franzl und Jörg Fegert, Ärztlicher Direktor am Ulmer Universitätsklinikum, vor

So kämpft die Kirche online gegen Kindesmissbrauch

München - Um sexuellem Missbrauch vorzubeugen, hat die katholische Kirche in München ein Zentrum für Kinderschutz eröffnet. Mit mehrsprachigen Online-Schulungen sollen Kirchenmitarbeiter weltweit für das Problem sensibilisiert werden.

Zwei Jahre ist es her, dass die ersten Missbrauchsvorfälle am Berliner Canisius-Kolleg ans Licht gekommen sind. In einem Brief hatte der damalige Rektor Klaus Mertes über die Fälle von sexuellem Missbrauch am Kolleg informiert. Und eine Lawine ausgelöst. Immer mehr Vorfälle wurden bekannt – auch in der Erzdiözese München und Freising. Die katholische Kirche geriet unter Beschuss und in Erklärungsnot. Sie musste handeln.

Eine der Konsequenzen aus der innerkirchlichen Auseinandersetzung wurde nun präsentiert: Das Zentrum für Kinderschutz in München, eine Kooperation zwischen der Päpstlichen Universität Gregoriana und der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie Ulm wurde jetzt eröffnet.

Ziel ist es, weltweit Priester, Diakone, pastorale Mitarbeiter, Religionslehrer und Ehrenamtliche für die Problematik des sexuellen Kindesmissbrauchs zu sensibilisieren. Das soll vor allem durch internetgestütztes Lernen passieren.

„Damit sind wir einen großen Schritt weiter gekommen, aber noch lange nicht fertig“, sagte Domkapitular Klaus Peter Franzl, Personalchef des Erzbistums. Die Kirche habe in der Prävention von sexuellem Missbrauch Verantwortung und eine Vorreiterrolle zu übernehmen. „Das Jahr 2010 hat uns brutal vor Augen geführt, dass der sexuelle Missbrauch in unserem Land weiter verbreitet ist als wir das wahrhaben wollten, auch in der katholischen Kirche“, sagte er. Aufklärung und Aufarbeitung dürften jetzt nicht auf halbem Weg stehenbleiben, „nur weil sich das öffentliche Interesse anderen Themen zuwendet“.

Mit knapp 1,2 Millionen Euro fördern die Erzdiözese München-Freising, die Diözesen Augsburg und Osnabrück, die Barmherzigen Schwestern sowie private Sponsoren das neue Zentrum. Zumindest für die nächsten drei Jahre. Auf diesen Zeitraum ist das Projekt vorerst ausgelegt, erklärte Hubert Liebhardt, Direktor des Zentrums und Diakon.

Mit sogenannten E-Learning-Programmen – Internet-Lerneinheiten in Kombination mit Veranstaltungen vor Ort – will die Einrichtung kirchliche Mitarbeiter in Deutschland, Italien, Südamerika, Asien und Afrika schulen. Dabei bekommen diese zum Beispiel Antwort auf folgende Fragen: Wie erkenne ich sexuellen Missbrauch? Wie reagiere ich, wenn ich merke, dass ein Kind missbraucht wurde? An wen kann ich mich mit meinem Verdacht wenden? Am Ende der Schulung – nach circa 30 Stunden – bekommen die Teilnehmer ein Zertifikat der Päpstlichen Universität.

Das Zentrum für Kinderschutz wird bei einem Kongress, zu dem fast alle 124 nationalen Bischofskonferenzen Delegierte entsenden und der Münchner Kardinal Reinhard Marx ein Referat halten wird, vom 6. bis 9. Februar in Rom vorgestellt.

von Eva Dobler

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