Pfarrer und Ministranten gehen in Kirche zum Altar
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Christmette 2020 im Liebfrauendom: Für Weihnachte 2021 hofft das Erzbistum auf mehr Gläubige.

Corona-Regeln für Gottesdienstbesucher

Kirchen vertrauen auf Abstand

  • Verena Möckl
    VonVerena Möckl
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In Bayern gelten für Veranstaltungen neue Corona-Regeln. Dürfen Gläubige die Kirche künftig nur noch besuchen, wenn sie getestet, geimpft oder genesen sind?

München – Für Veranstalter gibt es in Bayern seit Anfang der Woche Lockerungen. Bei Kulturveranstaltungen und Großereignissen gibt es künftig die Option der 2G- oder 3G-plus-Regel. Besucher dürfen dann nur noch an Veranstaltungen teilnehmen, wenn sie geimpft oder genesen sind oder einen negativen PCR-Test vorweisen können. Ist das auch für Gottesdienstbesuche eine Lösung?

Für die katholische und evangelische Kirche spielen diese Lockerungen erst einmal keine Rolle. Ob für Gottesdienste die allgemeinen Regelungen oder die 3G-Regelung angewendet werden, obliegt der Entscheidung der einzelnen Pfarreien – sowohl der katholischen als auch der evangelischen. Für eine 2G- oder 3G-plus Option „sehen wir aktuell keinen Bedarf“, teilte Hendrik Steffens von der Pressestelle des Erzbistums München Freising mit.

Lieber Abstand als 3G-Regel

Die evangelischen Kirchen setzen weiterhin auf Abstandsregeln. „Das ist der einfachere Weg“, sagt Johannes Minkus vom Landeskirchenamt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Abstände zu kontrollieren, sei leichter umzusetzen. Minkus vermutet daher, dass die einzelnen Kirchengemeinden bei dieser Regel bleiben werden.

So auch Pfarrerin Beate Frankenberger aus Tutzing im Kreis Starnberg. Die 3G-Regeln zu kontrollieren, sei ein „viel zu großer Aufwand“. Dafür brauche es Ehrenamtliche. Das wolle jedoch keiner machen. Wichtiger ist für die Pfarrerin das Einhalten des Mindestabstandes.

Die evangelische Pfarrerin Beate Frankenberger aus Tutzing Kreis Rosenheim

Mit welchen Regelungen fühlen sich die Kirchgänger wohler? Um das herauszufinden, wagt eine Gemeinde im Kreis Rosenheim ein Experiment. In Prien am Chiemsee dürfen Gottesdienstbesucher die Kirche am Kirchweihsonntag, 17. Oktober, nur betreten, wenn sie geimpft, getestet oder genesen sind. „Wir sind gespannt, ob mehr Leute zum Gottesdienst kommen oder ob welche wegbleiben, weil sie nicht so nah beieinander sitzen wollen“, sagt Gemeindereferent Werner Hofmann. Erste Rückmeldungen im Pfarrbüro und Gespräche an der Kirchentüre zeigten durchwegs Widerstand gegen die 3G-Regel, verrät Hofmann.

Hoffnung auf mehr Gläubige an Feiertagen durch 3G-Regel

Andreas Maria Zach, Stadtpfarrer in Rosenheim, ist für einen pragmatischen Umgang mit den Corona-Regeln. Momentan bevorzugt er die Abstandsregeln. Das sei leichter zu kontrollieren. In seinen Pfarrkirchen markieren Platznummern an den Sitzbänken den erforderlichen Abstand.

Über Advent und die Weihnachtsfeiertage möchte Zach auf die 3G-Regel setzen. Kontrollieren sollen das Pfarrgemeinderatsmitglieder und erwachsene Ministranten. Die 3G-Regel sei an Festtagen „günstiger“, da so mehr Gläubige an den Gottesdiensten teilnehmen können, auch wenn die Besucher dann wieder durchgehend Maske tragen müssen. Momentan dürfen die Gläubigen an ihrem Platz die Maske abnehmen. „Das ist eine sehr schöne Erleichterung“, sagt Zach.

Selbst beim Singen müssen sie bei ihm keine Maske tragen. In Anbetracht der Sieben-Tages-Inzidenz von 230 in Rosenheim ein Risiko? „Von der Kirche geht keine Gefahr aus“, sagt Zach. Er befürchtet vielmehr, Gläubige an der Kirchenpforte abweisen zu müssen. Der katholische Pfarrer hat einen klaren Appell. „Es müssen sich mehr Leute impfen lassen. Wenn die Immunität höher ist, dürfen auch mehr Leute rein.

Der katholische Pfarrer Andreas Maria Zach aus Rosenheim

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