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Der Münchner Kardinal Reinhard Marx

Kirchen: Warnung vor Egoismus

München - Kardinal Marx warnt vor Egoismus, Landesbischof Bedford-Strohm sieht eine Fixiertheit auf materiellen Wohlstand: Bayerns Kirchenvertreter haben zum Jahreswechsel der Gesellschaft ins Gewissen geredet.

Bayerns evangelischer Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat die Menschen dazu aufgerufen, ihr Lebensglück nicht allein über materiellen Wohlstand zu definieren. Denn das sei „nicht der Weg der Freiheit, sondern eine Form von Knechtschaft“, sagte er am Neujahrstag in München. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx warnte in seiner Silvesterpredigt vor Egoismus als Leitbild in Wirtschaft, Politik und Kirche. Die Finanz- und Schuldenkrise sei ein Zeichen dafür, dass Anreizsysteme auf falschen Leitbildern aufgebaut wurden, sagte der Erzbischof von München und Freising laut Mitteilung.

Dieses Leitbild habe propagiert, dass jeder Mensch vor allem an seinen eigenen Vorteil denken solle und dürfe. „Da wir alle Sünder sind und verführbar, kann das auch eine Weile funktionieren, nicht nur bei Banken, auch bei deren Kunden. Nicht nur in Wirtschaft und Politik, sondern sogar in der Kirche.“ Weiter sagte er: „Langfristig führt es aber zu einer Kultur des Misstrauens und damit auch zu gesellschaftlich negativen Entwicklungen. Die Finanz- und Schuldenkrise ist ein Zeichen dafür.“

Bedford-Strohm, der nach Angaben seines Sprechers am Dienstag in der Münchner Matthäuskirche predigte, sagte, er spüre eine „kollektive Verlustangst“ der Deutschen angesichts der derzeitigen Sorgen um den Euro. Jedoch sei Deutschland mit einem Privatvermögen von mehr als zwölf Billionen Euro ein sehr reiches Land. In der Eurokrise könne Deutschland deshalb dort Solidarität leisten, „wo das anderen wirklich hilft, aus einer Situation der Not wieder auf die Beine zu kommen“, mahnte er. Schließlich habe sich auch Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg dank der Solidarität anderer Nationen zu einer der stärksten Volkswirtschaften der Welt entwickeln können.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sagte, der Glaube müsse im Alltag wieder mehr Bedeutung gewinnen. Es sei leider Tatsache, dass zu viele Getaufte und Gefirmte nicht die Zehn Gebote oder die sieben Sakramente kennen würden und von den vier Evangelien erschreckend wenig wüssten. „Wo kein Wissen ist, da ist kein Nachdenken und schon gar kein Handeln entsprechend unserem Glauben.“

Der Passauer Bischof Wilhelm Schraml sprach sich in seiner Silvesteransprache gegen jede Form der organisierten Sterbehilfe aus. Den meisten Menschen gehe es um eine menschliche Sterbebegleitung und nicht um „Hilfe zum Selbstmord“, sagte Schraml laut Bistumsmitteilung. Daher müsse die Palliativmedizin weiterentwickelt und das Hospizangebot ausgebaut werden. „Als katholische Kirche lehnen wir jede Form der organisierten Sterbehilfe ab“, sagte Schraml.

dpa

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