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Gemälde von Lucas Cranach erzielen hohe Preise.

LKA ermittelt

So kamen die Ermittler auf den Gemälde-Fälscher

Passau - Ein Restaurator aus dem Raum Passau soll über Jahrzehnte Renaissance-Gemälde gefälscht haben. Bei Auktionen haben die Plagiate mehr als 500.000 Euro erbracht.

Seit einiger Zeit zweifelt Michael Hofbauer kein bisschen mehr. Er hat zu lange recherchiert und die Bilder des Renaissance-Malers Lucas Cranach und dessen Umfeld zu intensiv studiert. „Es gab immer wieder Material, das Fragen aufgeworfen hat“, sagt er. Seit einiger Zeit ist er sicher, die Antwort auf diese Fragen gefunden zu haben. Wenn seine Antwort stimmt, hat der 53-jährige Kunsthistoriker aus Niederbayern damit einen Skandal aufgedeckt.

Hofbauer ist sich sicher, dass ein Restaurator und Kirchenmaler aus dem Raum Passau seit fünf Jahrzehnten mindestens 40 Gemälde gefälscht hat. Es geht um Bilder aus der Werkstatt und dem Umfeld von Lucas Cranach dem Älteren und Datierungen aus dem frühen 16. Jahrhundert. All diese Plagiate sollen in Auktionshäusern in Deutschland und im Ausland mehr als 500.000 Euro erbracht haben.

Hofbauer baut mit einer Forschungsgruppe seit 2006 ein digitales Verzeichnis von Werken der Cranach-Familie auf. Darin sollen möglichst alle Bilder erfasst werden. Die Hinweise, dass bei Auktionen erstaunlich viele Fälschungen verkauft wurden, häuften sich. Die Werke wurden als „Umkreis“ oder „Nachfolge“ von Cranach ausgegeben.

Laut Hofbauer weisen sie jedoch „eine Flut von Indizien auf“, die daraufhin deuten, dass sie nicht aus der Cranach-Werkstatt stammen können. „Das ist wie mit einer bestimmten Handschrift“, sagt Hofbauer. „Ein Cranach-Experte erkennt die Abweichungen bei Systematik, Pinselduktus oder Farbbildung.“ Vor sechs Jahren ist Hofbauer selbst bei einem Gemäldekauf auf den verdächtigten Kirchenmaler hereingefallen, berichtet er.

Seitdem hat er verstärkt Hinweise gesammelt – und den Kunstfahndern des Landeskriminalamts (LKA) im September schließlich den entscheidenden Hinweis gegeben. Da die Meldung von einem Cranach-kundigen Kunsthistoriker kam, hat die Polizei die Anschuldigung sehr ernst genommen.

Mehrere Hausdurchsuchungen

Nun hat die Staatsanwaltschaft Passau die Ermittlungen gegen den Restaurator eingeleitet. Und gegen drei weitere Beschuldigte, die ihm möglicherweise beim Absatz der Werke behilflich waren. Nach mehreren Hausdurchsuchungen wird derzeit Beweismaterial ausgewertet, berichtet LKA-Sprecher Ludwig Waldinger. „Die Ermittlungen werden sich mit Sicherheit noch viele Monate hinziehen“, sagt er. „Wir stehen erst ganz am Anfang.“ LKA-Präsident Peter Dathe sagt bereits jetzt: „Sollte sich der Tatverdacht bestätigen, stellt dieser herausragende Fall einen Eingriff in die deutsche Kunstgeschichte dar.“

Umgeschrieben werden muss die Kunstgeschichte sicher nicht, sagt Michael Hofbauer. Aber es ist ein großer wirtschaftlicher Schaden entstanden. Und noch schlimmer sei vermutlich der Vertrauensverlust in Handel und Expertentum. Hofbauer weiß, dass sich die Auktionshäuser nicht hinter ihn stellen werden. Sie haben Warnungen der Cranach-Forschungsgruppe ignoriert, erzählt er. Der Zwang, den Verkauf von Gemälden am Laufen zu halten, sei einfach oft größer, als der Wille Fälschungen aufzuspüren. Zwar hätten die wenigsten Auktionshäuser Cranach-Experten, aber es würden trotzdem zu wenig Fragen gestellt, kritisiert er. Als Kunsthistoriker, sagt Hofbauer, hätte er es nicht mit sich vereinbaren können, seinen Verdacht nicht zu melden. Noch ist für niemanden abzuschätzen, ob noch mehr Fälschungen aus Niederbayern auf dem Markt sind. „Ich habe nur bei Werken mit Cranach-Bezug nachgeforscht“, sagt Hofbauer. „Vielleicht sind die 40 Gemälde nur die Spitze des Eisberges.“

Katrin Woitsch

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