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Kirchenrechtler: Papst Benedikt „hat eindeutig gelogen“

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Thomas Schüller
Thomas Schüller, Theologe und Kirchenrechtler, spricht. © Rolf Vennenbernd/dpa

Aussagen des emeritierten Papstes Benedikt XVI. zu seiner Rolle im Umgang mit einem nach Bayern versetzten Missbrauchstäter sind aus Sicht des renommierten Kirchenrechtlers Thomas Schüller eine klare Lüge. „Er hat eindeutig gelogen“, sagte Schüller am Donnerstagabend im ARD-„Brennpunkt“.

München - Benedikt hatte immer wieder betont, an einer Sitzung im Jahr 1980 nicht teilgenommen zu haben, in der beschlossen wurde, dass ein Priester, der im Bistum Essen Jungen missbraucht hatte, nach Bayern versetzt werden soll. Benedikt, der frühere Kardinal Joseph Ratzinger, war von 1977 bis 1982 Erzbischof von München und Freising.

Die Münchner Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW), die am Donnerstag ein aufsehenerregendes Gutachten zu Missbrauchsfällen im Erzbistum München veröffentlichte, hatte Ratzingers Angaben zu dem Fall stark angezweifelt und die Kopie eines Protokolls vorlegt, wonach Ratzinger - anders als von ihm behauptet - durchaus an der Sitzung teilgenommen hatte.

Seine Teilnahme daran sei belegt, „weil das Protokoll Dinge referiert, die nur er wissen kann aus einem Gespräch mit Papst Johannes Paul II.“, betonte Schüller. Dass es bei diesem Gespräch ausgerechnet um die Entziehung der Lehrerlaubnis für Ratzingers langjährigen liberalen Widersacher, den Theologen Hans Küng, ging, nannte Schüller einen „Treppenwitz der Geschichte“.

„Er möchte heute nicht die Wahrheit sehen, sondern er leugnet sie und versucht, alle Verantwortung von sich zu schieben und dadurch brüskiert er die Opfer ein zweites Mal“, kritisierte Schüller den emeritierten Papst. Der heutige Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, der das Gutachten in Auftrag gegeben hatte, sei da schon weiter. „Er hat wirklich kapiert jetzt, dass er sich auf die Seite der Opfer zu stellen hat“, sagte Schüller. „Ob es zu spät kommt, werden wir sehen.“ dpa

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