Kirchturm-Tiger als Taubenschreck

Nördlingen - Eine Katze mit dem ungewöhnlichen Namen "Wendelstein" kämpft im Kirchtum im schwäbischen Nördlingen gegen Tauben. Das tut sie so erfolgreich, dass die Stadt ihr sogar ein Gehalt zahlt.

„Wendelstein“ kann nicht erzählen, wie viele Treppenstufen sie täglich läuft. Es müssen viele tausend sein, denn allein schon 350 Stufen legt sie zurück, wenn sie zu ihrem Futternapf in der Türmerstube will. Hoch oben im Kirchturm „Daniel“ im schwäbischen Nördlingen lebt die Katze seit Anfang des Jahres mit den Türmern des 90 Meter hohen Wahrzeichens der Stadt.

Jung, neugierig und hungrig kam sie vor wenigen Monaten die Stufen hinaufgelaufen und blieb, nachdem sich Turmwächter Günther Burger bei ihr mit einer Dose Heringsfilet in Tomatensoße beliebt gemacht hatte. Er erzählt, dass sich „Wendelstein“ ganz ausgezeichnet mit den vielen Touristen verstehe, die täglich auf den „Daniel“ der evangelischen St. Georgskirche steigen. Manchmal begleite sie eine japanische Reisegruppe oder ein paar Italiener auf dem Abstieg bis zur Eingangspforte nach unten. Aber „Wendelstein“ unternimmt ihre Ausflüge nicht nur zum Spaß. Sie habe auch einen Dienst zu erledigen, erzählt ihr Herrchen Burger. Sie soll die Tauben erschrecken, die auf den Treppen und auf den Balken des Dachgestühls viel Schmutz hinterlassen.

Nur das gesündeste und beste Katzenfutter

Weil vor der Katze die Vögel Reißaus nehmen, sei seit ihrem Einzug der Turm sauberer, stellt Burger fest. Dankbar zahlt die Stadt Nördlingen nun der jungen Katze ein „Gehalt“: 250 bis 300 Euro habe man im Haushalt für das Katzenfutter veranschlagt, bestätigt Klaus Feldmeier von der Stadtkämmerei. Der Posten heißt offiziell „Geschäftsaufgabe-Taubenabwehr“. Die Stadt übernimmt diese Kosten, weil sie für den Unterhalt des Kirchbaus zuständig ist.

Nur das gesündeste und hochwertigste Fressen kaufe er für das Tier, versichert Burger. Dennoch steigen immer wieder Tier-Freundinnen in die Turmstube und bringen Leckereien vorbei. „Die trauen unserem Männerhaushalt wohl nicht zu, dass wir ein Haustier gut behandeln“, sagt Burger, der sich mit vier Kollegen im Wachdienst abwechselt.

Historischer Name für die Katze

Der kräftige, gut trainierte Turm-Tiger begleitet Turmwächter Burger auch auf den Aussichtskranz. Während sich Burger dort für das Wetter interessiert, oder seinen Wachruf über die Dächer der Stadt hallen lässt, spaziert Wendelstein auf dem Geländer in 90 Meter Höhe herum. Gerne würde sie auch auf den Filialtürmchen am „Daniel“ herumturnen. Aber der Turmwächter hat vorsichtshalber alle Fenster geschlossen.

Auf den ungewöhnlichen Namen für die Katze sind auch die Türmer gekommen. Historisch bewandert wussten sie, dass früher die Bürger der Stadt ihren Kirchturm der evangelischen St. Georgskirche „Wendelstein“ nannten.

Jutta Olschewski

Rubriklistenbild: © dpa

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