+
Eine Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) sitzt am 10.09.2014 im Weinberg der Familie Mohr in Bensheim an der Bergstraße (Hessen) auf einer Traube der Sorte Portugieser.

"Wir müssen schnell handeln"

Diese Fliege bedroht rote Früchte in Bayern

Veitshöchheim - Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau warnt vor der Kirschessigfliege. Das Insekt breitet sich in Süddeutschland aus und ist gefährlich für Bayerns rote Früchte.

Sie sieht der Fruchtfliege zum Verwechseln ähnlich und kann doch viel mehr Schaden anrichten. Die Kirschessigfliege breitet sich in Süddeutschland aus und ist gefährlich für Bayerns rote Früchte. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf. „Wir haben einen gewissen Druck und müssen schnell handeln. Vor allem Obstbäume und Beerensträucher sind stark gefährdet“, sagte LWG-Präsident Hermann Kolesch der Deutschen Presse-Agentur. Das Umweltministerium habe der Landesanstalt aktuell 600.000 Euro für eine dreijährige Forschung über den Schädling zugewiesen.

Der LWG-Präsident warnt trotz der ernsten Lage aber vor Panik. „Wir müssen das Thema jetzt mit einer guten Ernsthaftigkeit angehen und hoffen, dass der Wettergott uns wohl gesonnen ist. Ich hoffe, wir haben nicht jedes Jahr so eine hohe Luftfeuchte wie 2014“, sagte Kolesch. Die Kirschessigfliege entwickelt sich am besten bei Temperaturen zwischen 20 und 24 Grad und feuchter Luft.

Sie wird angezogen von reifem und aufgeplatztem Obst. „Wegen der Streuobstproblematik und der geringen Marktpreise hängt oft sehr viel reifes Obst draußen“, sagte Kolesch. Am liebsten sucht sich der Schädling Kirschen, Pflaumen und Beeren für seine Eiablage aus. Die Früchte sind danach ungenießbar.

Die Fliege ist bereits seit 2012 in Bayern zu finden, 2014 verursachte sie zum ersten Mal spürbare Verluste. Besonders gefährdet sind den Experten zufolge die Kirschplantagen in Oberfranken und am Bodensee, die Beerenfelder am Untermain und die Weinberge mit roten Trauben in Unterfranken.

Schäden an einer Weintraube, verursacht durch die aus Asien eingewanderte Kirschessigfliege, aufgenommen am 21.08.2014 in einem betroffenen Weinberg in Vogtsburg-Oberbergen (Baden-Württemberg).

In Südtirol ist das Tier schon länger unterwegs. Dort wurde deshalb bereits geforscht. „Sobald die Hygiene in der Anlage nicht mehr klappt, bekommen wir bei den Trauben ein Problem“, erklärte Florian Sinn vom Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau. Für die Winzer, Obstbauern und Kleingärtner heißt das: Das Gras zwischen den Rebstöcken, Bäumen und Sträuchern kurz halten und die Pflanzen von überschüssigen Blättern befreien.

Erste Versuche mit einem Insektenvernichtungsmittel hätten den Befall eingedämmt, seien allerdings nicht bienenfreundlich. Der Massenfang der Tiere habe nur eine leichte Reduzierung der Schädlinge und nicht den gewünschten Blockadeeffekt gebracht. Ähnlich sah es bei engmaschigen Netzen aus. „Alternative Methoden und neue Insektizide müssen noch verstärkt getestet werden“, so Sinn.

Interessant ist, dass sich die Fliege bei den roten Trauben am liebsten auf bestimmte Sorten setzt. Sie mag Dornfelder- und Regent-Trauben, lässt Domina und Spätburgunder aber eher links liegen.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Starke Gewitter suchen Bayern heim - davor warnt der Wetterdienst
Schon am Montagabend zogen mehrere größere Gewitter über Bayern. Nun, zum Dienstagabend hin, wird die Lage wieder ähnlich brenzlich. Der Deutsche Wertterdienst warnt.
Starke Gewitter suchen Bayern heim - davor warnt der Wetterdienst
„Animal Hoarding“ in Bayern: Polizei findet tote und abgemagerte Hunde in Lagerhalle
Die Polizei hat in einer Lagerhalle nahe Augsburg einen grausigen Fund gemacht: Sie fanden zehn stark abgemagerte und verletzte Hunde - einer der Hunde war bereits tot. …
„Animal Hoarding“ in Bayern: Polizei findet tote und abgemagerte Hunde in Lagerhalle
Junge Männer werfen Steine und Paletten auf fahrende Autos: Das ist ihre irre Begründung
Zwei junge Männer im Alter von 16 und 19 Jahren sollen zahlreiche große Steine und Holzpaletten auf fahrende Autos, Lastwagen und einen Zug geworfen haben. Ein Beifahrer …
Junge Männer werfen Steine und Paletten auf fahrende Autos: Das ist ihre irre Begründung
Bei Schweinfurt: Dieb klaut ganzes Weizenfeld
Diebesfahrt mit schwerem Gerät: Ein Unbekannter hat im unterfränkischen Geldersheim (Landkreis Schweinfurt) ein Weizenfeld abgeerntet.
Bei Schweinfurt: Dieb klaut ganzes Weizenfeld

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.